Die Boten des Todes. Wie ein Märchen bedenken lehrt, dass wir sterben müssen

Mitten in der Corona-Krise hat Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble in einem Interview mit dem Berliner Tagesspiegel (am 26. April 2020) ein altes Memento vergegenwärtigt: „Wenn es überhaupt einen absoluten Wert in unserem Grundgesetz gibt, dann ist das die Würde des Menschen. Die ist unantastbar. Aber sie schließt nicht aus, dass wir sterben müssen.“

Das Memento mori ist es, das der christlich-demokratische Politiker in Erinnerung gerufen hat. Es lautet in seiner alttestamentarischen Fassung: „Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.“ (Psalm 90,12).

Klug werden – auch im Hinblick auf die Würde des Menschen. Denn besteht nicht darin der letzte Anspruch auf die Würde des Menschen, in Würde zu sterben, dem Tod in Würde zu begegnen? So können wir mit Wolfgang Schäuble im Umkehrschluss sagen: Die Würde des Menschen schließt nicht nur nicht aus, sondern sie schließt unbedingt ein, dass wir sterben müssen. Auch wenn unser Leben letztlich nicht in unserer Macht steht, müssen wir gerade deshalb Stellung nehmen zu Sterben und Tod. In Würde kann uns das gelingen, wenn wir uns auf eine alte Kunst besinnen, die in unserem modernen Alltagsleben kaum noch präsent ist: die Kunst des Sterbens (ars moriendi). Sterben und Tod obliegen unserer Verantwortung; es kann und darf uns nicht gleichgültig sein, wie wir sterben. Die Würde des Menschen bewährt sich in Grenzsituationen, das heißt hier: Wir haben für einen menschenwürdigen Abschied zu sorgen, wir sollen dem eigenen und dem Tod anderer Menschen in Würde begegnen – soweit wir es eben können.

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Harm-Peer Zimmermann

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