30 Jahre Wende, Einheit, Wiedervereinigung. 30 Jahre Neonazis aus Ostdeutschland?

„…aus dem Bewusstsein heraus, dass eine politische Auseinandersetzung mit Neonazis immer auch bedeuten muss, sich mit den von ihren Taten Betroffenen zu solidarisieren“, arbeitet seit 2001 die Beratungsinititative für Betroffene rechter Gewalt LOBBI in Mecklenburg-Vorpommern. Ein Gespräch über 30 Jahre Wende, Einheit, Wiedervereinigung

In den vergangenen Monaten haben wir uns in Deutschland viel mit der Zeit vor 30 Jahren beschäftigt – 30 Jahre Wende, 30 Jahre Mauerfall; jetzt sind 30 Jahre Wiedervereinigung dazugekommen. Vieles hat sich 1989/90 innerhalb kürzester Zeit verändert – so schnell, dass wir offenbar erst 30 Jahre später zu verstehen beginnen, welche tieferliegende gesellschaftliche Bedeutung diese Veränderungen eigentlich haben. Wie hast Du diese Veränderungen in Bezug auf das gesellschaftliche Zusammenleben erlebt? Was hat sich rückblickend am stärksten verändert?

1989 war ich 16 Jahre alt, also ein Jugendlicher, gerade mit der 10. Klasse fertig. Für mich war die Wende in Bezug auf das Berufsleben kein Bruch. Da gibt es deutliche Unterschiede zu Personen, die älter waren. Oder unseren Eltern. Für die hat die Wende natürlich etwas ganz anderes bedeutet. Da ging es um soziale Unsicherheit, Jobverlust, Identitätsprobleme – die Abwertung der Lebensleistung. Diese Erfahrungen habe ich nicht gemacht. Ich hatte das Glück, dass es auch in meinem familiären Umfeld keinen sozialen Absturz gegeben hat, wie es in vielen Familien der Fall war, sondern für mich war die Wende eigentlich, also auch ganz persönlich, eine echte Befreiung. Ich hatte noch eine Lehre begonnen, die ich nicht machen wollte, in einem Beruf, in dem ich gar nicht arbeiten wollte. Aber mir blieb nichts anderes übrig. Wo will ich eigentlich hin, welche Möglichkeiten habe ich eigentlich? Dann fing es eben an mit der Flucht oder Auswanderung über Ungarn und später über die ČSSR. Und dann wurde auch schon im Freundeskreis diskutiert, ob das nicht auch eine Option war, als noch gar nicht absehbar war, dass die DDR verschwinden wird, sondern sich einfach die Möglichkeit aufzeigte, vielleicht auch in einem anderen gesellschaftlichen System leben zu können. Als dann im Herbst ´89 die eigentliche Wende kam, war das natürlich politisch für einen 16-Jährigen eine sehr intensive Zeit: Breite Debatten, worum geht es, geht es um eine Wiedervereinigung oder geht es darum, ein neues gesellschaftliches System in Ostdeutschland aufzubauen. Und natürlich individuell ganz neue Möglichkeiten: Ich konnte mein Abitur machen, war völlig frei darin, was ich studieren wollte – so Sachen, die noch Monate vorher unvorstellbar gewesen waren.

Freiräume

Und dann, das haben viele in meinem Alter so erlebt, gab es einen riesigen Experimentierraum. Alte Strukturen haben sich aufgelöst, neue haben sich erst langsam entwickelt. In sämtlichen Bereichen: Sicherheitsbehörden, Bildungssystem. Jugendliche und junge Erwachsene haben sich Räume genommen, ihre eigenen Jugendzentren aufgebaut, Hausprojekte entwickelt und Ähnliches. Das war eine völlig neue und im Rückblick wahrscheinlich auch einmalige Erfahrung, die spätere Generationen so nicht mehr machen konnten.

Hat die Ausnutzung von Freiräumen und der neuen Möglichkeiten, die Du beschreibst, eine Politisierung befördert? Eine Politisierung und Polarisierung?

Auf alle Fälle. Vielleicht noch nicht unmittelbar in der Wendezeit. Aber definitiv in den 1990er Jahren. Gerade im Bereich der verschiedensten Jugendkulturen gab es – das habe ich persönlich so erlebt, ich weiß das aber auch aus vielen Gesprächen mit anderen, eher auf dem Land als in der Stadt – einen starken Druck, sich zu entscheiden. Bist du politisch links? Bist du politisch rechts? Gehörst du zu den Nazis oder gehörst du nicht zu den Nazis? Schwimme ich im rechten Mainstream mit oder stelle ich mich dagegen? Mit allen Konsequenzen, die das bedeutete – bis hin zu körperlichen Angriffen. Unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen gab es diese Polarisierung, weniger unter Älteren. Gegen Nazis zu sein, nicht rechts zu sein, wurde häufig mit „links“ gleichgesetzt. Das war aber keineswegs immer der Fall.

„Wo will ich eigentlich hin?“

Zum Beispiel wurden der langhaarige Heavy-Metal-Fan oder der Hip-Hopper von Nazis als politische Gegner wahrgenommen, obwohl sie von ihrem politischen Verständnis her sich gar nicht als „links“ verstanden haben. Sie wurden gezwungen, sich zu positionieren, weil sie einfach durch ihr Äußeres und ihr Auftreten mit rechter Gewalt konfrontiert waren.

Du beschreibst die relative Offenheit der frühen 1990er Jahre im Osten. War da „rechts“ zu sein eine Frage der Wahl, etwas zu machen, was bisher verpönt war oder beruhte das Bekenntnis auf einer tieferliegenden Einstellung oder der Verführung durch irgendwelche Kader?

Ersteres würde ich einschränkend so sagen. Ich glaube, eine bewusste Entscheidung dafür, rechts zu sein oder im jugendkulturellen Bereich damals Skinhead zu sein, spielte als falsch verstandene Rebellion eher in den letzten Jahren der DDR eine Rolle. Da gab es Entwicklungen aus der Punk-Szene heraus, dass Personen sich überlegt haben: „OK, wie können wir jetzt noch mehr auf Konfrontation mit dem System gehen.“ In den frühen 1990er Jahren in einer Gegend mit einer dominanten rechten Szene gehörte schon etwas dazu, sich davon bewusst abzusetzen. Für viele war es dann vielleicht auch einfach leichter, da mitzuschwimmen oder sich als Jugendliche komplett rauszuhalten und überhaupt nicht in Konfrontationssituationen zu kommen. Aber vielen ist es eben nicht gelungen. Ich würde das für die 1990er Jahre aber nicht als Entschuldigung gelten lassen, rechts zu sein. Das war schon eine bewusste Entscheidung. Es gab immer auch die Möglichkeit, da nicht mit zu machen.

Dieser offene Rechtsextremismus mit jugendkultureller Prägung war ein sehr sichtbares Phänomen. Wie wurde das außerhalb der Jugendkulturen wahrgenommen und gesamtgesellschaftlich thematisiert?

Da gibt es ganz verschiedene Ebenen. Das erste, was bis in die frühen 2000er Jahre prägend war und was wir auch in unserer Arbeit ab 2001 noch intensiv erlebt haben, war eine Leugnung und Verdrängung des Problems. Rechte Gewalt, rechte Jugendliche wurden, das sind ja so Schlagworte aus den 1990er Jahren, zu „orientierungslosen Jugendlichen“ und „Wendeverlierern“. Nach dem Motto: Die konnten ja unter den gesellschaftlichen Umständen gar nicht anders, als rechts zu werden. Dann aber auch eine Verharmlosung oder Umdeutung von rechter und rassistischer Gewalt – „naja, das sind ja hier unsere Jugendlichen. Die sind ja eigentlich gar nicht so verkehrt. Vielleicht schlagen sie mal ein bisschen über die Stränge, wenn sie betrunken sind.“

„orientierungslose Jugendliche“

Die Gesellschaft entpolitisierte also auch die Taten. Im Hintergrund der Verharmlosungen und Umdeutungen schwebte immer mit, sich nicht damit auseinandersetzen zu müssen, was hier im Ort eigentlich gerade los ist und inwieweit man selbst Anteil daran hat. Eine andere Ebene ist das Zusammengehen von, ich sage mal rechten Jugendlichen, organisierten Neonazis, die nicht unbedingt Jugendliche waren, und breiten, rechts offenen Teilen der Bevölkerung. Das wird im Pogrom von Rostock-Lichtenhagen 1992 besonders deutlich. Die Bilder gingen um die Welt: Vorne die Jugendlichen, gröhlend und Steine werfend. Unter ihnen die Nazikader, die sie anleiten und anstacheln. Dahinter die Elterngeneration, die zuguckt und klatscht und im Zweifel Schutz vor der Polizei bietet. Das macht die gesellschaftliche Situation in weiten Teilen Ostdeutschlands in den 1990er Jahren ziemlich deutlich. Viele weigerten sich eben nicht nur, sich mit dem Problem auseinanderzusetzen, sie waren selbst aktiver Teil des Problems. Das war eine Erfahrung, die gerade für von Rassismus Betroffene damals eine große Hoffnungs- und Hilflosigkeit bedeutete. Gerade in den frühen 1990er Jahren gab es mehrfach Situationen, in denen sich geflüchtete Menschen, die nach Mecklenburg-Vorpommern verwiesen wurden, gesagt haben: Wir gehen da nicht hin. Das ist lebensgefährlich, wir wollen da nicht leben. Viele haben sich aktiv gegen eine Umverteilung in die östlichen Bundesländer gewehrt, weil ihnen durchaus bewusst war, in was für einer Situation sie hier landen und wie gefährlich das für sie werden kann. Strukturell anders gelagert, aber in den Erfahrungen vergleichbar, erging es auch alternativen Jugendlichen in weiten Teilen Ostdeutschlands: Oft wurden nicht die Nazis als Problem wahrgenommen, sondern die, die über die Verhältnisse vor Ort reden wollten. Ganz schnell fielen dann Begriffe wie „Nestbeschmutzer“. „Geht doch weg, wenn es euch hier nicht gefällt. Ihr wollt bloß alles schlecht reden. Eigentlich seid ihr doch das Problem. Wenn ihr nicht durch euer Äußeres und euer Auftreten provozieren würdet, dann würde auch nichts passieren.“ Das sind so Denkweisen, die sich eigentlich durch die ganzen 1990er Jahre ziehen. Als dritte Ebene erscheint mir der staatliche Umgang mit Neonazis wichtig. Strafrechtlich hatten Neonazis zumindest in der ersten Hälfte der 1990er Jahre recht wenig zu befürchten. Das zeigen zum Beispiel die lächerlich wenigen Verurteilungen nach den Pogromen in Lichtenhagen. Das heißt, sie konnten im Großen und Ganzen tun, was sie wollten. Und mehr noch, sie wurden für ihre Taten auch noch belohnt. Stichwort akzeptierende Jugendarbeit: Neonazis haben, wenn sie genug Ärger vor Ort gemacht hatten, relativ leicht eigene Räume bekommen, die sie nutzen konnten. Begleitet von Sozialarbeiter*innen, die ihnen entweder nicht gewachsen waren oder aus anderen Gründen nicht bereit oder in der Lage waren, sich mit ihnen inhaltlich auseinanderzusetzen, sondern mehr oder weniger Service-Funktionen übernommen haben. Das ging soweit, dass Neonazis mit öffentlichen Geldern im Transporter der örtlichen Jugendhilfe vom Sozialarbeiter zum nächsten Neonazi-Aufmarsch gefahren wurden. Oder Bands sich in städtischen Jugendzentren gründen konnten und dort Neonazi-Konzerte gegeben haben. Sicher fehlt in der Aufzählung noch einiges, aber das sind die Ebenen, die ineinander gegriffen haben und ohne die das Erstarken der Neonazi-Szene in Ostdeutschland in den 1990er Jahren nicht erklärbar ist.

Du zeichnest das Bild einer ausweglosen Situation, in der von einer Gleichgültigkeit der Mehrheitsgesellschaft auszugehen war und in der man sich mit den Problemen an niemanden wenden konnte, wenn man bestimmten Gruppen angehörte. Gab es in dieser Situation so etwas wie einen Kipppunkt, ein Ereignis, wo man gemerkt hat, dass sich etwas ändern muss und politische Entscheidungen in eine andere Richtung gegangen sind, man Hoffnung auf ein anderes gesellschaftliches Miteinander haben konnte? Oder erleben wir bis heute einen schleichenden Prozess der kleinen Schritte?

Die Strukturen, die ich beschrieben habe, haben gleichzeitig schon auch dafür gesorgt, dass sich Menschen, die sich eher als links, alternativ – einfach nicht rechts – verstanden, vernetzt haben und politisch aktiv wurden. Häufig aus dem Gefühl heraus, dass Unterstützung erstmal nicht zu erwarten war. Sondern man sich selbst helfen musste. Das hat viele aus meiner Generation politisch geprägt Anfang der 1990er Jahre. Nicht alles war schlimm und furchtbar. Auch wir hatten viele Freiräume, konnten uns ausprobieren, unsere Räume aneignen. Einige dieser Jugendzentren und Wohnprojekte bestehen bis heute. In Rostock gab es mit Lichtenhagen 1992 sicher so einen Kipppunkt. In den folgenden Jahren entstand hier nach und nach eine breitere Zivilgesellschaft, einfach aus dem Erleben dieser Tage im August heraus, dieser Hilflosigkeit, vor der wir damals standen, einem Mob von mehreren Tausend Menschen gegenüber. Das löste bei vielen, nicht nur in meinem Alter, auch Älteren und Menschen, die parteipolitisch organisiert waren, den Impuls aus: So etwas darf nicht noch einmal passieren, wir arbeiten jetzt aktiv daran, das Klima in unserer Stadt zu verändern. Ganz entscheidend war aber die Selbstorganisation der Betroffenen. Die Vietnames*innen, deren Heim angezündet wurde, haben schon zwei Monate später mit Diên Hông einen eigenen Verein gegründet. Und zwar von vornherein mit dem Anspruch, wir wollen uns selbst organisieren, aber wir wollen damit vor allem nach außen gehen, die deutsche Mehrheitsgesellschaft erreichen und im Stadtteil aktiv werden. Wir wollen von uns aus etwas tun, dass so etwas nicht noch einmal passiert. Solche Ereignisse, ganz unterschiedlicher Art, gab es mehrfach in Ostdeutschland. Das hat dazu geführt, dass sich in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre die Situation der Neonazis ganz unterschiedlich entwickelt hat. Rostock wurde spätestens Ende der 1990er, Anfang der 2000er Jahre eine Stadt, in der Neonazis insgesamt eher einen schwierigeren Stand hatten. Und das lässt sich auch vor dem Hintergrund von Lichtenhagen erklären.

An welcher Stelle kommt LOBBI ins Spiel? Was war der spezifische Anlass für die Vereinsgründung? Aus welchen Motiven und Kreisen hat sich das gespeist?

Zuerst nochmal einen Schritt zurück zur Situation der 1990er Jahre – Neonazis wurden eher Rosen auf den Weg gestreut, als Steine in den Weg gelegt. Das änderte sich im politischen Diskurs ab den frühen 2000er Jahren zumindest in Ansätzen, als man so langsam einsah: OK, wir haben ein massives Problem mit Rassismus, Antisemitismus, Neonazismus. Wir kommen dem aber nicht bei, indem wir den Nazis noch Strukturen zur Verfügung stellen, sondern wir müssen eher gucken, dass wir die unterstützen, die politisch gegen sie arbeiten, das heißt die Zivilgesellschaft stärken. Wir müssen aber vor allem auch die unterstützen, die unmittelbar unter rechter und rassistischer Gewalt leiden, also die Betroffenen. Dieses Denken ging soweit, dass im Rahmen des sogenannten „Aufstandes der Anständigen“ ein erstes Förderprogramm eingerichtet wurde, das ganz gezielt die progressive Zivilgesellschaft und demokratische Strukturen unterstützen wollte. Zuerst schwerpunktmäßig in Ostdeutschland. Dazu gehörte ein Baustein, der sich „Opferberatung“ nannte („Betroffenenberatung“, wie wir sagen). Das war 2001 ein neues Arbeitsfeld. Es gab einen Vorgänger, die „Opferperspektive Brandenburg“, die schon zwei Jahre in diesem Bereich gearbeitet und Erfahrung gesammelt hatte, allerdings weitgehend ehrenamtlich. Als wir anfingen, haben wir den professionellen Ansatz dieser Arbeit komplett neu entwickelt. Natürlich gab es Bezüge zur allgemeinen Opferberatung, an denen wir uns orientieren konnten. Auch an andere parteiische, professionell aufgestellte Beratungsformen, wie es sie schon im Bereich sexualisierter Gewalt gab, haben wir angeknüpft. Ansonsten haben wir das Projekt der Vernetzung der Beratungsprojekte zusammen entwickelt.

Neonazis wurden Rosen auf den Weg gestreut

Die Motivation vieler damals Beteiligter lag in den Erfahrungen der 1990er Jahre, über die wir vorhin gesprochen haben. Und aus dem Bewusstsein heraus, dass eine politische Auseinandersetzung mit Neonazis immer auch bedeuten muss, sich mit den von ihren Taten Betroffenen zu solidarisieren. Also Solidarität praktisch zu leben im Umgang mit Betroffenen. 2001 bot sich eine Chance, das auf professioneller Basis aufzubauen, die wir gerne genutzt haben. Wir haben uns als Personen aus mehreren Städten Mecklenburg-Vorpommerns, die sich schon vorher kannten, zusammengetan, ein Konzept entwickelt, die Strukturen aufgebaut und mit der Arbeit begonnen. So ist eigentlich die Gründungsgeschichte der LOBBI. In den ersten Jahren waren wir besonders oft mit den oben beschriebenen Verdrängungsmechanismen konfrontiert. Ich kann mich an Zeitungsartikel erinnern, in denen wir von Bürgermeistern wüst beschimpft wurden, weil wir gesagt haben: Diese Stadt oder jene Stadt hat ein Problem mit Neonazis. Das wurde als Rufschädigung wahrgenommen. Eine aktive, vor allem konstruktive Auseinandersetzung damit, was hier eigentlich los war, fehlte Anfang der 2000er Jahre noch weitgehend. Das haben wir in der Anfangsphase sehr deutlich zu spüren bekommen.

Also saß LOBBI in den ersten Jahren eher am Katzentisch als in der Mitte der Zivilgesellschaft…

… schon in der Mitte der Zivilgesellschaft, die nach und nach immer breiter wurde. Da hatten wir von Anfang an ein gutes Standing, wenn man unter Zivilgesellschaft jene Teile der Gesellschaft versteht, die sich mit Rassismus und Diskriminierung aktiv auseinandersetzten. Um wirklich breiter wahrgenommen zu werden, brauchte es in einem Flächenland wie Mecklenburg-Vorpommern schon etwas Zeit, ebenso, um in politischen Kreisen anzukommen, die bis dahin die Beschäftigung mit Rassismus und Neonazismus eher gescheut hatten. Da haben wir nicht unbedingt offene Türen eingerannt. Auf Verwaltungsebene und von den Sicherheitsbehörden wurden und werden wir teilweise bis heute eher kritisch wahrgenommen.

Was sind da so die Vorbehalte?

Wir arbeiten irgendwie anders, sprechen Probleme deutlich an. Und scheuen auch nicht den Konflikt vor Ort. Wenn Betroffene schildern, was da los ist, sehen wir uns in der Rolle, ihnen im Idealfall ein Podium zu bieten oder, wenn das nicht möglich ist, als Lautsprecher zu agieren. Da ist es klar, dass man sich damit nicht überall beliebt macht.

Wie arbeitet ihr, welche Konzepte, Ansätze und Methoden haben sich herausgebildet?

Im Vordergrund steht die individuelle Opferberatung. Wir sagen immer: Den Angriffen die Wirkung nehmen. Wenn Neonazis oder Rassistinnen andere Menschen angreifen oder bedrohen, dann verfolgen sie damit ein klares Ziel. Sie wollen Menschen verunsichern, ausgrenzen, mundtot machen, verdrängen. Diesen von den Täterinnen beabsichtigten Folgen entgegenzuwirken, schließt die Betroffenen und ihr soziales Umfeld mit ein, beispielsweise Familienmitglieder, Freundinnen, Mitschülerinnen, Kolleginnen, Nachbarinnen. Die individuelle Beratungsarbeit umfasst Tätigkeiten, wie sie in der allgemeinen Opferberatung auch stattfinden. Zum Beispiel Beratung zu Anzeigen, Begleitung zur Polizei, Entschädigungsfragen, Rechtsbeistände organisieren, Vorbereitung und Begleitung von Gerichtsprozessen. Was bedeutet das, wenn ich meinen Peinigern wieder gegenüber stehe? Wie gehe ich mit psychischen Belastungen um? Vermittlung von Therapien bei Bedarf. Und und und. Das ist die Bandbreite dessen, was wir auf der individuellen Ebene machen. Der weitergehende Schritt, der das Spezifische unserer Arbeit ausmacht, ist die „lokale Intervention“, das heißt also wirklich vor Ort aktiv zu werden, je nach dem, wie die Betroffenen die Situation wahrnehmen. Ein wesentliches Arbeitsprinzip ist die Betroffenenperspektive: Alles, was wir tun, orientiert sich an den Bedürfnissen und Sichtweisen der Betroffenen. Ein Beispiel: In einer kleinen Stadt arbeiten wir mit jemandem zusammen, der einen Imbiss betreibt und eine Migrationsgeschichte hat. Und uns erzählt, das sei hier wie ein Spießrutenlaufen, einmal im Monat werden die Scheiben eingeworfen, ich wurde in meinem Imbiss auch schon bedroht oder angegriffen. Dann versuchen wir zusammen Perspektiven zu entwickeln, die über die individuelle Bearbeitung der Problemlagen hinausgeht – wenn die Betroffenen das wünschen. Dazu kann dann zum Beispiel gehören, politisch in den Ort reinzuwirken, sprich mit der Lokalpolitik oder über die lokale Presse zu thematisieren, was in diesem Ort los war und wie das Betroffene wahrgenommen haben. Wenn es dann die Bereitschaft gibt, in dem Ort etwas zu unternehmen, unterstützen wir die Kommunen dabei.

Anzuerkennen, dass auch in einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft Menschen zu Opfern werden, fällt offenbar nicht leicht. Immer wieder berichten Opferschutzorganisationen, wie schwer es in Deutschland ist, bei Institutionen und staatlichen Stellen durchzudringen – in allen Bereichen: in Fällen „normaler“ Kriminalität, nach Unfällen und Terroranschlägen. Berlin, Halle und Hanau haben gezeigt, dass die politischen Hintergründe dabei keine Rolle spielen. Zugleich vermittelt uns die mediale Berichterstattung vielfach ein schärferes Täterbild, werden Radikalisierungs- und Aussteigergeschichten erzählt. Welche Erfahrungen habt ihr gemacht?

Es ist sicher richtig, dass die Opferperspektive immer noch weniger präsent ist als die Täterperspektive. Das hat verschiedene Gründe. Zum einen möchten Menschen sich nicht mit der Möglichkeit beschäftigen, Opfer zu werden. Dieses Gefühl, „OK, das könnte mir auch passieren“, nicht aufkommen zu lassen. In der medialen Berichterstattung ist der Blick auf die Täterszene erstmal spektakulärer. Da kann man entweder den typischen brutalen Neonazi präsentieren oder jemanden, mit dem man vielleicht sogar versteckte Sympathien hat. Da lässt sich medial meistens mehr rausholen als aus der oft traurigen Perspektive von Betroffenen. Ein weiterer Faktor ist der soziale Status der verschiedenen Gruppen. Seit der Aufarbeitung des NSU-Komplexes und nach dem Anschlag von Hanau hat sich etwas verändert. In kleinen Schritten zwar, aber es gibt inzwischen eine stärkere Bereitschaft, öffentlich aufzutreten, Probleme anzusprechen, sich zu vernetzen, Forderungen an die Gesellschaft zu stellen und damit immer weiter durchzudringen. Wir stehen bei Weitem nicht kurz vor der Lösung des Problems, aber ich bin optimistisch, dass es einen Wandel gibt. Die Angehörigen der vom NSU Ermordeten haben immer wieder gesagt: Alle kennen das Kern-Trio, wer kennt die Namen der Opfer? Zumindest in antifaschistischen, zivilgesellschaftlichen Kreisen ist eine wachsende Bereitschaft da, die Perspektive der Betroffenen ernst zu nehmen und sie auch als politische Akteure wahrzunehmen.

Es braucht also vor allem selbstbestimmte Möglichkeiten, Opferperspektiven sichtbar zu machen und auf Betroffene zugehen zu können. Hier habe ich wieder den Eindruck, dass diejenigen, die keine Opfer sind, mehr Aufmerksamkeit erhalten. Seit einigen Jahren diskutieren wir darüber, ob man „mit Rechten reden“ sollte, um dem Problem, auf dem „rechten Auge“ blind zu sein, proaktiv zu begegnen. Indem eine Kommunikationsebene hergestellt wird. Redet ihr mit Rechten?
Für uns stellt sich diese Frage eigentlich nicht. Wir stehen ganz klar parteiisch an der Seite der Betroffenen. Denen ist in den allerwenigsten Fällen an einer Diskussion mit den Tätern gelegen. Vereinzelt gibt es das. Ein Beispiel aus unserer Arbeit: Ein Familienvater mit Migrationsgeschichte wurde von Jugendlichen rassistisch angepöbelt und geschubst. Später meinte er, dass er „den Jungs in einem Gespräch mal ein wenig den Kopf waschen“ wolle. Das ist aber die absolute Ausnahme. Ganz oft ist das Verhältnis von Betroffenen und Täterinnen von einem riesigen Machtgefälle geprägt. Nicht nur in der Angriffssituation, sondern auch, was ihren sozialen Status anbelangt. Da ist eine Diskussion auf Augenhöhe schwierig und aus vielen verschiedenen Gründen von den Betroffenen auch nicht gewollt. Unabhängig von unserem Ansatz und unserer Perspektive muss man sich auch fragen, was man damit erreichen will. Es besteht immer die Gefahr einer Aufwertung der Täterinnen, denen ein Podium zu bieten. Man muss klar definieren: An welchem Punkt rede ich mit Rechten? In welchem Setting tue ich das? Vor welchem Publikum? Kann ich die Diskussion kontrollieren?

kritisch und konstruktiv, statt Hass in die Welt zu pusten

Oft ist es naiv zu glauben, „ich muss nur mit den besseren Argumenten kommen, dann werde ich die schon überzeugen“. Das gilt vielleicht für rechts anpolitisierte Jugendliche und ältere Menschen, die irgendwelche AfD-Parolen aufgeschnappt haben. Aber mit organisierten, ideologisch gefestigten Neonazis zu diskutieren, halte ich in 99 % aller Fälle, in denen das versucht wird, für sinnlos. Das stärkt sie eher. Die Frage ist, was ich erreichen will. Will ich sie überzeugen, ist das in so einer Diskussion schwer möglich.

Teil eurer Arbeit ist der Austausch mit Initiativen aus den „alten Bundesländern“. Wie habt ihr das erlebt – was sind beispielsweise gemeinsame Erfahrungen, wo geht die Wahrnehmung auseinander?

Wir haben die Entstehung der Beratungsangebote im Westen als schon länger arbeitendes Projekt begleitet und teilweise unterstützt. Inzwischen gibt es auch einen bundesweiten Dachverband. Zu den Unterschieden, die ich bis heute sehe, gehört eine ganz andere Selbstverständlichkeit im Zusammenleben von Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen. Und eine anders ausgeprägte Zivilgesellschaft, die zu einer anderen politischen Kultur beträgt. Die Tradition einer weit verbreiteten Friedensbewegung, Anti-AKW-Bewegung oder Frauenbewegung, die im öffentlichen Raum sichtbar war und die alte Bundesrepublik über Jahrzehnte geprägt hat, gibt es im Osten einfach nicht. Denn die Akteure der Wende, Neues Forum und andere, waren im Vergleich dazu immer gesellschaftlich marginal und eher temporär und haben die Gesellschaft nicht so nachhaltig geprägt. Ich glaube, die Bereitschaft, den Mund aufzumachen, aufzustehen, wenn einen etwas stört, aber auch konstruktiv damit umzugehen (nicht im Sinne von Pegida und Co, also stumpf gegen „die da oben“ zu schimpfen und die eigenen Vorurteile zu pflegen), ist ein Erfahrungshorizont, den es im Westen deutlich stärker als im Osten gibt.

Provinz oder Ballungsraum

Das ist der Kern dessen, weshalb wir einen unterschiedlichen Umgang mit Ausgrenzung und Diskriminierung haben. Auch die Protagonist*innen in den Beratungsprojekten haben unterschiedliche politische Sozialisationen. Die Generation, die die Opferberatung in Ostdeutschland aufgebaut hat, war meistens weiß und brachte den Erfahrungshorizont der 1990er Jahre mit. Bei Projekten, die erst in den letzten Jahren entstanden sind, ist das natürlich ganz anders. Das merkt man auch an unterschiedlichen Schwerpunkten und Ansätzen oder den soziokulturellen Hintergründen der Akteure. Zu beobachten ist aber auch, dass sich die Problemlagen verschieben und das entscheidende Kriterium nicht mehr Ost oder West ist, sondern Provinz oder Ballungsraum.

Inwiefern gibt es hier ein Stadt-Land-Gefälle?

Grundsätzlich, bis auf wenige Ausnahmen, lässt sich für die gesamte Bundesrepublik sagen, dass in der Stadt eher liberalere Verhältnisse herrschen als auf dem Dorf oder in der Kleinstadt. Diese Tendenz hat der demographische Wandel noch verstärkt: Politisch offenere Menschen suchen eher den Weg vom Dorf in die Stadt als umgekehrt. In Ostdeutschland gab es in den 1990er Jahren zunächst den massiven Wegzug in den Westen, später dann die Bewegung aus dem ländlichen Raum in die Städte. Gerade in den letzten Jahren sind viele, die sich als links oder alternativ verstehen, aus Kleinstädten vor allem in die Universitätsstädte Greifswald und Rostock gezogen. Natürlich weiterhin auch nach Hamburg oder Berlin und andere Metropolen. Das ist nachvollziehbar, und ich würde niemandem einen Vorwurf daraus machen. Aber das sind Menschen, die in der politischen Kultur der Kreisstadt oder dem 500-Seelen-Ort einfach fehlen. Den Ton geben dann die Dagebliebenen an. Das sind entweder die Älteren, die sich oft nicht engagieren können oder wollen. Oder jüngere Personen, die persönliche Probleme politisch umdeuten und andere dafür verantwortlich machen. Und dann haben wir die Menschen, die gezielt in den ländlichen Raum gehen, um politisch wirksam zu werden, Stichwort völkische Siedlerbewegung in Mecklenburg-Vorpommern.

Wie wirkt sich das auf eure Arbeit aus?

Gerade in einem Flächenland wie Mecklenburg-Vorpommern machen wir sehr viel Netzwerkarbeit, suchen Kontakte zu zivilgesellschaftlichen Strukturen und Bündnissen, die in den letzten Jahren Geflüchtete unterstützt haben oder sich vor Ort für eine offene Gesellschaft stark machen. Die gibt es auch im ländlich-kleinstädtischen Raum – nicht so viele, wie es geben müsste, aber es gibt sie. Da stellen wir immer wieder fest, dass zentrale Akteure oft nicht in Mecklenburg-Vorpommern aufgewachsen sind. Die kommen einfach aus einer anderen politischen Tradition.

Was sind eure Erfolge nach fast 20 Jahren?

Vielleicht konnten wir ein Stück dazu beitragen, dass die Perspektive der Betroffenen mehr und mehr den Stellenwert bekommt, den sie eigentlich schon immer haben müsste. Und dass die Politik mittlerweile nicht mehr umhin kommt, die Betroffenen wahrzunehmen. Wie ernsthaft und nachhaltig das geschieht, ist nochmal eine andere Frage. Aber ein Zugehen auf die Betroffenen, ihnen öffentlich Unterstützung zu signalisieren, das passiert schon häufiger als zu den Zeiten der Anschläge von Mölln oder Solingen. Wenn wir auf den gesellschaftlichen Umgang mit Anschlägen in den 1990er und frühen 2000er Jahren schauen, sehen wir schon deutliche Unterschiede. Und das ist vor allem ein Verdienst der Betroffenen selber.

Zum Schluss noch einmal zurück zu den 30-Jahre-Jubiläen: Wende und Wiedervereinigung sind nicht nur mit bestimmten Kalendertagen verknüpft, sondern bedeuten Prozesse, die in Gang gekommen sind, Strukturen, die sich gebildet haben. In diesem Sinne wird in Soziologie und Politikwissenschaft inzwischen auch über den Begriff der Einheit anders nachgedacht und mit „Integration“ als Binnenthema in einen Zusammenhang gebracht. Die Soziologin Naika Foroutan fragt etwa kritisch, ob wir nicht von der „Einheit“ zur Akzeptanz von „Vielheit“ kommen müssten. Nach 30 Jahren formaler Angleichung, etwa bei Löhnen und Renten. Jetzt müsse es darum gehen, sich in seinen Unterschieden zu entdecken und eine Kultur der Vielfalt zu leben. Und es wird soziologisch diskutiert, ob nicht Ostdeutsche ähnliche Diskriminierungserfahrungen gemacht haben wie Migrant*innen.

Die Diskussion darüber, ob Ostdeutsche nicht ähnliche Erfahrungen gemacht haben, wie Menschen mit einer Migrationsgeschichte, finde ich aus verschiedenen Gründen verkürzt und irreführend – in Bezug auf den gesellschaftlichen Status, welchen Problemen man ausgesetzt ist, die andere nur von Erzählungen her kennen. Kein Ostdeutscher ist wegen seiner Geschichte ernsthaft beleidigt oder sogar bedroht worden.

demagogische Gründe oder einfach einen an der Waffel

Natürlich gibt es das soziale Gefälle, die unterschiedliche Wertung der Biographien. Aber eine strukturelle Ausgrenzung oder Diskriminierung, mit der Migrant*innen im Alltag konfrontiert sind, sehe ich überhaupt nicht. Mit einer Gleichsetzung würden wir dem Jammer-Ossi oder Wutbürger-Ossi auf den Leim gehen. Wer sich heute hinstellt und sagt, wir hätten weniger Redefreiheit als in der DDR, hat das entweder nicht miterlebt oder macht das aus demagogischen Gründen. Oder hat ganz einfach einen an der Waffel. Das ist völlig absurd. Auch die ständigen Stasi-Vergleiche im Zusammenhang mit den Corona-Maßnahmen sind absolute Geschichtsverklärung und nicht einmal im Ansatz etwas, worauf man sich ernsthaft diskursiv einlassen sollte.

Halle, Hanau, rechte Netzwerke in der Polizei – es kommen laufend neue Herausforderungen dazu. Was ist eure Perspektive auf die Zukunft?

Ja, wo sind Hoffnungsschimmer, wo sollte es gesellschaftlich hingehen, wo wollen wir in unserer Arbeit hin? Bei allen Schwierigkeiten sehe ich mehrere Punkte, die mich optimistisch stimmen. Gerade bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen gibt es eine neue Selbstverständlichkeit des Zusammenlebens in einer diversen Gesellschaft. Leider sind „schwul“ oder „Jude“ immer noch Schimpfworte auf dem Schulhof. Aber ich nehme einen Mainstream unter Jugendlichen wahr, dass Homosexualität, Migrationshintergrund oder verschiedene Glaubensformen eher als eine Selbstverständlichkeit angesehen werden. Zugleich wissen wir, dass es einen seit Jahren stabilen Anteil von ausgrenzenden, offen neonazistischen oder antisemitischen Einstellungen in unserer Gesellschaft gibt. Daran wird sich so schnell leider nichts ändern.

Eine neue Selbstverständlichkeit des Zusammenlebens

Da stellt sich dann die Frage, welchen politischen Spielraum man dieser erschreckend großen, aber eben doch Minderheit gibt. Wenn für die Mehrheit eine diverse Gesellschaft selbstverständlich und erstrebenswert ist, gibt es auch die Bereitschaft, sich dafür politisch einzusetzen. Fridays for Future und andere Bewegungen zeigen ja, dass gerade Jüngere bereit und in der Lage sind, kritisch und konstruktiv zu sein, statt Hass in die Welt zu pusten und den eigenen Frust auszuleben. Engagement kann so zu einer gesellschaftlichen Selbstverständlichkeit werden, die es zu verteidigen gilt.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Gespräch führte Johannes Warda.

LOBBI mit zwei Regionalbüros in Rostock und Neubrandenburg berät nach rassistischen, antisemitischen, homophoben und anderen politisch rechts motivierten Angriffen die direkt Betroffenen, Angehörige und Zeug*innen. Darüber hinaus unterstützt LOBBI die Selbstorganisation von Betroffenen und macht deren Perspektive für eine breitere Öffentlichkeit sichtbar – unter anderem über die fortlaufende Dokumentation rechter Gewalt. Die Chronologie ist abrufbar unter http://lobbi-mv.de/chronologie. Regelmäßig wird der Rundbrief Perspektiven herausgegeben, in dem regionale Themen, aber auch der NSU-Komplex und die Ereignisse um die sogenannte Gruppe Nordkreuz kritisch begleitet werden: http://lobbi-mv.de/perspektiven

Schleswig-Holstein.

Winter 20/21

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    „…aus dem Bewusstsein heraus, dass eine politische Auseinandersetzung mit Neonazis immer auch bedeuten muss, sich mit den von ihren Taten Betroffenen zu solidarisieren“, arbeitet seit 2001 die Beratungsinititative für Betroffene rechter Gewalt LOBBI in Mecklenburg-Vorpommern. Ein Gespräch über 30 Jahre Wende, Einheit, Wiedervereinigung
  • Die Kartierung des Himmels an der Schwelle zur Neuzeit.
    Weltbilder und Himmelskarten in der Eutiner Landesbibliothek. Die Frühe Neuzeit steht für die Fortschritte der Wissenschaften in Europa. Und sie gilt als „Zeitalter der Entdeckungen“: Europäische Expansion und überseeische Handelsbeziehungen nährten das Bestreben, die Welt als Gesamtheit zu erfassen. Atlanten und Karten wurden aufgrund neuer Möglichkeiten der Vermessung immer exakter. Weiße Flecken von „unentdeckten“ Gebieten verschwanden allmählich. Auch der Himmel wurde neu vermessen und kartiert, die Erkenntnisse in Himmelsatlanten veröffentlicht. Gerade die Astronomie erbrachte Erkenntnisse, die die gesamte mittelalterliche Weltsicht ablöste. Astronomen wie Tycho Brahe, Nikolaus Kopernikus, Johannes Kepler, Galileo Galilei und Isaac Newton halfen, das Weltensystem neu zu verstehen.
  • „Es ist kein Traum …“ Der Dichter und Revolutionär Harro Harring
    Wer war Harro Harring? Martin Lätzel erinnert an den 1798 in Nordfriesland geborenen Dichter, Maler und Revolutionär
  • „Ich kann alles. Bloß nicht das, was ich muß.“ Friedrich Hebbel und Elise Lensing
    Im Nachlass des Dichters Friedrich Hebbel findet sich ein Uhrband aus Echthaar. Was hat es damit auf sich? Maike Manske erzählt die Geschichte
  • 1 164 Kilometer durch das 20. Jahrhundert. Die drei Jugendherbergen von Alfred Toepfer
    1928 stiftete der Hamburger Kaufmann Alfred Toepfer 100 000 Reichsmark zum Bau von Jugendherbergen auf dem Knivsberg, in Thüringen und im Burgenland. Neue Archivrecherchen zur Bau- und Nutzungsgeschichte zeigen, wie sehr sich der Stifter neben den beteiligten Architekten und dem Maler A. Paul Weber selbst als Gestalter betätigte. Die drei Häuser markierten den Beginn von Toepfers umfangreicher Stiftungstätigkeit zur völkisch-nationalen Deutschtumsarbeit. Auch nach der Einweihung sollten sie ihn bis zu seinem Tod 1993 nicht mehr loslassen.
  • Bye-Bye CO2. Das Moorschutz-Programm der Stiftung Naturschutz
    Die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein will mit ihrem neuen Moorschutz-Programm nicht nur kurz die Welt retten, sondern langfristig und beispielhaft

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