Nachgelesen: Das bewegte Leben der Lotti Huber

Lotti Huber war eine Künstlerin. Sie war eine Lebenskünstlerin. In einschlägigen Artikeln wird sie als Schauspielerin, Sängerin, Tänzerin und avantgardistische Künstlerin bezeichnet. Übersetzerin und Schriftstellerin war sie auch. Unser Autor Martin Lätzel über das bewegte Leben der gebürtigen Kielerin.


Komödiantisches Talent bescheinigte man der Tochter aus großbürgerlichem Hause schon als Kind. Ihr Vater besaß ein gut gehendes Geschäft für edle Stoffe in der Kieler Holstenstraße, die Wohnung der Familie lag direkt darüber. Dass sie Talente hatte, wurde in der Familie schon früh bemerkt, insbesondere die Mutter förderte Lotti Goldmann, wie sie mit Mädchennamen hieß, wo sie konnte. Natürlich gehörte auch ordentlicher Tanzunterricht dazu. Doch was Lotti wirklich interessierte, waren keine steifen Standardtänze, sondern kräftiger Ausdruckstanz, wie ihn Mary Wigman vorführte. So fand man die Jugendliche splitternackt tanzend am Strand von Schilksee, ein Foto ist davon erhalten: Lotti Huber, wie sie kraftvoll und agil über den Sand springt, nein, kunstvoll fliegt.

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Die Mutter führte sie in all’ das ein, was man gestern und heute unter Kultur versteht. Huber wusste das im Nachhinein sehr zu schätzen. In ihrer Autobiographie schrieb sie: „Durch sie (die  Mutter, M. L.) bekam ich in frühester Jugend eine umfassende Literatur- und Theaterkenntnis. In unserem Hause verkehrten Sänger, Schauspieler, Regisseure – unter anderem Gustaf Gründgens, der damals als junger Schauspieler am Kieler Stadttheater engagiert war. Auch Carl Zuckmayer, der als Dramaturg am selben Theater tätig war, hatten wir oft zu Gast …“

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Martin Lätzel

Bildquelle: Privatarchiv Lotti Huber, abgedruckt in „Diese Zitrone hat noch viel Saft. Ein Leben“, Taschenbuchausgabe bei dtv,München, E-Book-Ausgabe bei Edition diá, Berlin.