Stabwechsel beim Kieler Theater im Werftpark

Die Kieler Bühnen gehörten zu den ersten in (West-)Deutschland, die ein eigenständiges Kinder- und Jugendtheater etablierten. Unter der Intendanz von Joachim Klaiber (1963 – 1976) leistete der Chefdramaturg Mario Krüger ab 1967 die Aufbauarbeit. Es begann mit mobilen Aufführungen in Schulen, Jugend- und Lehrlingsheimen, auch auf Spielstätten im Freien und manchmal auf einer Nebenbühne im Schauspielhaus. Erst ab 1972 gab es dafür eine zusätzliche finanzielle Unterstützung durch die Landeshauptstadt.

Mit der Zeit konnten ein Fahrzeug und eine transportable Bühne angeschafft werden. 1977 erhielt das Jugendtheater mit Manfred Repp seinen ersten hauptamtlichen Leiter; die Nachfolger Klaibers in der Intendanz unterstützten den Aufbau eines eigenen Ensembles nach Kräften. Aber das Hauptproblem blieb die Spielstätte. Für einige Jahre – von 1980 bis 1985 – konnte die ehemalige Desinfektionsanstalt des Städtischen Krankenhauses genutzt werden. Danach musste man mit wechselnden Provisorien vorliebnehmen, bis endlich im Sommer 1989 das Jugendhaus im Volkspark Gaarden – nach erheblichen Sanierungs- und Umbaumaßnahmen – als „Theater im Werftpark“ seinen Betrieb aufnehmen konnte.

1982 stieß Norbert Aust zum Ensemble des Kinder- und Jugendtheaters, zunächst als Dramaturg. Aber schon zwei Jahre später übertrug ihm der Generalintendant Horst Fechner (1978 – 1985) die Leitung des Hauses. Im Sommer 2014 gab es dann aus dreifachem Anlass ein großes Volksfest im Werftpark: 25 Jahre Spielstätte, 30 Jahre Theaterleitung durch Norbert Aust und 40 Jahre Kinder- und Jugendtheater in Kiel. Und im Herbst desselben Jahres erschien dann die Buchpublikation von Alina Laura Tiews, die diese 40 Jahre akribisch dokumentiert: „‘Es ist mir federleicht ums Herz‘. Die Geschichte des Kinder- und Jugendtheaters in Kiel“ (Husum Druck- und Verlagsgesellschaft).

Norbert Aust geht – Astrid Großgasteiger kommt

Mit dem Ende der laufenden Spielzeit endet auch die „Ära Aust“ – der Leiter des Werftparktheaters geht in den Ruhestand. Bereits im Frühjahr hat eine  Findungskommission über seine Nachfolge entschieden. Astrid Großgasteiger aus Salzburg wird sie zu Beginn der Saison 2016/17 antreten. Dieser Leitungswechsel und der jetzt in Buchform vorliegende Rückblick auf die ersten 40 Jahre sind Anlass für das folgende Gespräch …

Die Gesprächsteilnehmer:

Norbert Aust (NA), geb. 1951 in Dortmund, studierte zunächst Elektrotechnik, wechselte dann aber zur Germanistik (mit Geschichte und Theaterwissenschaften). Schon während des Studiums vielfältige Theaterpraxis, im Anschluss daran dann breite Ausbildung als Schauspieler, Dramaturg und Regieassistent an den Städtischen Bühnen Dortmund. Seit 1982 am Kieler Theater im Werftpark. 2015 erhielt er aus der Hand des Ministerpräsidenten Torsten Albig für seine engagierte Kultursozialarbeit die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

Astrid Großgasteiger (AG), geb. 1980 in Stuttgart, studierte Theaterwissenschaften und Ethnologie in München. Längere Auslandsaufenthalte in Indien und Australien. Magisterabschluss mit einer Arbeit über eine postkoloniale indische Theatergruppe. Tätigkeit als Regieassistentin und Dramaturgin in München und Salzburg, auch bei dokumentarischen Filmproduktionen und in der freien Szene. Seit 2011 Hausregisseurin am Salzburger Landestheater, seit 2013 Künstlerische Leiterin der Kinder- und Jugendtheatersparte dort („Junges Land“). Eigene Stück- und Projektentwicklungen, auch für Festivals. 2012 gründete sie die „Bürgerbühne Salzburg“.

Alina Laura Tiews (AT), geb. 1984 in Kiel, studierte Geschichte und Deutsche Philologie in Göttingen, Berlin und Münster. Promotion dort 2015 mit einer Arbeit über Spiel- und Fernsehfilme aus Bundesrepublik und DDR über Flucht und Vertreibung Deutscher nach 1945. Während des Studiums Mitglied in verschiedenen Theatergruppen. Seit 10 Jahren in der historisch-politischen Bildungsarbeit an Museen und Theatern tätig, u.a. am Deutschen Historischen Museum und am Deutschen Theater in Berlin, am Internationalen Maritimen Museum in Hamburg und am Willy-Brandt-Haus in Lübeck.

Moderation: Rolf-Peter Carl  

Rolf-Peter Carl, Astrid Großgasteiger, Laura Alina Tiews und Norbert Aust sprechen gemeinsam über Theater, Kinder- und Jugendarbeit, über Kiel, über Vergangenheit und über Zukunft …

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