Montag, 17. Mai 2021

April 2019

Fr26apr(apr 26)18:00So12mai(mai 12)18:00Kiel: KaltwasserWerke von Corinna Kraus-Naujeck, Anders Petersen und Elke SchweigartRubrik:KunstVeranstaltungsart:Ausstellung

Kaltwasser

Zeit

April 26 (Freitag) 18:00 - Mai 12 (Sonntag) 18:00

Details

KALTWASSER heißt die neue Ausstellung von Corinna Kraus-Naujeck, Anders Petersen und Elke Schweigart, die ab dem 26.4.2019 im Atelierhaus im Anscharpark in Kiel zu sehen ist. „Kaltwasser“ bildet auch den thematischen Schwerpunkt dieser Ausstellung, die Arbeiten aus den Jahren 2004 bis 2019 zeigt.


Wasser tritt hierbei in unterschiedlicher Weise in Erscheinung. So bildet das Wasser in Anders Petersens Bildreihe „vom Wasser aus“ den Ausgangspunkt der Anschauung. In den Zeichnungen von Corinna Kraus-Naujeck bildet das Wasser das landschaftsprägende Element. Elke Schweigart zeigt uns Qualitäten von Wasser oder Eis sozusagen aus der Innensicht. Nicht zuletzt ist Kaltwasser auch ein wichtiger Teil der Arbeit und des Materials, mit dem die drei „Künstler*innen täglich umgehen.


Ruhig liegt die See in Kraus-Naujecks „Menshiki“ zwischen den schartigen, zerklüfteten Felsen. Sie bildet das verbindende Element der Landschaftsräume, die sich auf mehrere Meter Zeichnung erstrecken. Das Eisige und Kalte wird sowohl durch die Farbigkeit als auch durch die klare und scharfkantige Formgebung unterstrichen. Spiegelungen lassen an eine gefrorene Wasseroberfläche denken. Außer dem Licht bewegt sich nichts in dieser kristallinen Arbeit. Mit einem niedrigen Betrachterstandpunkt und filigran gestaltetem Tiefenraum gelingt es Kraus-Naujeck, auf ihren nur wenige Zentimeter hohen Bildstreifen das Gefühl von Größe, Ruhe und Erhabenheit zu erzeugen.


In den quadratischen „Virtual Pitches“ bringt Kraus-Naujeck die Elemente auf andere Art und Weise zusammen. Spielerisch scheinen Wasser und Struktur, Fläche und Zeichnung hier aufeinander zu reagieren. Sie zeigen wildes Wachstum, assoziative Reaktion ohne Festlegung von oben und unten, vorn oder hinten. In alle Richtungen dehnen sich diese sehr frei anmutenden Zeichnungen aus und ermöglichen dem Betrachter, sie von unterschiedlichen Standpunkten zu betrachten.


Auch Anders Petersens „Planeten“ strahlen, wie Kraus-Naujecks Landschaftsräume, Ruhe und Erhabenheit aus. Ein metallischer Kern, umgeben von einer blauen Scheibe: ein harmonisches und in sich bewegtes Objekt, ein Bild der Vollkommenheit, das aus sich selbst heraus existiert und sowohl Impuls als auch Ausgleich in sich trägt.


In ihrer zeitlosen Beständigkeit bilden Planeten einen Bezugspunkt für uns Menschen außerhalb der Erde. Sie können für uns Trost, Richtung und Halt sein, aber auch den Blick von außen auf unsere kleine, verletzliche Existenz aufzeigen. Dennoch wirken Anders Petersens „Planeten“ nicht unnahbar. In ihrer Bewegtheit vermitteln sie ein Gefühl von Freiheit und Leichtigkeit.

Auch die Arbeit „Pool“ offenbart uns als Betrachter unterschiedliche Sichtweisen. Sehen wir das Flirren auf der Wasseroberfläche? Sehen wir in die Tiefe? Sehen wir die unendliche Ausdehnung des Wassers oder die Kacheln eines Pools? Ausdehnung und Beschränkung, Oberfläche und Tiefe bilden hier ein Spiel, auf das sich der Betrachter gerne einlässt.


Leichtigkeit, Schwerelosigkeit, Ausdehnung im Raum: das sind Aspekte, die in Elke Schweigart großformatigen Tuschezeichnungen zum Tragen kommen. Auf 18 Einzelblättern erstreckt sich die für diesen Raum entwickelte Wandarbeit, die weit geschwungene, transparente Linien unterschiedlicher Breite zeigt. Die Linien dehnen sich aus, über das Blattformat, über das Wandformat, in die Tiefe. Der Betrachter wähnt sich in einem Raum der Schwerelosigkeit, innerhalb eines Elementes Wasser oder Luft. Auch in ihren Linolschnitten versetzt Elke Schweigart den Betrachter ins Innere eines Elements: Ein Liniengeflecht, das sich durch weißes Material zieht, lässt an Wasseradern oder Bruchkanten innerhalb eines Gletschers denken.


Der Titel KALTWASSER bezeichnet zum einen den thematischen Schwerpunkt der ausgestellten Arbeiten, er verweist aber auch auf geografische Affinitäten, die den drei schleswig-holsteinischen Künstler*innen gemeinsam sind.


So arbeitet Corinna Kraus-Naujeck mehrere Monate im Jahr in ihrem Atelier auf einer schwedischen Schäre, wo sie nur von Wasser, Himmel und dem kleinen Stückchen Land um ihr Haus umgeben ist. Die Abgeschiedenheit und Stille ermöglichen es ihr, Dinge neu wahrzunehmen, Gewissheiten zu hinterfragen und neu zu denken. In regelmäßigen Arbeitsaufenthalten in Norwegen, Dänemark und Finnland greift Corinna Kraus-Naujeck Gegebenheiten der jeweiligen Geografie und Kultur auf und entwickelt ihre Arbeiten vor Ort.
Anders Petersens Bezug zu den skandinavischen Ländern liegt schon in seiner Familiengeschichte begründet. Die Familie mütterlicherseits stammt aus Schweden, die Familie väterlicherseits aus Dänemark. Während und nach seinem Studium in Kiel vertieft Anders Petersen seinen Kontakt nach Skandinavien und erhält dort wichtige Impulse für seine künstlerische Arbeit. Gastsemester und Stipendien in Island und Norwegen werden für ihn zu prägenden Stationen in der Entwicklung seiner konzentrierten und reduzierten Farbtafeln.


Auch die unterschiedlichen Jahreszeiten spielen für Anders Petersen eine wichtige Rolle. So sind es gerade die unwirtlichen Zeiten und Gegenden, in denen der Mensch ohne Anpassung an die Gegebenheiten verloren ist, die ihm elementare Bedingungen des Lebens vor Augen führen und in seine Kunst einfließen.


Elke Schweigarts Weg in den Norden beginnt im tiefen Süddeutschland. Nach dem Studium in Karlsruhe zieht sie zunächst nach Berlin, dann nach Kiel. Das Leben an der Ostsee sowie die Nähe zu Skandinavien faszinieren sie von Beginn an und wirken sich auf ihre Arbeit aus. Arbeitsaufenthalte in Island und Nordnorwegen setzen ein intensives Studium von Landschaften, Materialien und geologischen Erscheinungen in Gang, die sich in den Strukturen ihrer Zeichnungen und Drucke niederschlagen.


Die drei Künstler und Künstlerinnen haben einen starken Bezug zu den skandinavischen Ländern. Neben zahlreichen Stipendien und Arbeitsaufenthalten, in denen sie Spezifika ihrer künstlerischen Arbeit entwickeln konnten, pflegen sie intensive Kontakte zu Menschen und Einrichtungen in Skandinavien und dem weiteren europäischen Ausland. Sie sind überzeugt, dass ein friedliches Europa nur durch Kenntnis, Austausch und Verständigung mit den Nachbarn zu erreichen ist. Ihr erklärtes Ziel ist es, die Freiheit und den Frieden Europas, der ihnen selbst zuteil wurde und dem sie so viel zu verdanken haben, zu erhalten.

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