Freitag, 7. Mai 2021

Oktober 2020

Sa10okt(okt 10)11:00So17jan(jan 17)18:00Lübeck: Yngve HolenOverbeck-Preis für bildende Kunst der Gemeinnützigen 2020Overbeck-PavillonRubrik:KunstVeranstaltungsart:Ausstellung

Zeit

Oktober 10 (Samstag) 11:00 - Januar 17 (Sonntag) 18:00

Details

Das Werk des 1982 geborenen Bildhauers Yngve Holen kreist um das zunehmend verwobene Verhältnis von menschlichem Körper und zeitgenössischer Konsumkultur. In Skulpturen und forschungsbasierten Publikationen reflektiert er, wie und in welchem Ausmaß Objekte auch
uns prägen, wenn wir sie formen, benutzen oder konsumieren. Diesem Themenfeld entsprechend, konzipierte der dreizehnte Träger des Overbeck-Preises für Bildende Kunst der Gemeinnützigen seine Ausstellung im Overbeck-Pavillon. An den Wänden hängen insgesamt sieben Bronzefiguren: Gerüstete und schwer bewaffnete, anthropomorphisierte Tierhybride, entnommen aus der LEGO-Serie „Legends of Chima“. In der Spielzeugwelt kämpfen diese in Feuer- und Eisstämmen organisierten Wesen um die Ressource CHI, die ihnen Kraft verleiht. Spielerisch werden hier Konflikte ausgetragen, wie sie realer und härter in Hinblick auf andere knappe Güter unsere Gegenwart prägen. In seinen Arbeiten entzieht Holen den Figuren die kindliche Leichtigkeit. Ohne die Farbigkeit und Beweglichkeit des LEGOs sowie gegenüber diesem leicht vergrößert, erscheinen die statischen Bronzen vielmehr wie okkulte Relikte einer unbekannten, kriegerischen Vergangenheit. Der Übertragung in die Überzeitlichkeit des klassischen bildhauerischen Materials Bronze steht der Fertigungsprozess mit Scans, Datenaufbereitung und in verlorener Form ausgebranntem 3D-Druck gegenüber.

Um zu den Arbeiten zu gelangen, müssen die Betrachtenden über einen Teppich gehen, dessen Motivik die 3D-gescannte Oberfläche zweier Rinderhälften zeigt, aufgenommen in einem Hamburger Schlachthof. In ihrer prägnanten Farbigkeit sind sie unverkennbar Fleisch. Unbehagen macht sich breit, obwohl unsere Konsumgesellschaft auf Massentierhaltung und damit -schlachtung ausgerichtet ist, die wir selbstverständlich und in den meisten Fällen unreflektiert in Anspruch nehmen. Die Ressource „Tier“ in ihrer Verwertungsform bestimmt den Raum, auf dem wir hier gehen.

Gleichzeitig lässt das facettenreich nuancierte Rot des Teppichbodens auch an den „Blood-Screen“ eines beliebigen Ego-Shooters denken, den Bildschirm, den man sieht, wenn man vom Gegner erschossen wurde. Game over. Oder Respawn. Es bleibt offen.

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