Editorial zur Ausgabe drei 2019

Kristof Warda auf der Leserreise zur NordArt am 7. Juli 2019 in Büdelsdorf

Liebe Leserin, lieber Leser,

im Wohnzimmer sitzen und doch im Garten sein. Die Verbindung von Innenraum und Außenraum. Das war das Ideal von Richard Neutra, dem großen Architekten des 20. Jahrhunderts. Die meisten seiner Bauten stehen in Kalifornien, fotografiert von Julius Shulman wurden sie zu Ikonen der „klassischen“, der „kalifornischen“ Moderne.

Doch auch in Schleswig-Holstein findet sich ein Großprojekt Neutras: Die BEWOBAU-Siedlung in Quickborn bringt ein bisschen Kalifornien nach Norddeutschland. Ein Artikel der inzwischen an der Bauhaus-Universität in Weimar lehrenden Architekturhistorikerin Eva von Engelberg-Dočkal sorgte maßgeblich dafür, dass sie unter Denkmalschutz gestellt wurde. Die Architekturvermittlerin Barbara von Campe besuchte die Siedlung im Rahmen ihres Projektes „Schleswig-Holsteins unbekannte Moderne“ mit einer Schulklasse. Johannes Warda traf beide zum Gespräch. Die Bilder zum Artikel – sowie das Titelbild – sind vom Fotografen Reza Ghadyani und zeigen Neutras Quickborner Siedlung im Herbst 2018 (S. 14).

Das Ideal des Architekten Aat Vos ist es, Orte zu schaffen, an denen sich jede*r willkommen fühlen kann. Das Bildungshaus in Norderstedt soll ein solcher Ort werden, genau wie die Schleswig-Holsteinische Landesbibliothek in Kiel. Vos ist an beiden Transformationen beteiligt. Ab Seite 38 spreche ich mit ihm über öffentlichen und privaten Raum und über seine Projekte in Schleswig-Holstein.

Auch strukturell transformiert sich die Landesbibliothek gerade. Zeitgleich mit dem Wechsel an der Spitze (im letzten Heft sprach Rolf-Peter Carl mit dem scheidenden Direktor Jens Ahlers) hat sie auch einen weiteren Aufgabenbereich hinzubekommen: Das Zentrum für Digitalisierung und Kultur soll Dreh- und Angelpunkt der Digitalisierung unserer Kulturszene werden. Ab Seite 34 sprechen wir mit dem neuen Direktor Martin Lätzel über digitale Transformation im Kulturbereich und die Aufgaben des neuen Zentrums.

A propos digital. Ab Seite 10 finden Sie unseren persönlichen Sommer-Soundtrack: Das Doppel-Mixtape zu den Festivals im Land. Einfach online anhören und dabei in dieser Zeitschrift schmökern. So einfach ergänzen sich digital und analog … Inzwischen gibt es eine Menge Festivals bei uns im Norden. Seit letztem Jahr gibt es eins, das sogar so heißt. Birthe Dierks hat mit einem der Macher des Nørden-Festivals in Schleswig gesprochen (S. 28).

Und außerdem?

Theater als Lebensform: Rolf-Peter Carl über „Die Komödianten“, das älteste Privattheater Kiels (S. 42), ein Besuch im Kultur-Ensemble um die Wassermühle in Trittau (S. 56), Anna Lena Möller und Jill Gibson stellen die Filmklasse der Muthesius-Kunsthochschule vor (S. 64), Martin Lätzel hat beim Begründer des Sylt-Mythos, C. P. Hansen „nachgelesen“ (S. 68), Welf-Gerrit Otto schildert im zweiten Teil seiner Serie „Von Mammutjagd bis Homeoffice“ die Vertreibung aus dem Paradies (S. 74).

Das alles und noch viel mehr in Ihrer neuen Schleswig-Holstein.

Viel Spaß beim Lesen und Entdecken,
Ihr
Kristof Warda,
Chefredakteur

Schleswig-Holstein drei 2019
Schleswig-Holstein drei 2019

Ein bisschen Kalifornien in Quickborn //
Das neue Zentrum für Digitalisierung und Kultur //
Die Vertreibung aus dem Paradies //

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