Montag, 26. Juli 2021

März 2021

Sa20mär(mär 20)10:00So05sep(sep 5)18:00Kiel: Zauber der WirklichkeitDer Maler Albert AereboeKunsthalle zu KielRubrik:KunstVeranstaltungsart:Ausstellung

Zeit

März 20 (Samstag) 10:00 - September 5 (Sonntag) 18:00

Details

Vom 20. März bis 5. September 2021 zeigt die Kunsthalle zu Kiel eine monografische Ausstellung zum Werk des Malers Albert Aereboe (Lübeck, 1889–1970). Aereboe ist im Kunst- und Ausstellungsgeschehen weitgehend unbekannt geblieben. Erstmals seit fast 40 Jahren präsentiert Zauber der Wirklichkeit. Der Maler Albert Aereboe als Schwerpunkt seine künstlerisch fruchtbarste Phase von 1914 bis 1930, in der neben eindringlichen Porträts und raffiniert arrangierten Stillleben magisch anmutende Szenerien entstehen. Vor allem seine dem Jugendstil und der Neuen Sachlichkeit verpflichteten Bilder üben eine nachhaltige Faszination aus. Darüber hinaus beleuchtet die Ausstellung auch mittels Archivalien, Fotografien und Dokumenten aus Privatbesitz die künstlerische Entwicklung Aereboes und gibt einen Ausblick auf seine letzten Lebensjahre.

Die Kunsthalle hat Werke von Aereboe bereits zu Lebzeiten des Künstlers erworben, darunter auch sein rätselhaftes Hauptwerk, das großformatige Tafelbild Der Einsiedler (1927). Davon ausgehend versammelt die Ausstellung rund 60 hochrangige, zum Teil selten gezeigte Leihgaben aus musealem und privatem Besitz und lädt dazu ein, sich auf die Spuren dieser aufs Neue zu entdeckenden Künstlerpersönlichkeit zu begeben.

Albert Areboe

Albert Aereboe wird am 31. März 1889 in Lübeck geboren. Sein Vater, Carl Aereboe, ist lutherischer Diakon und Pastor am Dom zu Lübeck, seine Mutter, Lina Aereboe, geborene Pohrt, entstammt einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie aus Riga. Albert Aereboe ist bereits im Kindesalter fasziniert von der Architektur und den Kunstschätzen des Lübecker Doms. Insbesondere der Passionsaltar von Hans Memling hinterlässt einen tiefen Eindruck.

Nach einer Ausbildung als Kirchendekorationsmaler in Berlin zieht Aereboe zurück nach Lübeck und besucht dort eine private Kunstschule. Von 1912 bis 1916 studiert er Malerei an der Münchener Akademie der Bildenden Künste. Nach dem Kriegsdienst als Infanterist stellt Aereboe zunächst freischaffend in Lübeck aus und präsentiert 1919 in einer Hamburger Galerie seine Arbeiten in einer ersten Einzelausstellung. In demselben Jahr wird dem Künstler die Leitung der Klasse für Dekorative Malerei an der Staatlichen Kunstgewerbeschule in Kassel angeboten, an der ihm 1923 schließlich der Professorentitel verliehen wird. Hier lernt er die Bremer Künstlerin und seine zukünftige Frau Julie Katz kennen, die die Klasse für Textiles leitet und dort ebenfalls ihre Professur erhält.

Mit dem Ziel, sich auf die eigene Kunst zu konzentrieren, beschließt das Künstlerpaar 1925 die Lehrtätigkeit aufzugeben und nach Sylt zu ziehen. Im März 1927 verstirbt Julie Aereboe-Katz unerwartet. Den plötzlichen Verlust der Gefährtin greift Albert Aereboe in seinen Gemälden auf, die vielfach von Verlust, Veränderung, Vergänglichkeit und Tod erzählen. In dieser Zeit entsteht sein bedeutendstes Gemälde: Der Einsiedler (1927) wird mit weiteren Werken des Künstlerpaares erstmals im Dezember desselben Jahres im Lübecker Schabbelhaus ausgestellt. Die neusachliche Werkphase, die er seit 1924 konsequent verfolgt hat, gibt er Ende der 1920er Jahre auf.

Nach dem Verkauf seines Hauses siedelt Aereboe 1939 von Sylt nach Berlin über. Während des Zweiten Weltkrieges verliert er nicht nur seine Wohnung und das Atelier, sondern auch viele seiner Werke sowie nahezu den gesamten künstlerischen Nachlass seiner Frau. Sein künstlerisches Werk und auch die Arbeitssituation im Nationalsozialismus bleiben bis heute unklar. Von 1943 bis 1958 lebt und arbeitet Aereboe erneut auf Sylt. 1959 bezieht der Künstler eine kleine Atelierwohnung in Lübeck und bestreitet seinen Lebensunterhalt von Auftragsporträts und Malunterricht. Am 6. August 1970 stirbt Aereboe in Lübeck und wird auf eigenen Wunsch auf Sylt beigesetzt.

Unter anderem aufgrund der ländlichen Abgeschiedenheit, in der er sich viele Jahre auf Sylt befindet, bleibt ihm die große Aufmerksamkeit der kulturell interessierten Öffentlichkeit verwehrt. Zudem übersteht ein Großteil seiner Werke den Krieg nicht. Auch deshalb ist der Künstler weitgehend unbekannt geblieben. Sein Facettenreichtum, die Detailtreue und Aereboes hohe kompositorische Fähigkeiten verdienen hingegen mehr Beachtung.

Der Schwerpunkt der monografischen Ausstellung liegt auf der künstlerisch bedeutendsten Phase zwischen 1914 und 1930. In dieser Zeit beginnt Aereboe mit künstlerischen Stilen zu experimentieren und entdeckt für sich schließlich die detailreiche, an der altmeisterlichen Kunst geschulten Malerei, die er selbst als „neusachlich“ bezeichnet. Es entsteht unter anderem das der Kunsthalle gehörende Hauptwerk Der Einsiedler, welches umfassend in der Ausstellung kontextualisiert wird. Obwohl Aereboe einen großen Teil seines Lebens auf Sylt verbringt, hält er die ländliche Idylle kaum in Gemälden fest. Die gezeigten Pastelle, Skizzen und Handzeichnungen sind freie Studien, die er als Inspirationsquelle für weitere Arbeiten nutzt.

Albert Aereboe, Masken, ca. 1960
Öl auf Leinwand, 96 x 96 cm
© Privatbesitz Lübeck, Foto: Sönke Ehlert

Nach 1945 vollzieht Aereboe eine radikale künstlerische Wende von der Gegenständlichkeit hin zur Abstraktion. Wie viele andere deutsche Künstler*innen dieser Zeit knüpft er an die abstrakten Strömungen der Vorkriegsjahrzehnte an. Aereboes wichtigste künstlerische Referenz bilden dabei Pablo Picassos Arbeiten der 1930er Jahre.

Diese an Picasso geschulte Abstraktion gibt Aereboes künstlerische Richtung seiner letzten Lebensjahre vor und wird in Ausblicken ebenfalls in der Ausstellung thematisiert. Die Kunsthalle zu Kiel widmete dem Künstler bereits 1928 eine Ausstellung. In der Folge kam es zu ersten und wichtigen Erwerbungen für die Sammlung des Hauses: 1933 das Gemälde Blumenstrauß sowie 1936 Der Einsiedler. Die letzte umfangreiche Einzelausstellung zum Werk des Lübeckers wurde 1983 in der Kunsthalle zu Kiel gezeigt. Die Ausstellung wird von einer umfangreichen Publikation auf Deutsch und Englisch begleitet.

Bild: Albert Aereboe, Der Einsiedler, 1927, Öl auf Leinwand, 170 cm Durchmesser, © Kunsthalle zu Kiel, Foto: Sönke Ehlert

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