Der Lübecker Brandanschlag

Liebe Leserin, lieber Leser

am vergangenen Montag jährte sich der Brandanschlag in der Lübecker Hafenstraße zum 25. Mal. Einseitige und von Pannen geprägte Ermittlungen werfen bis heute Fragen auf. Für Lübecks Bürgermeister Jan Lindenau ist es „nicht akzeptabel, dass es den staatlichen Institutionen nicht gelungen ist, die Hintergründe des Brandes in der Hafenstraße aufzuklären und die Verantwortlichen zu ermitteln.

Für die Forderung nach Aufklärung habe er großes Verständnis. Diese Forderung wurde einmal mehr im Laufe der von der Initiative Hafenstraße ´96 organisierten Gedenkwoche laut. Die Initiative startete auch eine Online-Petition an den Schleswig-Holsteinischen Landtag zur Einrichtung eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses, die Sie hier unterschreiben können. In die Aufarbeitung und Neubewertung der Ereignisse solle auch, so die Forderung, ein mögliches rassistisches Tatmotiv mit einbezogen werden. Dieses scheint bereits in den ersten Stunden nach dem Anschlag regelrecht wegermittelt worden zu sein: Zeugenaussagen wurde nicht nachgegangen, Alibis wurden unzureichend überprüft, Beweismittel verloren, Geständnisse ignoriert.

Man hatte wieder den Eindruck, dass – am liebsten schon bei der ersten Begehung des Tatorts – ein rechtsradikaler Hintergrund unbedingt ausgeschlossen werden sollte.“, sagt der Schriftsteller Feridun Zaimoglu im Interview. Zusammen mit seinem Ko-Autoren Günter Senkel hatte er 1998 für Brandmal den Schleswig-Holsteinischen Drehbuchpreis erhalten. Darin thematisieren die Autoren unter dem Eindruck der Ermittlungen zum Lübecker Brandanschlag behördliche Vertuschungsversuche. In Lübeck hatte man es „schon wieder mit den bekannten Lügen des bundesdeutschen Staates zu tun. Erstens: Es gibt kein nationalsozialistisches Kontinuum. Der Rechtsradikale an sich ist zu doof, sich zu organisieren. Zweitens: Falls es ein deutscher war, dann ein sicherlich verwirrter Einzeltäter. Drittens: Die Täter werden verstärkt im Umfeld der Opfer gesucht – und mafiöse Strukturen und Bandenkriminalität sind dort nicht auszuschließen.“ so Zaimoglu weiter. Das gesamte Interview lesen Sie online hier und in unserer aktuellen Ausgabe.

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Am 18. Januar 2021 jährt sich der Brandanschlag in der Lübecker Hafenstraße zum 25. Mal. Die schwere Brandstiftung zu einer Zeit, als in der ganzen Republik Asylunterkünfte in Brand gesteckt wurden, ist bis heute ungenügend aufgeklärt, der Mord an zehn Menschen bis heute ungesühnt. Einseitige und von Pannen geprägte Ermittlungen werfen nach wie vor Fragen auf. Kristof Warda erinnert an die Geschehnisse im Januar 1996 und an die Geschichte rassistischer Gewalt in der alten und neuen Bundesrepublik

Die Initiative LOBBI

„…aus dem Bewusstsein heraus, dass eine politische Auseinandersetzung mit Neonazis immer auch bedeuten muss, sich mit den von ihren Taten Betroffenen zu solidarisieren“, arbeitet seit 2001 die Beratungsinititative für Betroffene rechter Gewalt LOBBI in Mecklenburg-Vorpommern. Ein Gespräch über 30 Jahre Wende, Einheit, Wiedervereinigung

Ich wünsche Ihnen eine schöne Woche,

Ihr Kristof Warda