Eckernförde: Provinzlärm Festival 2019

7. internationales Musikfestival im Ostseebad Eckernförde

Vom 15. – 17. Februar 2019 findet in der St. Nicolaikirche in Eckernförde die mittlerweile siebte Auflage des Provinzlärm-Festivals statt. Besonders beleuchtet werden dieses Mal die aktuelle Musik im Schwerpunktland Schweden, sowie musikalische Verbindungslinien vom Anfang bzw. der Mitte des 20. Jahrhunderts bis Heute.

Auf dem Programm stehen dabei sowohl rein instrumentale Kompositionen, als auch Werke, die elektronische und visuelle Medien mit einbeziehen.

Neben den Ensembles „Reflexion K“ und „norddeutsche sinfonietta“ übernimmt das schwedische Ensemble „Lipparella“ einen wichtigen Part beim kommenden Festival. Die fünf MusikerInnen, die in der Besetzung Countertenor, Blockflöte, Barock-Violine, Viola da Gamba und Theorbe auftreten, werden dabei auf ihren historischen Instrumenten fast ausschließlich Werke präsentieren, die in den letzten 10 Jahren für diese spezielle Besetzung komponiert worden sind.

Das Ensemble Lipparella aus Schweden ist in diesem Jahr zu Gast auf dem Provinzlärm-Festival. Foto: Simon Söderberg
Das Ensemble Lipparella aus Schweden ist in diesem Jahr zu Gast auf dem Provinzlärm-Festival. Foto: Simon Söderberg

Auftakt mit Uraufführung

Gleich zu Beginn des Festivals kommt mit „The Unanswered Question“ von Charles Ives ein Schlüsselwerk aus dem frühen 20. Jahrhundert zur Aufführung. Ives geht hier bereits mit „Klangflächen“ um, die so, auch in ihrer Begrifflichkeit, erst in den 50er / 60er Jahren bewusst verwendet und auskomponiert wurden (z.B. Ligeti).

Das eigentlich spirituelle Moment in „The Unanswered Question“ ist die Solo-Trompete, die ein Motiv mehrfach fragend in den Raum stellt und von den 4 Flöten nur scheinbare Antworten erhält. Der komplette Streicherapparat bleibt währenddessen völlig unberührt bei seinen sich langsam verändernden und letztlich doch auch in sich verhafteten (Klang)-Flächen.

In größtmöglichem Kontrast dazu stehen die im gleichen Konzert zu hörenden Werke von Nicolaus A. Huber, Georg Friedrich Haas und Gerald Eckert (Uraufführung).

„späte Gegend“, das für Orchester in drei im Raum verteilten Gruppen bestehende neue Werk des Komponisten Gerald Eckert, befasst sich besonders mit dem sakralen Raum der St. Nicolaikirche in Eckernförde und den Wirkungen, die beispielsweise durch komponierte Übergänge von einer Gruppe zur anderen erzielt werden. Die Vergänglichkeit des Klanges, das Verlöschen im Raum, die Transformation von körperhaften Klängen hin zu immateriellen, schemenhaften Klangresten spielen in dieser Komposition eine wichtige Rolle.

Konzert und Wochenmarkt

Die zweite Veranstaltung des kommenden „Provinzlärms“ verbindet, wie bei den vorangegangenen Festivals auch, das Format des „Markt-Gottesdienstes“, der samstags immer während der Zeit des Wochenmarktes auf dem Kirchplatz und Rathausmarkt stattfindet, mit einem Konzert. Dabei wird Pastor Dirk Homrighausen über die zu hörenden zeitgenössischen Werke sprechen und Gedichte des schwedischen Lyrikers Tomas Tranströmer als Kontrapunkt zur Musik rezitieren.

Zeitgenössische Musik für historische Instrumente

Im dritten Konzert präsentiert das Ensemble Lipparella dann Werke der schwedischen KomponistInnen Lisa Streich, Chrichan Larson und Kent Olofsson,  die eigens für die spezifische Besetzung des Ensemble komponiert haben.

Das Ensemble Reflexion K. Foto: Holger Ceglars

In Konzert 4 zieht das Ensemble Reflexion K eine gedachte Linie vom Nono-Schüler Nicolaus A. Huber, der in diesem Jahr auch seinen 80. Geburtstag feiern wird, über dessen ehemaligen Schüler Gerald Eckert hin zu Kompositionsansätzen der jüngeren Komponisten-Generation, die mit Werken der schwedischen Komponistin Lisa Streich und des spanischen Komponisten Ramón Souto (allesamt Deutsche Erstaufführungen) vertreten ist.

Schlusskonzert mit allen Ensembles

Im Schlusskonzert werden noch einmal die Ensembles Lipperella, Reflexion K und Gäste zu hören sein. Sie beenden das Festival  dann mit zwei weiteren wichtigen Werken aus dem 20. Jahrhundert von Olivier Messiaen und John Cage, sowie einer Uraufführung des Lübecker Kompositionsprofessors Dieter Mack.

Das Festival bietet so eine farbenreiche Bandbreite gegenwärtigen kompositorischen Schaffens, das sich ganz eigen in den geistigen wie akustisch-physischen Raum der St. Nicolai-Kirche einfügt.

Das Festival erhielt seinen Namen in Anlehnung an den Roman „Der Provinzlärm“ des Autors und Lyrikers Wilhelm Lehmann, der lange Zeit in Eckernförde gelebt hat.

Hier finden Sie den detaillierten Festival-Zeitplan

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