Theaterfotograf Joachim Thode – “Es gibt diese Augenblicke, da ist der ganz besondere Moment im Raum…”

Für die Kieler Theaterlandschaft begann 1907 eine neue Ära: die Verwaltung des Stadttheaters wechselte von privater in städtische Hand, der mit öffentlichen Geldern errichtete Theaterneubau am „Kleinen Kiel“ wurde eingeweiht und das „Kleine Theater“ in der Holtenauer Straße dem städtischen Theater angegliedert. Über 2500 Künstler standen seitdem in wechselvollen Theaterjahren auf den Kieler Brettern, nicht nennbar die Zahl der Mitarbeiter in der Verwaltung und den Gewerken.

Und dagegen steht so etwas wie eine Konstante: Nur drei Fotografen begleiten das Kieler Theaterleben durch 110 Jahre seiner Geschichte. Erika Haendler-Krah ist 1919 die erste Theaterfotografin in Kiel, seit 2003 fotografiert der Fotodesigner Olaf Struck. Dazwischen, von der Spielzeit 1973/74 bis 2002/03, wirkt am Kieler Theater der Fotograf Joachim Thode.

 

Joachim Thode sitzt uns gegenüber: Mit den wachen Augen des Fotografen, eine freundliche Ruhe ausstrahlend und in lebendiger Rede – so erinnert er sich an das Kieler Haus und an seine persönlich erlebte Geschichte der
Theaterfotografie.

Joachim Thode löst in Kiel eine Fotografin ab, die mit 81 Jahren die Theaterbühne verlässt. Er ist 31, bringt ein Studium zum Kommunikationsdesigner an der Hamburger Hochschule für Bildende Künste mit – und den frischen Blick auf die Dinge. Und dieser ist gefragt. Ein anderer Inszenierungsstil ist in die Theater eingezogen und man wünscht sich einen Fotografen, der den neuen Weg in seinen Bildern mitgeht. Joachim Thode arbeitet freischaffend. Er hat sein Labor im angebauten „schwarzen Kubus“ des Kieler Opernhauses, „lebt“ quasi inmitten seiner Aufgabe. Er sagt von sich: „Ich war Teil des Theaters“ – tags und oft auch nachts. Joachim Thode ist vor Ort und kann jederzeit die Erarbeitung einer Aufführung von den Vorproben bis zur endgültigen Fassung verfolgen, fordert von sich die Auseinandersetzung mit dem Werk und das Eindringen in die Konzeption der Inszenierung.

„Ich bin in jedes Stück positiv gegangen“, neutral und neugierig und „immer auf Seiten des Theaters“. Er hat sich eingelassen und während seiner Arbeit das Gefühl gefunden: „Alles war in dem Moment nur für mich da“. Er
sucht das optimale Foto, das die Idee der Regie, die Form der Darstellung und die Sicht des Bühnenbildners in eine spannungsreiche Ästhetik setzt. „Es geht immer auch um Kunst und um deren Vermittlung“.

Joachim Thode dokumentiert in seinen Bildern drei Jahrzehnte Kieler Theaterschaffen. Er beginnt in der wegweisenden Ära des Intendanten Joachim Klaiber und seiner Frau Carla Henius, die Kiel mit der Aufführung zeitgenössischer musikalischer Werke im „Opernstudio“ überregional Beachtung verschafft.

 

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Karin Jaekel-Neumann,
Theatermuseum Kiel e.V.