Freitag, 7. Mai 2021

Oktober 2019

So13okt(okt 13)15:30So10nov(nov 10)18:00Lübeck: Una HepburnRelativeSt. Petri KircheRubrik:KunstVeranstaltungsart:Ausstellung

Zeit

Oktober 13 (Sonntag) 15:30 - November 10 (Sonntag) 18:00

Details

Mithilfe von softwaregenerierten Algorithmen untersucht Una Hepburn (*1995 in Belgrad) wechselseitige Relationen von Schrift und Bild. Die Künstlerin macht sich die Strukturen von Suchmaschinen und Bilddatenbanken und die Logik künstlicher Intelligenz zu eigen, um fertig vorgefundene Informationen zu zerlegen und diese in einer visuellen Zielsprache wieder zusammenzufügen.

Nach dem Vorbild kognitiver Prozesse des menschlichen Gehirns sind Computer-Vision-Programme wie das 2015 von Google im Open Source Format eingeführte DeepDream nicht nur in der Lage, Bilder zu erkennen, sondern solche auch eigenständig zu entwickeln. Wie beim Nachhängen von Tagträumen bei Wolkenformationen, ist das Programm fähig, Objekte in bestehende Bilder hineinzuinterpretieren und in bizarre, oftmals psychedelisch anmutende Versionen zu überführen. In der Überlagerung und Verfremdung der computergenerierten Bilder entbehren Hepburns Arbeiten dabei nahezu jeglicher Gegenständlichkeit und erscheinen vielmehr als ineinanderfließende und sich ins Diffuse fortsetzende Bildwelten. Die visuellen Zeichen werden ungeachtet ihrer semantischen Bedeutung in abstrakten Texturen miteinander verwoben und lassen dennoch immer wieder vertraute Bildelemente erkennen.

Hepburn nutzt in dieser Hinsicht nicht nur neue Möglichkeiten des digitalen Fortschritts, sondern untersucht auch ein sich gegenseitig veränderndes Verhältnis von Schrift und Bild. Während die Konzeptkunst und insbesondere eine Gruppierung wie „Art & Language“ um 1960 ähnliche Fragestellungen zum Beispiel
in sogenannten Schreibmaschinen-Zeichnungen behandelte, überführt Hepburn diese in eine digitale Gegenwart.

Für ihre erste institutionelle Einzelausstellung in der Overbeck-Gesellschaft sowie in der St. Petri Kirche zu Lübeck hat Hepburn ihr Verfahren nochmals erweitert und mithilfe eines künstlichen neuronalen Netzwerks, das für die text-to-image-Erzeugung verwendet wird, die linguistische Relativitätstheorie erforscht. Als Ausgangspunkt für ihre Arbeiten hat Hepburn Auszüge aus Benjamin Lee Whorfs Sprache, Denken und Wirklichkeit aus dem Jahr 1930 verwendet und eine Gegenüberstellung indoeuropäischer mit uto-aztekischen Sprachen wie Hopi auf bildlicher Ebene synthetisiert. Mit Hilfe des text-to-image-Programms „AttnGAN“ hat die Künstlerin ein Hopi-Verb wie „tïrï’rïta“ auf Englisch (he is quivering), Deutsch (er zittert) und Serbisch (дрхти) übersetzt und dessen Struktur auf rein formaler Ebene überprüft.

Eine Kooperation der Overbeck-Gesellschaft und St. Petri zu Lübeck.

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