Rolf-Peter Carls KulturOrte. Gut Panker: Vom Rittersitz zur Gutsgemeinschaft

Das ostholsteinische Gut Panker blickt auf eine bewegte Geschichte zurück

Panker heute – das ist eine Gemeinde im Landkreis Plön, Amt Lütjenburg, 22.76 qkm, etwa 1500 Einwohner. Das gewöhnliche gelbe Ortsschild lässt von einem „Gut“ Panker nichts erkennen, aber der interessierte Tourist stößt auch außerhalb der Saison an einem der – geschlossenen – Läden bald auf einen Flyer mit diesem Label: „Gut Panker. Kunst. Kultur. Genuss“. Er zeigt als Logo den Umriss eines dreiflügeligen Herrenhauses, das im Prospekt selbst aber nicht weiter vorgestellt wird, im Unterschied zu den übrigen Einrichtungen des Dorfes allerdings auch nicht öffentlich zugänglich ist. Es befindet sich im Eigentum der Hessischen Hausstiftung; der gegenwärtige Hausherr ist Donatus Prinz und Landgraf von Hessen.

Außer dem Gutshaus selbst ist aus der weitläufigen Hofanlage vor allem noch das Torhaus erhalten – heute für Werkstätten von Kunsthandwerkern genutzt und auch als exklusive Ferienwohnung zu buchen. Die früheren Wirtschaftsgebäude, die das Torhaus mit dem Herrenhaus verbanden, wurden bei einem großen Brand 1957 zerstört. An ihrer Stelle etablierten sich diverse Geschäfte, Galerien und ein Restaurant, ausgerichtet auf den ‚gehobenen Bedarf‘ und die eher gut gefüllte Brieftasche. Dazu gehören die Betriebe „Panker Design“ (Gestaltungsentwürfe für Möbel und ganze Inneneinrichtungen mit angeschlossenem Interieurladen und einem Angebot von Glas und Geschirr über exquisite Bettwäsche bis zur Grafik), „Hedesign“ (ein Atelier für Schmuckgestaltung und Fotografien), „Flora Magica“ (Blumendekorationen und eine Auswahl englischer Duftrosen), das „Stilhaus Panker“ (eine Galerie für Handwerk, Kunst, Mode und Design mit wechselnden Ausstellungen), das „Textilatelier Christine Schmidt“ (Design für Stoffe und Tuche mit eigener Schneiderei) und die Firma „Hammerich – Modernes Wohnen“ (Möbel, Glaskunst, Leuchten etc).

Das Hotel und Restaurant „Ole Liese“ verdankt seinen Namen einem Testament aus dem frühen 19. Jh., in dem der Erblasser die Versorgung seiner Pferde – eben auch das Gnadenbrot für die „alte Liese“ – geregelt hat. Es wird ebenso wie das etwa drei Kilometer entfernt auf dem 128 m hohen Pilsberg gelegene Restaurant „Forsthaus Hessenstein“ als Pachtbetrieb der Hessischen Hausstiftung geführt. Zur Gutsverwaltung gehört auch der „Ruheforst“, der seit einigen Jahren in dem ca. 620 ha großen Waldbesitz des Gutes Ruhebiotope für Urnenbestattungen anbietet.

Und das „Gestüt Panker“ führt die Tradition der ostpreußischen Trakehnerzucht fort. Im Oktober 1944 mussten das nahe der russischen Grenze gelegene ehemals königlich-preußische Hauptgestüt Trakehnen und die weiteren vier Landgestüte mit insgesamt etwa 800 verbliebenen Pferden vor der heranrückenden Roten Armee überstürzt geräumt werden. Darunter befanden sich 27 wertvolle Stuten und zwei „Hauptbeschäler“ (= Deckhengste) des Hauptgestüts sowie weitere 83 Deckhengste aus den Landgestüten („Landbeschäler“). Auf verschlungenen Wegen erreichten die geretteten Trakehner den Westen und 25 Stuten, darunter sieben aus dem Hauptgestüt, landeten schließlich 1947 auf dem holsteinischen Gut Schmoel. Die Hessische Hausstiftung verpflichtete sich in einem Vertrag mit dem neu gegründeten Trakehner Verband, die Zucht fortzuführen und Fohlen bis zu ihrem dritten Lebensjahr aufzuziehen. Dafür ging jedes zweite Jungtier in den Besitz der Stiftung über. Dieser Vertrag endete 1959; seitdem führt das Gestüt, das 1972 auf Gut Panker verlegt wurde, die Zucht eigenständig weiter. Der jeweils aktive Bestand beträgt heute etwa 30 Pferde. Eine Trakehnerstute erhielt vor einigen Jahren die englische Königin Elisabeth II. von ihren hessischen Verwandten als Geschenk. Seitdem wird auch dort die Trakehnerzucht fortgesetzt.

Die kulturwirtschaftlichen Betriebe in Panker verstehen sich keineswegs als „Museumsdorf“, sie bilden seit 2008 eine aktive Gutsgemeinschaft, die auf eine gute Zusammenarbeit mit der Stiftung und ihrer Güterverwaltung Wert legt. Der kooperative Geist findet seinen Ausdruck auch in regelmäßigen gemeinsamen Veranstaltungen wie dem traditionellen „Fohlenbrennen“ und dem musikalischen Event „Jazz, Pop & Soul auf der Wiese“ im Juli, dem „Sommerabend mit akustischen und kulinarischen Häppchen“ oder der Feier zum 4. Advent.

Ist das Gut Panker heute vorwiegend eine Adresse für Flaneure und Kaufinteressenten an Kunst und Design, so hat es in seiner Geschichte auch ganz andere und wahrhaft bewegte Zeiten erlebt. Von Konkursen, Erbstreitigkeiten, Hexenverbrennungen und Prozessen bis zu skurrilen Testamenten, Ehen zur linken Hand, spektakulären Standeserhöhungen und dubiosen (Strohmann-)Verkäufen ist alles dabei. Mag auch manches eher in den Bereich der Legende gehören wie die zweifelhaften Berichte über einen angeblichen Stützpunkt des „Likedeelers“ Klaus Störtebeker auf dem (später mit Panker verbundenen) Gut Schmoel, so bieten auch die belegbaren Ereignisse Spannung und Überraschungen genug.

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Rolf-Peter Carl