Literarische Begegnungen quer durchs Land

Mit 97 durchgeführten Präsenzveranstaltungen an den unterschiedlichsten Orten innerhalb von drei Monaten trug das Festival Lesereise Schleswig-Holstein im Sommer 2021 ganz erheblich zur Wiederbelebung der Kulturszene im Land nach der pandemiebedingten Einstellung des Kulturveranstaltungsbetriebes bei. Nachdem uns Projektleiter Heinrich Wolf zur Zeit größter Planungsunsicherheit in der letzten Ausgabe Einblicke in das Vorhaben gegeben hat, interessiert uns nun von ihm, wie es so gelaufen ist. Hat das Projekt seine Aufgabe erfüllt? Was hat das Team über die Kultur- und Literaturszene im Land lernen können? Wie könnte man das Wissen nutzen? Und vor allem: War´s das nun?

Das Projekt Lesereise Schleswig-Holstein war als Wiederbelebung der Kulturszene nach der Corona-Zeit gedacht. Hat das funktioniert?

Ja das hat es, in den meisten Fällen auch wirklich überwältigend gut. Wir sind von den Veranstalter*innen vor Ort regelrecht mit Ideen und Angeboten überrannt worden. An vielen Orten sind Lesungen wie unsere ja, auch ohne die schwierige Zeit mit Corona, kaum bis gar nicht möglich. Zu schlecht sind die Gemeinden und Vereine in der Fläche oftmals aufgestellt – und Programme zur Förderung von Literaturveranstaltungen auf dem Land gibt es auch keine. Daher waren gerade diese Veranstaltungen echte Publikumsmagneten. Vieles befand sich zur Zeit unserer Planungen noch in der Corona-Lähmung, aber die engagierten Organisator*innen vor Ort sind auch vor unkonventionellen Lösungen nicht zurückgeschreckt. So gab es ausverkaufte Lesungen in privaten Gärten, großen VHS-Fluren oder sogar noch im Bau befindlichen Einrichtungen, um den Schwung unseres Lesereise-Angebots mitnehmen zu können.

Als die Lesereise dann angelaufen war, wandten sich noch nachträglich viele Orte an uns, um dabei sein zu können – da war klar, dass die Veranstaltungen wirklich stattfinden können. Das wussten ja weder wir noch die Menschen vor Ort im März/April 2021, als wir mit der Terminvergabe begannen.

Heinrich Wolf (links) und Feridun Zaimoglu bei der Eröffnungsveranstaltung der Lesereise Schleswig-Holstein im August in Schleswig

Vieles änderte sich dann nach dem Einzug der 3G-Regelungen, die wir mitten im Festival ja miterlebten. Zum Beispiel bei einem literarischen Kabarettabend, der noch am Sonntag vor der neuen Landesverordnung mit 22 Besucher*innen längst ausgebucht war und dann am Mittwochabend aber plötzlich mit 65 Plätzen, die sich ebenso sofort füllten, veranstaltet werden konnte. Da hat man den Hunger nach Kultur und die Entspannung bei Veranstalter*innen deutlich gespürt.

Hätten wir nicht die Koordination der Lesereise bereits im Vorfeld für die Spielstätten übernommen, hätten die meisten erst zu diesem Zeitpunkt ihre Planungen beginnen können. Das war ein echter Kulturturbo für den Norden.

Sie haben es angedeutet: Auch ohne die Pandemie wären vielerorts solche Veranstaltungen kaum denkbar gewesen. Konnte die Lesereise als Impulsgeber vielleicht Potentiale wecken?

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Die Fragen stellte
Kristof Warda