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Das “Gute Leben”. Was wir heute noch von David Henry Thoreaus “Walden” lernen können – Martin Lätzels Ana[B]log

Im Ana[B]log analysiert, kommentiert, moderiert und pointiert Autor und Publizist Martin Lätzel kulturelles Geschehen in und für Schleswig-Holstein, schreibt auf und nieder, was ihm so in den Sinn kommt oder über den Weg läuft. Dieses Mal fragt er sich, was wir heute noch von Henry David Thoreau lernen können


Vor zweihundert Jahren, im Sommer 1817, wurde in Concord, Neu-England, Henry David Thoreau geboren. Thoreau war ein Kauz oder, wie man es heute ausdrücken würde, ein Nerd. Doch galt sein Interesse nicht der zu Beginn des 19. Jahrhunderts aufkommenden technischen Revolution, sondern, ganz im Gegenteil, der Natur. Sein kurzes Leben hat er im näheren Umkreis seiner Heimat verbracht, abgesehen von wenigen Ausflügen nach News York, nach Kanada und
nach Minnesota.

Allesamt waren diese Touren nicht erfolgreich. Wieder und wieder zog es Thoreau nach Concord zurück. Er streifte durch die Wälder, bestieg Berge, erforschte die Küste und lernte von der Tradition der Indianer. Thoreau sammelte Pflanzen, Steine, Tiere, kartographierte das Gelände. Und er schrieb auf, Tagebuch, Naturbeobachtungen, Reiseberichte. Seine Leidenschaft galt dem Spaziergang und der genauen Beobachtung. Berühmt aber wurde er durch ein Experiment, welches ihn bis heute zum Vorbild aller Aussteiger und Bullifahrer machte. Am nahe Concords gelegenen Waldensee baute er eine Holzhütte, um annähernd zwei Jahre lang in und mit der Natur zu leben. Dass er regelmäßig zum Tee in die Stadt ging, sich mit seiner Familie und Freunden traf, hat der späteren Verklärung keinen Abbruch getan. Denn mit seinem Bericht Walden, or: Life in the Woods, katapultierte er sich in die erste Riege der amerikanischen Literatur und wurde zum Säulenheiligen aller Aussteiger, Naturkundler, Reiseschriftsteller und des alternativen Lebens.

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Martin Lätzel