Liebe Leserin, lieber Leser,

schreiben Sie gern Urlaubspostkarten?

Ich gebe offen zu: Ich tu das äußerst ungern.

Meistens werfe sie erst auf der Rückfahrt oder zu Hause in den Briefkasten – wenn überhaupt. Zu Hause habe ich eine umfangreiche Sammlung ungeschriebener Urlaubspostkarten.

Wie schön paradiesisch müssen die Zustände in den Anfangsjahren des Tourismus gewesen sein.

Im ältesten Seebad Wyk auf Föhr zum Beispiel konnten die Badegäste die ersten Jahrzehnte ganz ungestört einfach Urlaub machen, ohne die Urlaubsgrußerwartungen der Daheimgebliebenen bedienen zu müssen.

Warum nicht? Weil es die Postkarte noch nicht gab!

Schreibt die Dame halblinks vorn nicht gerade eine Postkarte?  Paul Wilhelm: Badegäste am geflaggten Strand, 1909, Öl auf Malpappe, 24,4 × 34,4 cm, Museum Kunst der Westküste, Alkersum/Föhr, Foto: Stefan Schiske für Lehr Berlin / © Paul Wilhelm Archiv, Dresden 2019 

Die Ausstellung 200x Badesaison im Museum Kunst der Westküste erinnert auch an die gute alte postkartenlose Urlaubszeit.

An diesem Wochenende haben Sie noch die Chance, die Ausstellung zu besuchen.

Und am kommenden Montag ist Finissage mit ganz besonderem Programm - zum Beispiel einer Live-Aufführung der Ursonate des Dadaisten Kurt Schwitters.

 

Im Oktober 1869 begann dann das schleichende Ende des entspannten Sommerurlaubs.

Im deutschsprachigen Raum wurde die Postkarte offiziell eingeführt – bis zur Urlaubsgrußkarte als Massenphänomen vergingen noch ein paar entspannte Jahre, doch die Uhr tickte.

Wie hartnäckig und nachhaltig sich die Postkarte in die Praxis des Urlaubmachens eingenistet hat, zeigt der nüchterne Blick auf die Zahlen. Selbst im Zeitalter der digitalen Kommunikation erwarten die Daheimgebliebenen offenbar zumindest den Urlaubsgruß „zum Anfassen“: 2014 wurden laut Deutscher Post allein zwischen Juni und August 57 Millionen Postkarten verschickt.

Vielleicht ist es kein Zufall, dass ausgerechnet auf der Urlaubsinsel Föhr ein Postkartennotdienst eingerichtet wurde. Zielgruppe wahrscheinlich Urlaubsgrußmuffel wie ich!

Zum 150. Geburtstag der Postkarte (im deutschsprachigen Raum) bietet der Künstler Andreas Petzold an, eine Postkarte für Sie zu schreiben und an eine Adresse Ihrer Wahl zu schicken.

Der Clou: Im Stile der Mail-Art im Umfeld von Fluxus und Pop Art der 1970er Jahre sind alle seine Postkarten Unikate. Sie verschicken also nicht nur Urlaubsgrüße, sondern auch ein Kunstwerk.

Und so geht´s:

Besuchen Sie die Website des Postkartennotdienstes zur Information und schreiben Sie einfach eine Mail an Andreas Petzold.

Meine Freunde und Verwandte werden dieses Jahr Grüße von Föhr bekommen. Egal wo ich Urlaub mache!

Einblick-Ausblick

Bevor die Studenten der Muthesius-Kunsthochschule sich in den Sommerurlaub verabschieden, zeigen sie in der großen Jahresschau noch ihre Kunst.

Hochschulpräsident Arne Zerbst liefert die Aufgabenstellung:

„Setzen wir den Populisten und Vereinfachern, den lauten Ideologen und aggressiven Egozentrikern etwas entgegen! Mit unseren Mitteln, mit einer feinen Typografie, einem aufwühlenden Gemälde, einem inspirierenden, durchdachten Gestaltungsentwurf.“

Blick in den Innenhof der Muthesius Kunsthochschule. Bild: Ichwarsnur

Noch bis Samstag, den 13. Juli, haben wir die Möglichkeit, durch die offenen Ateliers, Studios und Werkstätten zu schlendern, mit den angehenden Künstler*innen über ihre Arbeiten zu sprechen und darüber hinaus ein vielfältiges Programm zu erleben.

Unbedingt empfehlenswert.

Ich wünsche Ihnen eine schöne Woche,

Ihr

Kristof Warda

k.warda@schleswig-holstein.sh

 

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