“Die Kunst dem Volke!” Die Volksbühne Kiel wird 120 Jahre alt

“Die Kunst dem Volke”

 

Noch im Juli 1894 – nur wenige Wochen nach ihrer Gründung – gab sich die „Freie Volksbühne für Kiel und Umgebung“ den Namenszusatz „Freie Volksbühne für jedermann“. Damit war der Richtungsstreit entschieden: nicht Organisation im Klassenkampf, sondern eine Volksbildungsanstalt wollte man sein (auch wenn diesen Begriff erst Max Alberty 26 Jahre später prägte).

 

Komposita wie Volksrepublik, Volkskammer oder Volksarmee einerseits und Volksgemeinschaft, Volkssturm und Volksgerichtshofandererseits haben den Volksbegriff im 20. Jh. arg diskreditiert. Dabei gab es in Verbindungen wie Volkstheater, Volksbibliothek und Volksbildung auch eine ganz
andere, ältere und gänzlich unbelastete Begriffstradition.

 

Hier ging es nicht um ideologische Vereinnahmung, sondern um die Öffnung von Kultur- und Bildungsangeboten „für das Volk“, für die Masse der Unterprivilegierten, die von solchen Angeboten bisher so gut wie ausgeschlossen waren – wegen der finanziellen Zugangsschwellen, vor allem aber wegen des fehlenden `Bedarfsbewusstseins` und weil eine Arbeitswoche mit sechs zehn- bis zwölf-Stundentagen für ‚so etwas‘ auch schlicht keine Zeit ließ …

Rolf-Peter Carl schreibt über die lange Geschichte der Volksbühne Kiel und spricht mit ihrem Vorsitzenden Gerd Müller.

 

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