November 2019

03nov15:0017:00Ahrensbök: Swing JugendRebellische Jugendkultur in der nationalsozialistischen ZeitGedenkstätte AhrensbökRubrik:Gesellschaft und Geschichte

Details

Swing tanzen war „streng verboten“. Die Reichskulturkammer zierte das Verbot auf einem Plakat mit dem verzerrten Bild eines Saxofon spielenden schwarzen Musikers, dem man am Jackett einen Judenstern angeheftet hatte. Viele, die sich dem Verbot „zum Schutze der Jugend“ widersetzten und erwischt  wurden, endeten im  Jugendkonzentrationslager Moringen im südlichen Niedersachsen.

„Swing Jugend. Rebellische Jugendkultur in der nationalsozialistischen Zeit“, heißt ein Vortrag zu dem der Trägerverein am Sonntag, den 3. November 2019, um 15.00 Uhr in die Gedenkstätte Ahrensbök einlädt. Mit Wort-, Bild- und Tonbeispielen – auf Schellackplatten und aus dem Koffergrammofon – wird der Lübecker Musikwissenschaftler  Wolf Rüdiger Ohlhoff  vortragen, wie sich jugendlicher Protest unterm Hakenkreuz formierte. Er war vor allem in Großstädten wie Hamburg, Frankfurt und Berlin anzutreffen. Die Jugendlichen zwischen 14 und 21 Jahren,  versuchten sich  durch einen englisch-amerikanischen Lebensstil  von der Hitlerjugend abzugrenzen. Dazu gehörten Swing-Musik, Swing-Tanz, englische Mode, die Lektüre englischer Zeitungen; sie begrüßten sich mit „Heil Hotler“ oder „Swing Heil“.

Das konnte nicht gut gehen. Ab 1940  waren „Tanzlustbarkeiten“ für Jugendliche unter 18 Jahren verboten, was die jungen Leute aus den öffentlichen Clubs und Cafés hinaus in private Feten hinein trieb. Im August 1941  trat die „Sofortaktion“  gegen die Swingjugend in Kraft. Mehr als 300 Jugendliche wurden verhaftet und viele ins KZ eingewiesen. Drei von ihnen wurden noch 1945 wegen des Vorwurfs der „Zersetzung der deutschen Jugend“, wegen Hochverrats, Wehrkraftzersetzung und staatsfeindlicher Propaganda vom Volksgerichtshof angeklagt. Die Staatsanwaltschaft  forderte zehn Jahre  Zuchthaus – eine Strafe, die die jungen Menschen nicht verbüßen mussten, weil Anfang Mai 1945 englische Truppen das Zuchthaus befreiten.

 

Foto: Ohlhoff

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