Liebe Leserin, lieber Leser,

es war wohl eines der größten Ausstellungsprojekte in der Hansestadt Lübeck: Gleich fünf Kulturinstitutionen boten dem Künstler Jonathan Meese die Möglichkeit, "ein Kunstspinnennetz über die Stadt zu spannen und mit der Kunst die Stadt zu überschreiben."

 

 

Jonathan Meeses Performance "KIND / SCHLAF (JOHNNY DE WURSTOPERATOR IS BACK)" am 7. Mai 2019 in der Kulturwerft Gollan, Lübeck

Für den Leiter der Overbeck-Gesellschaft und Kurator des gesamten Projektes Prof. Dr. Oliver Zybok ist der in Ahrensburg aufgewachsene Meese "einer der bedeutendsten zeitgenössichen Künstler, der immer wieder provoziert und deshalb kontrovers diskutiert wird."

Kontrovers wurde auch in Lübeck diskutiert - insbesondere über die raumfüllende Installation in der St. Petri-Kirche. Von Gotteslästerung und von Frevel war da die Rede.

Pastor Bernd Schwarze wünschte sich in den Lübecker Nachrichten "ein wenig mehr hanseatische Entspanntheit" und "nicht diese melodramatische Lamoyanz". Die Reibung, die entstehe, wenn ein religionsskeptischer Künstler in einer Kirche Ausstellt, sei jedoch sehr aufregend: "Für mich gehört zum kirchlichen Handeln dazu, dass Kirche sich anzweifeln lässt. Kirche ist der Ort, an dem man Sinnfragen stellen und mit den Menschen reden muss, die fragen: „Wo ist denn euer Gott?“"

Für Oliver Zybok mutet die meiste Kritik an Meese "pauschal diffamierend an, oft als Übernahme anderer unreflektierter Stellungnahmen."

Er plädiert dafür, dem Künstler genau zuzuhören, wie und warum er etwas sagt. Dann merke man schnell, "dass hier jemand unsere Gegenwart genau beobachtet und die Finger in die Wunden legt." Genau das sei ja eine Aufgabe der Kunst. 

Am Wochenende gehen in Lübeck nun die letzten beiden Meese-Ausstellungen zu Ende. Man kann von Meeses Kunst halten, was man will - Die Ausstellungen sind Grund genug für einen Ausflug in die schöne Hansestadt.

Unter dem Titel  Dr. Zuhause: K.U.N.S.T. (Erzliebe) - Mutter / Evolution  bietet die Kunsthalle St. Annen einen retrospektiven Überblick über das bisherige Schaffen Meeses und zeigt aktuelle Werke aus diesem Jahr. 

Die Ausstellung im Günter Grass-Haus trägt den Titel Grossvater/Gold und bietet einen persönlichen Einblick in die Lebensgeschichte von Jonathan Meese.

 

 

Letzte Chance

Plön: Jochen Hein. Nichtschwimmer

Ich wünsche Ihnen eine schöne Woche, 

Ihr

Kristof Warda

k.warda@schleswig-holstein.sh

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