“Kultureinrichtungen sollen relevant bleiben”

Dr. Martin Lätzel, neuer Direktor der Schleswig-Holsteinischen Landesbibliothek, im Gespräch mit Kristof Warda

Anfang Mai veröffentlichte die Landesregierung den „Digitalen Masterplan Kultur für Schleswig-Holstein“. Darin werden Erwartungen an und Standards für Kultureinrichtungen formuliert. Außerdem wird benannt, welche Ressourcen und Hilfestellungen das Land für deren Erreichung zur Verfügung stellt. Dreh- und Angelpunkt der digitalen Kulturstrategie der Landesregierung: Das neu geschaffene Zentrum für Digitalisierung und Kultur unter dem Dach der Landesbibliothek in Kiel.

Ende Mai stellte sich Martin Lätzel als ihr neuer Leiter vor. Im Gespräch mit Kristof Warda skizziert er den digitalen Wandel und welche Herausforderungen er für Kulturinstitutionen mit sich bringt. Außerdem schildert er die Aufgaben des neugeschaffenen Zentrums für Digitalisierung und Kultur und die Auswirkungen auf die Landesbibliothek.

Industrielle, digitale und politische Revolution (v. l. n. r.). Detail aus Martin Lätzels neuem Büro. Foto: Kristof Warda

Lieber Martin Lätzel, was ist Digitalisierung?

Der Begriff wird vielgestaltig verwendet und unterschiedlich interpretiert. Und hier beginnt bereits die Herausforderung: Digitalisierung ist ein grundlegender Wandel, in dem wir uns befinden. Im alltäglichen Gebrauch beschreibt der Begriff aber gleichzeitig winzige Teilaspekte dieses Wandels.

Das greift dann oft zu kurz. Ich glaube, Digitalisierung umfasst drei Bereiche: Zuerst die Erstellung von Archivgut. Kulturelles Erbe wird digitalisiert,
gespeichert und verfügbar gemacht.

Ein einfaches Beispiel für diesen Teilaspekt wäre die Digitalisierung meiner Plattensammlung …

Genau: Digitalisierung, verstanden als einfacher Vorgang der Überführung und Speicherung in einem anderen Format. Dabei ersetzt die MP3-Datei allerdings nicht die LP – das wird jeder Musikliebhaber bestätigen. Noch viel weniger kann das Digitalisat das Original im Kunstmuseum oder die Theateraufführung ersetzen. Wohl aber kann es der Gesellschaft einfacheren Zugang zu Kulturgut bieten.

Und so kommen wir zum zweiten Bereich der Digitalisierung: Immer mehr Kommunikationstechniken erfolgen auf digitaler Basis: Alltagskommunikation, aber auch die Vermittlung von Wissen und Kultur und das Marketing. Das führt uns zum dritten, allumfassenden Bereich: Zur Kultur der Digitalität, also zur radikalen Veränderung der Formen unseres Zusammenlebens, die bereits begonnen hat. Gern angeführt wird zum Beispiel der Unterschied zwischen einer Verabredung zum Kaffeetrinken in vordigitaler Zeit und der eher unverbindlichen, spontaneren Praxis durch mobile Kommunikationsmöglichkeiten heute. Ein weiteres Beispiel ist, dass mithilfe digitaler Medien die Meinung von Privatpersonen auf einmal eine höhere Verbreitung erreichen kann als die auflagenstärkste Tageszeitung oder das Fernsehprogramm.

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Kristof Warda

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