Michael Knoche: Die Idee der Bibliothek und ihre Zukunft

Wenn es eine Einrichtung der kulturellen Infrastruktur gibt, die in der digitalen Transformation die Pole-Position einnimmt, dann ist es die Bibliothek. Vielleicht liegt es daran, dass die Bibliotheken, die über
Jahrhunderte ein und denselben Datenträger zum Verleih vorhalten, den Druck der Digitalisierung, bei der sich das Medium fundamental verändert, ja fast verflüchtigt hat, als erste mit aller Wucht abbekommen haben.

Die Herausforderungen sind immens. Sie betreffen das Kerngeschäft, aber auch die Aufgabe und das Selbstverständnis einer Bibliothek: als Bildungseinrichtung Wissens- und Informationsmanagement zu betreiben. Das betrifft die allgemeine bibliothekarische Infrastruktur. Noch differenzierter ist der Anspruch an wissenschaftliche Bibliotheken, erst recht in Zeiten von Fake-News und der Infragestellung seröser Wissenschaft.

Michael Knoche, langjähriger Direktor der Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar, legt mit diesem schmalen Büchlein ein Plädoyer vor, das es in sich hat. Es zeigt die langjährige Erfahrung mit der Materie, die Leidenschaft für die Bibliothek und die nötige Offenheit, wie sich Bibliotheken aufstellen können. Nicht nur, um angesichts der digitalen Transformation zu „überleben“, sondern um einen aktiven gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Beitrag zu leisten. Bibliotheken sind für Knoche der originäre Ort der Wissensvermittlung und der Erkenntnis.

Bibliotheken als “Dritte Orte”

Die Zeiten verstaubter Regale gehen vorbei. Knoche beschreibt das mittlerweile auch weiter verbreitete Konzept von Bibliotheken als so genannte dritte Orte: Nicht-kommerzielle Treffpunkte, die sowohl der Kommunikation untereinander, als auch der synchronen und diachronen Kommunikation mit dem Wissen und der Wissenschaft dienen.

Die Aufgabe ist riesig und das ist das Fazit, zu dem Knoche konsequenterweise kommt: Bibliotheken werden in Zukunft verstärkt zusammenarbeiten müssen. Auch in diesem Fazit zeigt sich die Aktualität der Bibliotheksentwicklung. Die fortschreitende Digitalisierung prägt das Entstehen von Netzwerken, transformiert unsere Systeme verstärkt in Netzwerke, die agil und komplementär und deswegen weniger fragil agieren können. Insofern stellt Knoches Essay anregende Gedanken dar. Und das nicht nur für Fachleute, sondern für alle, denen Bücher, Bildung und die Zukunft unserer Kultur am Herzen liegt. //

Martin Lätzel



Michael Knoche: Die Idee der Bibliothek und ihre Zukunft.
Wallstein: Göttingen 2018, 137 Seiten, ISBN: 978-3-8353-3236-2
20 Euro

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