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Martin Lätzels Ana[B]log: Revolution heute

1918 rebellierten in Kiel Arbeiter und Matrosen und gaben so den Auftakt zur Novemberrevolution.

Was taugt es, sich heute noch an einen Aufstand von vor annähernd einhundert Jahren zu erinnern? Was hat das Aufbegehren der Matrosen mit uns heute zu tun? Heute erleben wir keine Revolutionen mehr. Heute stehen wir vor anderen Herausforderungen, so heißt es.

Die politischen Verhältnisse scheinen uns stabil genug. Und es spricht für das Grundgesetz und die Entwicklung der Demokratie in Deutschland, dass das so ist. Die Gefahr liegt jedoch in der Gewohnheit. Weil alles in unserem Staat so funktioniert, wie es funktioniert, sehen sich viele Bürger von politischer Anteilnahme und noch mehr politischer Teilhabe gar dispensiert.

Die Verantwortung wird gerne auf „die da oben“ geschoben, auf die Politiker, denen man eh nichts zutraut. Vielmehr begegnen wir der Anti-Revolution, der Trotzreaktion, dem Dagegen-Sein ohne Dafür-Argumente zu haben. Diesen Entwicklungen und den daraus folgenden Wirrungen vor dem Hintergrund der Globalisierung entspricht die Theorie der so genannten Postdemokratie. Diese besagt nicht etwa, dass die Demokratie dadurch abgeschafft würde, nein, sie besagt, dass die Demokratie sich dadurch stark verändert.

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Martin Lätzel