Samstag, 2. Juli 2022

September 2022

So04sep17:0019:00Schaalby: BRANDENBURGISCHE KONZERTE – 300 Jahre jung!St. Marienkirche zu KahlebyRubrik:MusikVeranstaltungsart:(einmalige) VeranstaltungDiese Veranstaltung ist …:barrierefrei zugänglich

Details

Als JOHANN SEBASTIAN BACH am 24. März 1721 die Partitur seiner sogenannten „Brandenburgischen Konzerte“ unterzeichnete, konnte er vermutlich nicht ahnen, dass diese „Six Concerts avec plusieurs Instruments“ nicht nur eine der beliebtesten Sammlungen in der Musikgeschichte sein würde, sondern dass es von diesen Stücken zahllose Interpretationen auf Tonträgern veröffentlicht gibt. Der legendäre CONCENTUS MUSICUS WIEN war das erste Ensemble, das alle sechs Konzerte erstmals auf historischen Instrumenten aufgenommen hat. Live hingegen hört man die Stücke relativ selten, das liegt vor allem an der unterschiedlichen Besetzung. Jedes der sechs Werke verlangt eine andere Instrumentierung. Obwohl die Werke bekannt sind, sich Ausführende und Wissenschaftlicher Gedanken darüber machen, stellen sich immer noch ein paar Fragen: Was passiert mit dem 2. Satz im 3. Konzert? Was meinte Bach im 4. Concert mit „Flauti d’echo“? Sind Alt- oder Bass-Violen da gamba im im 6. gemeint? Gleichzeitig kann festgestellt werden, dass die unterschiedlichen Besetzungen der ersten beiden Werke fast experimentell anmuten : Demonstriert der Violino piccolo (es ist eben keine „normale Geige“, wie z.B. in großbesetzen Werken von Pisendel oder Vivaldi ) im 3. Satz von Concert 1, dass er sich gegen ein ganzes Orchester mit 2 Hörnern, 3 Oboen, Fagott, Streichern und B.c. durchsetzten kann. Und Trompete, Blockflöte, Oboe und Violine treten solistisch im 2. Konzert hervor – unterschiedlicher hat niemals zuvor und kaum danach ein Komponist Soloinstrumente zusammengestellt. Betrachtet man die einzelnen sechs Werke, so gibt es durchweg in jedem Concert ein Novum, man könnte fast sagen einen „Schocker“: Schon im zweiten Takt des 1. Konzerts halten die Hörner mit ihren Triolen munter gegen 16-tel und 8-tel des restlichen Orchesters, im 2. ist’s die oben beschriebene irrwitzige Instrumentenkombination, im 3. gibt es einen mittleren Satz, der nur aus zwei Akkorden besteht (was oder wer darf oder soll etwas improvisieren?), das 4. Concert ist im Prinzip durch die Behandlung der Sologeige ein Violinkonzert, aber die Flöten machen ihr eigenes Ding, dann aber wieder sind sie „nur“ Tutti-Verstärkung. Die grandiose Cembalokadenz in Nr. 5 hat dem Werk oft das Attribut des „ersten Klavierkonzertes“ der Musikgeschichte eingebracht und im 6. Concert verlangt Bach zweimal im Violone ein Sub-Kontra B – ein Ton, der auf einem Kontrabass nicht drauf ist (es sei denn, man stimmt die tiefste Saite auf eben diesen Ton und erzeugt nur noch „heiße Luft“)…. will Bach, dass in den Takten 45 und 110 des letzten Sastzes der Spieler oder die Spielerin eben dort ein Residuum (oder auch Residualton genannt) erzeugt? Schock für alle – für die Ausführenden, für die Zuhörenden und die Musikwissenschaft, die sich bei diesen 6 Werken freundlich aus ihrem Schubladendenken verabschieden darf. Wir möchten Ihnen gerne die Konzerte II, IV (in Bachs eigenener Bearbeitung als Cembalokonzert), V und VI präsentieren. Das CONCERTINO SCHLESWIG-HOLSTEIN (auf Originalinstrumenten) spielt in der erweiterten Besetzung von Justin Bland – Trompete und Blockflöte , Thomas Rink – Blockflöte und Kontrafagott, Andreas Plückthun – Traversflöte, Hanno Nachtsheim – Oboe, Britta Gemmeker und Manoel Reinecke – Violine und Viola, Martina Nachtsheim, Cornelia Kempf und Mareike Horn, Violine, Susanne Horn und Thomas Petersen-Anraad – Viola da Gamba und Violone, Andreas Vetter – Violoncello und Peter Uehling – Cembalo

Veranstalter

Gesellschaft für Alte Musik in Schleswig-Holstein e.V.Thomas Rink Mildstedthof 31, 25866 Mildstedt

Bildnachweis

Susanne Horn

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