Rolf-Peter Carls KulturOrte: Das Nordfriesische Institut in Bredstedt

Als langjähriger Leiter der Kulturabteilung in Schleswig-Holsteins Kultusministerium kennt Rolf-Peter Carl die Kulturorte des Landes und ihre Geschichten wie kaum ein anderer. Umfangreich, detailliert  und informiert stellt er sie uns vor. Dieses Mal: Das Nordfriesische Institut in Bredstedt


 

Im Zuge der kommunalen Gebietsreform in Schleswig-Holstein entstand 1970 aus den bisherigen Kreisen Südtondern, Husum und Eiderstedt der neue Landkreis Nordfriesland. Damit gehörte zum ersten Mal der gesamte (nord-)friesische Siedlungsbereich – allerdings ohne die Hochseeinsel Helgoland – zu einer Gebietskörperschaft und der Begriff „Friesland“ geriet wieder in das öffentliche Bewusstsein. In der Schule hatte man zwar mal etwas von nord- und ostfriesischen Inseln gehört  evtl. sogar auch von westfriesischen), aber „Friesland“ kam nicht vor, schon gar nicht im Plural.

Eine Publikation wie „Die Frieslande“ (2006) wäre wohl vor 1970 kaum auf breite Resonanz gestoßen. Und dass es eine friesische Sprache – bzw. eine ganze Anzahl mehr oder weniger voneinander  abweichender Mundarten – gibt, war außer den wenigen, die noch über sie verfügten, auch kaum bekannt. Allenfalls war aus dem Deutschunterricht noch der trutzige Wahlspruch „Lewer duad üs Slav“ aus Detlev von Liliencrons „Pidder Lüng“ haften geblieben (der übrigens in mindestens fünf unterschiedlichen Dialektfassungen überliefert ist, so auch – schon viel ‚fremder‘ klingend – in der Form „Liiwer düüdj as sloow“).

„Rüm hart – klaar kiming“ ist ein weiterer – friedlicherer – friesischer Wahlspruch. Er ist populärer, man findet ihn in Nordfriesland häufiger und auf Helgoland z.B. gleich am Hauptanleger. Er bedeutet „Weites Herz – klarer Horizont“ und drückt so viel friesisches Lebens- und Heimatgefühl aus, dass er es auch auf ein Poster und zum Motto eines Reise-Rallye-Spiels geschafft hat (beides leider vergriffen). Aber bis zu diesem breiteren öffentlichen Interesse an der friesischen Volksgruppe, ihrer Geschichte, ihrer Kultur, Eigenart und Sprache war es ein weiter Weg.

Auf ihre „Freiheit“ – frei von Fürstenhöfen, Hörigkeit und Abgabepflichten – haben „die Friesen“ stets gepocht. Dabei hat sie ihren Ursprung eher in einem Mythos: das sog. „Karlsprivileg“, den Friesen angeblich von Karl d.Gr. für Waffenhilfe erteilt, ist eine schlichte Urkundenfälschung …

Rolf-Peter Carl erzählt die Geschichte des Nordfriesischen Instituts in Bredstedt und spricht dessen Leiter Thomas Steensen

 

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