Als Matrosen die Demokratie erkämpften

Am Sonntag, dem 3. November 1918 wurden im Bereich der Kieler Karlstraße/Feldstraße sieben von rund 6000 Demonstranten erschossen und etwa 29 verletzt. Die Karlstraße gibt es nicht mehr, aber ganz in der Nähe dieses Ortes erinnert seit 1994 eine künstlerisch gestaltete Plakette an die Opfer der „ersten Salve“.
Bis zu diesem Zeitpunkt hatte es in Kiel nur Versammlungen sowie Demonstrationen von Arbeitern und Marinesoldaten für die Freilassung von Inhaftierten gegeben. Nach dieser „ersten Salve“ aus den Gewehren von noch in Ausbildung befindlichen Rekruten kam es am übernächsten Tag, dem 5. November zu Schießereien mit zehn Toten und mindestens 21 Verletzten.

Für Kiel konzentriert sich das Gedenken an die Revolution von 1918 zwar auf den 3. November. Wie aber kam es dazu? Und wie gewannen die damaligen Ereignisse so herausragende Bedeutung für die politische Entwicklung Deutschlands, dass daran im Jahre 2018 mit vielerlei Veranstaltungen in Kiel, Wilhelmshaven und anderen Orten nicht nur in Norddeutschland erinnert werden wird?

Alles begann mit einer Unbotmäßigkeit der Marineführung – als sich im Oktober 1918 trotz strikter Pressezensur selbst für die Öffentlichkeit abzeichnete, dass der Weltkrieg für das Deutsche Reich nicht zu gewinnen war. Schon im August 1918 hatte dies die Oberste Heeresleitung der Regierung gegenüber eingestanden und am 28. September einen sofortigen Waffenstillstand gefordert.

Diesen strebte die seit dem 30. September neue Reichsregierung unter Prinz Max v. Baden, der auch Sozialdemokraten angehörten, an. Im extremen Gegensatz dazu stellte die Marineführung fest, dass sie keinen Waffenstillstand brauche, sondern weiterkämpfen könne. Tatsächlich waren die Schiffe und Boote der kaiserlichen Hochseeflotte weitgehend intakt und einsatzbereit.Die Hauptlast des Seekrieges lag auf den U-Booten, mit denen vor dem Kriegsausbruch 1914 niemand gerechnet hatte.

 

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Dr. Dieter Hartwig