Der Bärlauch – Pflanze, Mythos und Kost

Baerlauch

Unser Autor Welf-Gerrit Otto begibt sich auf einen ganz besonderen Frühlingsspaziergang: Mit Blick auf die Wildpflanzen vor der heimischen Haustür entdeckt er eine sagenumwobene und geheimnisvolle Welt, die nur auf den ersten Blick alltäglich erscheint. Dieses Mal: Der Bärlauch.


 

Der Bärlauch

Beim Bärlauch handelt es sich um ein ausdauerndes, krautiges Zwiebelgewächs, das eine Wuchshöhe von zwanzig bis sechzig Zentimetern erreicht. Im Volksmund wird die Pflanze je nach Region auch als wilder Knoblauch, Bärenlauch, Hexenzwiebel bezeichnet.

Der Bärlauch treibt im zeitigen Frühjahr aus. Mitunter brechen seine zarten Blätter bereits im März aus dem Schnee. Die Pflanze bildet nacheinander mehrere lanzenartige Blattstängel aus, die sich nach wenigen Zentimetern in breite, elliptisch-lanzettliche Blattspreite ausformen. Von April bis Mai dauert die Blütezeit. Der Blütenstiel mündet in eine stark duftende Scheindolde mit bis zu zwanzig weißblühenden zwittrigen Blüten.

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In der Kapselfrucht befinden sich wenige schwarze Samen. Eine Verwechslungsgefahr besteht mit dem in seiner vegetativen Phase ähnlich aussehenden, aber hochgiftigen Maiglöckchen (Convallaria majalis). Ein untrügliches Unterscheidungskriterium besteht allerdings in dem starken Lauchgeruch.

Bärlauch stammt ursprünglich aus Europa und Nordwestasien. Als Neophyt findet man ihn inzwischen auch in anderen Regionen der gemäßigten Klimazone. Sein Habitat sind halbschattige Laubwälder, vornehmlich dort, wo es feucht ist, also in Auwäldern oder in unmittelbarer Ufernähe.

Mythos

Bereits der charakteristische Geruch der Pflanze verrät ihre Verwandtschaft mit Küchenzwiebel und Knoblauch. Und ebenso wie diese soll sie gegen böse Geister und andere unheilvollen Einflüsse wirken. Ursächlich dafür wird sein eigentümliches Odeur sein. Der Mundgeruch nach dem Verzehr allerdings soll mitunter auch Vertreter des anderen Geschlechts verunsichern. Im Folgenden wird der Bärlauch mit den übrigen Vertretern der Gattung Allium zusammenfassend betrachtet.

Jedes Kind weiß, dass Knoblauch gegen Vampire hilft. Lauchgewächse werden im Volksglauben apotropäisch eingesetzt. Unter einem Apotropaion versteht man ein magisches Objekt oder Mittel, das wirksam gegen böse Mächte sein soll. Allerdings verschwimmen die Grenzen zwischen Magie und Empirie bisweilen.

Und nicht alles ist daher als abergläubischer Humbug abzutun. Zum einen verwandte man Lauch als Amulett und Zaubermittel, zum anderen wurde er zu früheren Zeiten in Bäume gehangen, um Laub und Früchte vor Raupen- und Vogelfraß zu schützen. Eine auch aus heutiger rationaler Sicht nachvollziehbare Handlung, wenn man an sein spezielles Bukett denkt, das sicher eine Vielzahl von Tieren abschreckt.

Die germanischen Stämme hielten den Lauch in hohen Ehren, was wohl nicht zuletzt darin begründet ist, dass die Pflanze im kalten und lichtlosen nordischen Winter eine unverzichtbare Vitaminquelle und Nahrung gegen Mangelerscheinungen darstellte. Bisweilen wurden sogar Helden der germanischen Dichtung mit ihr als Ehrenbezeichnung tituliert: „So war Sigurd bei den Söhnen Giukis, / Wie über Halme sich hebt edler Lauch, / Wie hoch der Hirsch ragt über Hasen und Füchse, / Und glutrotes Gold scheint über graues Silber.“

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Welf-Gerrit Otto

 

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