Filme machen zwischen den Meeren

Schleswig-Holstein ist mehr als nur pittoreske Filmkulisse. Die kleine, ambitionierte Filmszene im Land kann mit einigen auch international beachteten Filmfestivals, guter Nachwuchsarbeit und spannenden Produktionen aufwarten. Jessica Dahlke, Vorsitzende des Vereins Filmkultur Schleswig-Holstein e.V. gibt uns Einblick in die Szene und bricht eine Lanze für Film „made in Schleswig-Holstein“

 

Filmkunst in Schleswig-Holstein bedeutet weite Landschaften, viel Platz und unverbrauchte Geschichten. Alles Dinge, die Großstädte wie Berlin und Hamburg nicht in unbegrenztem Maße zur Verfügung stehen. Dazu kommt eine kleine, ambitionierte Filmszene, die zwar mit fehlenden Strukturen zu kämpfen hat, jedoch einige Festivalerfolge vorweisen kann.

Am Anfang steht die Nachwuchsförderung, die in den letzten Jahrzehnten Talente in die Produktionsfirmen, die Fernsehanstalten und auf die renommierten Filmhochschulen spülen konnte. Jüngstes Beispiel ist Sebastian Husak, der mit 23 Jahren bereits die Hochschule für Fernsehen und Film München besucht. Auch Friedrich Tiedtke ist gern gesehener Gast auf vielen Filmfestivals und hat zuletzt mit seinem Film DER JUNGE IM MEER (D, 2017) den Deutschen Jugendfilmpreis gewonnen. Till Franzen aus Flensburg gewann 2016 den Grimmepreis für die Mini-Serie WEINBERG (D, 2015).

Mit dem Landesverband Jugend & Film, der Bildungsstätte Scheersberg, dem Verein Projekt Kino e.V., dem Offenen Kanal sowie vielen kleinen Initiativen bietet sich für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene eine breite Palette an Möglichkeiten, den Film als Ausdrucksmittel zu entdecken. Die „Nordischen Filmtage Lübeck” bringen mit dem Programm „Young Nordic Film Talent” junge Filmemacher aus Schleswig-Holstein mit Gleichgesinnten aus Skandinavien zusammen. Der „Nur 48 Stunden”-Wettbewerb, 2017 bereits zum zehnten Mal vom Studentenwerk Schleswig-Holstein, dem Landesverband Jugend und Film sowie dem Offenen Kanal ausgerichtet, hat sich über die Jahre zur landesweiten Leistungsschau entwickelt. Und auch das Jugend-Film-Fest auf dem Scheersberg gehört zu den wichtigsten Angelpunkten beim Nachwuchs. Im Bereich Studium bieten die Fachhochschulen Kiel und Flensburg Möglichkeiten, sich mit dem Medium Film auseinanderzusetzen, an der Muthesius Kunsthochschule kann Experimentalfilm studiert werden.

Wo der Nachwuchs hin will, da sind Größen wie Detlef Buck (KARNIGGELS, RUBBELDIEKATZ, BIBI & TINA), Lars Jessen (DORFPUNKS, FRAKTUS) oder Lars Büchel (ERBSEN AUF HALB SECHS) schon lange. Bekannt geworden ist auch Arne Feldhusen, Regisseur des TATORTREINIGERs sowie Susanna Salonen, die mit PATONG GIRL (D, 2015) ebenfalls den Grimme-Preis gewann. Christian Theede aus Flensburg drehte u.a. Märchenfilme für die ARD und führte aktuell beim Kinofilm DIE PFEFFERKÖRNER – UND DER FLUCH DES SCHWARZEN KÖNIGS (D, 2017) Regie. Michael Söth hat die DEICHBULLEN (D, 2017) von einer Webserie zu einer Fernsehserie weiterentwickelt, die bald bei einem bekannten Streaming-Dienst zu sehen sein wird. In Asien erfolgreich ist die Filmgruppe Chaos mit ihren Experimentalfilmen.

Im Dokumentarfilmbereich sind u.a. Wilfried Hauke, Sven Jaax, Philipp Westerfeld, Kay Gerdes, Gisela Tuchtenhagen zu nennen. Unter den Zuschauern sind vor allem die „Nordischen Filmtage Lübeck”, die „Kurzfilmtage Flensburg” und das Eckernförder „Naturfilmfestival Greenscreen” bekannt. In Kiel widmet sich das „Filmfest Schleswig-Holstein” ausschließlich dem einheimischen Film. An der Westküste sind die „Husumer Filmtage” und die „Kunstgriffrolle” zu nennen. Neustadt in Holstein und Rendsburg gehören zu den jüngsten

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Jessica Dahlke,
Vorsitzende des Vereins Filmkultur Schleswig-Holstein e.V.

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