Donnerstag, 2. Februar 2023

Das Danewerk als nationales Symbol

KulturzeitschriftDas Danewerk als nationales Symbol

Will man das Danewerk in seiner ganzen Fülle verstehen, dann muss man sich klar machen, dass es ein Symbol ist. An der Oberfläche und nüchtern gesehen ist es ein gigantisches Bauwerk aus Erde, Gras- und Heidesoden, Holz, Stein und Backsteinen. Eine Anlage, die für sich genommen schon im Mittelalter so bedeutend war, dass sie 2018 gemeinsam mit Haithabu UNESCO-Welterbe geworden ist. Aber dazu kommt, dass die Menschen ihr seit Jahrhunderten eine symbolische, geradezu mythische Rolle beigemessen haben. Nur das erklärt, warum das Danewerk im 19. und 20. Jahrhundert abermals eine so große Bedeutung erlangen konnte.

Diese Geschichte beginnt damit, dass Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts die Vor- und Frühgeschichte wichtig wird. War sie lange vorwiegend eine Beschäftigung für Gelehrte und Gebildete, so durchdringt sie nun Politik, Kunst und Kulturleben in Europa. Auslöser ist nicht zuletzt die Französische Revolution von 1789. Bisher war die Frage, was Frankreich ist, im Zweifel noch recht einfach zu beantworten: Das Land, das vom französischen König regiert wird. Aber dies gilt nicht mehr, nachdem das Volk den König stürzt, selbst die Macht übernimmt und eine Republik ausruft. Nun lautet die Antwort zunehmend: Die neue französische Nation – natio ist Latein für Volk, Sippschaft, Herkunft – beruht auf gemeinsamer Geschichte und gemeinsamen Vorfahren aller Franzosen. Diese Verknüpfung von demokratischen Idealen und Geschichte mit einer bestimmten politischen Denkweise, dem Nationalismus, verbreitet sich rasend schnell in Europa.
Sie trifft nicht zuletzt in Deutschland auf offene Ohren. Seit Beginn des 19. Jahrhunderts sind die Menschen in diesem großen Gebiet – nach Jahrhunderten mit mehr oder weniger verbündeten deutschen Kleinstaaten – auf der Suche nach einer gemeinsamen Identität und eigenen historischen Wurzeln. Doch die politische Realität ist eine andere. 1804 wird das Kaiserreich Österreich mit dem letzten römisch-deutschen Kaiser als erstem österreichischen Kaiser gegründet. 1806 haben zudem viele deutsche Länder das Heilige Römische Reich Deutscher Nation verlassen und sich mit dem selbsternannten Kaiser Napoleon verbündet, der in Frankreich das Ruder an sich gerissen hat. Dies ruft empörte Politiker, Intellektuelle und Bürger auf den Plan, die sich nicht zuletzt auf eine gemeinsame Vorgeschichte und gemeinsame Werte berufen.
Sowohl über die aufkeimende nationale und demokratische Bewegung als auch über die Kunst und Kultur der Romantik dringen die Frage nach den gemeinsamen Ahnen und die Befassung mit der Vorgeschichte so in breitere Schichten ein. Maler malen romantische Bilder vor den Grabstätten der Vorzeit, Schriftsteller schreiben von Volkshelden wie „Hermann der Cherusker” (Arminius), der die Römer besiegte; und Dramatiker und Komponisten greifen die Vergangenheit in opulenten Bühnenwerken auf.
Aber nicht nur für politische und künstlerische Revolutionäre und Avantgardisten, sondern auch für große, machtvolle „Player” der traditionellen Herrschaft stellt die neue Entwicklung durchaus eine Chance dar. Der preußische König, der gemeinsam mit Österreich dem Bündnis mit Napoleon entgegensteht, treibt die Einigung der deutschen Lande (natürlich unter seiner zentralen Herrschaft) voran. Die Vorstellung einer gemeinsamen, verbindenden Herkunft kommt da nicht ungelegen.

Ahnenwahl

Dabei liegt es nicht gerade auf der Hand, wer diese gemeinsamen Vorfahren nun gewesen sein sollen. Zunächst könnten es schlicht diejenigen sein, die seit der Steinzeit im deutschen Sprachgebiet der Gegenwart lebten und dort sichtbare Relikte wie die Großsteingräber hinterließen. Vielleicht sind es auch jene, die dem Gebiet zugeordnet werden, als es um die Zeitenwende erstmals in (römischen) Geschichtsquellen beschrieben wird. Aber die Aufteilung der deutschen Königreiche und Fürstentümer ist ja durchaus auch Ausdruck einer Teilung, die weit in die Geschichte zurückreicht. Nicht ohne Grund sind Gebietsnamen wie (Nieder-)Sachsen, Bayern, Schwaben oder Thüringen mit frühen lateinischen Namen für Stammesverbände wie den Saxones, Bavarii, Suebi oder Thuringi verwandt.
Die Ersten, die zumindest über große Teile des heutigen deutschen Sprachraums herrschten, waren die Franken, die in der zweiten Hälfte des ersten Jahrtausends allmählich die genannten Stammesverbände unterwarfen. Sie schufen die Grundlage für ein vereinigtes westeuropäisches Großreich, aus dessen östlichem Teil im Hochmittelalter das Heilige Römische Reich Deutscher Nation hervorging. Aber die Franken kann man nicht nehmen. Sie waren einerseits keine direkten Nachfahren der „Steinzeit-Deutschen“, und haben andererseits sogar noch deren Nachkommen unterworfen und christianisiert. Es geht schon allein deshalb nicht, weil die Franken zu allem Übel ebenso mit dem Erzfeind Frankreich verbunden sind, dem Land gar seinen Namen gegeben haben, und sich Napoleon bei seinem Griff nach den deutschsprachigen Gebieten rechts des Rheins zum Erben des Frankenkaisers Karl des Großen erklärt hat. Deshalb sind die Franken seit langem als engste deutsche Ahnen aus dem Rennen.
Als Rettungsanker erweist sich, dass römische Quellen schon früh den genannten barbarischen Gruppen nördlich des Römischen Reiches, die später von Karl dem Großen unterworfen wurden, einen Sammelbegriff verpasst haben. Und so fällt schon vor dem 19. Jahrhundert die Ahnenwahl auf „die Germanen“. Diese Bezeichnung ist zwar eine künstliche Konstruktion. Wer und was die Germanen waren, lag seit jeher im Auge des Betrachters. Diese Schwäche des Begriffs ist aber durchaus auch eine Stärke, wenn es darum geht, diese „Ahnen“ für die Konstruktion einer deutschen Nation zu nutzen. Vor allem lässt dieser Begriff auch zu, dass man ihn je nach Gutdünken geografisch ausweitet. Das wird später noch von Bedeutung sein.

Die „Germanen”

Dieser Begriff wird von römischen Historikern nach der Zeitenwende eingeführt. Cäsar, Tacitus und andere fassen damit die barbarischen Stammesverbände und Stämme im Gebiet östlich des Rheins und nördlich des Limes, der befestigten römischen Nordgrenze, zusammen. Die Bezeichnung „Germanen“ ist also vermutlich eine künstliche Konstruktion. Vielleicht hat eine kleinere, regionale Gruppe sich so genannt, und die Römer haben es aufgeschnappt. Aber dass sich die Menschen in dem großen Gebiet selbst als Germanen bezeichneten und auffassten, ist kaum realistisch. Sie gehörten unterschiedlichen Völkern an.
Obwohl sich die Wissenschaft im 19. und 20. Jahrhundert durchaus stark bemüht hat, haben Forscher der verschiedenen Disziplinen dann auch keine zusammenhängende Antwort darauf finden können, was das Phänomen „Germanen“ ausmacht. Je nach Betrachtungsweise gehören dazu ganz unterschiedliche Gruppen.
Wer und was die Germanen waren, liegt mit anderen Worten seit jeher im Auge des Betrachters, und man kann in sie hineininterpretieren, was man möchte. Dies gilt bis heute: „Der Name dient als Container für charakteristische Eigenschaften und Gegenstände. Auch wenn man versucht, diesem etwas als falsch Erkanntes zu entnehmen oder etwas Neues/Anderes hinzuzufügen, wird dieser Containerbegriff und damit die konstruierte kollektive Identität als solche(r) kaum hinterfragt”, stellen die Historikerin Susanne Grunwald und die Archäologin Kerstin P. Hoffmann ganz treffend fest.

Das Hermannsdenkmal bei Detmold, Foto: Adobe Stock/ Markus Wiebe

Germanen-Wissenschaft

Als sich die Wissenschaft im 19. Jahrhundert stärker herausbildet, machen die Gelehrten verschiedener Disziplinen sich auf die Suche nach den Spuren und Resten dieser Germanen, die für sie die direkten Vorfahren der Deutschen sind. Sprachwissenschaftler untersuchen die deutsche Sprache, um dort einen gemeinsamen Stamm zu finden. Als Quellen dienen sowohl mittelalterliche Texte, die sprachliche Entwicklungen und Gemeinsamkeiten erkennen lassen, als auch volkstümliche Überlieferungen. In diesem Zusammenhang entsteht unter anderem die Sammlung von Erzählungen der Gebrüder Grimm.
Die erhöhte Aufmerksamkeit für die Vorgeschichte befördert auch die Entwicklung einer gänzlich neuen wissenschaftlichen Disziplin. Die prähistorische Archäologie entsteht, als Monumente der Vorzeit erkundet werden und nach Relikten der Vorgeschichte gegraben wird. Zunächst ist dies vor allem eine Aufgabe für Amateur-Heimatforscher. Bald suchen sie gezielt nach Spuren der „Germanen“ – eine recht unwissenschaftliche Vorfestlegung, die die deutsche Archäologie bis in die zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts prägen wird. Wie es der kanadische Historiker J. Laurence Hare im Titel seines Buches zur Archäologie und den Museen im deutsch-dänischen Grenzland im 19. bis 20. Jahrhundert ganz treffend beschreibt: „Excavating Nations“ – sie graben nach Nationen, die es in der Vorzeit gar nicht gab.
Im Laufe der folgenden Jahrzehnte werden verschiedene Disziplinen ganz unterschiedliche Antworten darauf geben, was die „Germanen“ ausmacht: z. B. Sprache, gemeinsame Mythologie, Bestattungsformen, Siedlungsgebiet, Siedlungsformen oder eine bestimmte Art von Tonwaren. Je nach den gewählten Kriterien werden verschiedene Menschengruppen zu den Germanen gezählt. Alle Bemühungen sind aber vom ideologischen Ziel getragen, die Einheit der Deutschen aus der Vorgeschichte zu begründen.

Ahnen und Nationalismus in Dänemark

Bei der Befassung mit der Vorgeschichte geht es aber – wie bereits erwähnt – nicht nur um intellektuelle Gedankenspiele oder romantische Identitätssuche. Dahinter stecken auch reguläre Machtinteressen. „Die Vorgeschichte vermittelt das Gefühl eines Erstgeborenenrechts – umso älter, umso besser. Menschen und Staaten haben deshalb immer ein Interesse an der Erforschung der ältesten Geschichte gehabt,” meint die dänische Historikerin Anne Katrine Gjerløff.

Und in der Tat haben solche Fragen in Dänemark, das seit Jahrhunderten ein vereintes Reich ist, eine lange Tradition. Schon seit dem Hochmittelalter legitimieren sich dänische Könige im Rückgriff auf vorgeschichtliche Herrscher. Sie führen allesamt ihre Abstammung auf den wikingerzeitlichen König Gorm den Alten zurück, der im 10. Jahrhundert von Jelling aus regiert haben soll – einen Tagesritt nördlich des Danewerks in Jütland gelegen.
Dänemark ist seitdem zwar kleiner geworden, aber der geographische Kern des Königreichs hat schon seit einem Jahrtausend Bestand. Entsprechend hat sich hier schon im Mittelalter durch Überlieferungen und (propagandistische) Geschichtsschreibung eine Vorform des nationalen Bewusstseins entwickelt. Es gibt eine Identität, die nicht zuletzt in der Abgrenzung zum deutschen Nachbarn besteht – und in der das Danewerk eine wichtige Rolle spielt. Der Legende nach soll es ausgerechnet von Thyra, der Königin jenes Gorm des Alten, erbaut worden sein. Die unbeschreiblich schöne, kluge und listige Herrschergattin wollte damit den deutschen Kaiser Otto fernhalten, der ihr nach der Wäsche trachtete, so wird erzählt.
Auch in Dänemark führt das gesteigerte Interesse für die Vorfahren zu einem „Kickstart” für die Archäologie. Die treibende Kraft ist zum Teil der Monarch höchstselbst. Schon seit der Mitte des 18. Jahrhunderts ist es ein beliebter Zeitvertreib für König und Adel, vorgeschichtliche Grabhügel auszugraben. Ein steinzeitliches Großsteingrab beim Schloss Jægerspris im Norden Sjællands wird in den 1770er Jahren gar von einem Prinzen in ein Monument für die Königin Juliane Marie umgewandelt. Neben einem Umbau der Grabkammer im Inneren wird es u. a. mit einem norwegischen Runenstein aus der Eisenzeit und Stelen über dänische Sagenkönige geziert. Direkter kann ein Königsgeschlecht kaum seinen Anspruch auf die Macht aus der Geschichte ableiten.
Unter den am Julianehøj dargestellten Königen ist interessanterweise auch der Sachsenanführer Widukind, der in früheren Zeiten als Stammvater des in Dänemark regierenden Herrschergeschlechts der Oldenburger galt. Der Sachsenfürst, dessen Stammesverbund in einem großen Gebiet im heutigen Norddeutschland südlich der Elbe beheimatet war, erlebt aber auch in Deutschland eine Renaissance – als germanischer Held, der den Franken trotzte.
Im 19. Jahrhundert finden dann auf Anweisung dänischer Könige Ausgrabungen durch Gelehrte unter anderem in den monumentalen Grabhügeln von Jelling statt, wo Gorm und Thyra begraben sein sollen. Auch das Danewerk wird Gegenstand erster Untersuchungen. Die Bodenfunde tragen wiederum dazu bei, die Macht der Herrschenden zu legitimieren.

Die goldenen Hörner von Gallehus

Die goldenen Hörner von Gallehus wurden 1639 und 1734 in der Gegend von Tønder/ Tondern gefunden. Das größere war länger als 75 Zentimeter lang und wog über 3 Kilogramm. Der Überlieferung nach wurde es von dem Bauernmädchen Kirsten Svendsdatter gefunden. Die Geschichte von dem jungen, unschuldigen dänischen Mädchen vom Lande, das so die Verbindung zu den Ahnen herstellt – und damit ausgerechnet im umstrittenen Herzogtum Schleswig die Vergangenheit und Zukunft der Nation verbindet – passt perfekt in den romantischen Nationalismus des 19. Jahrhunderts.

Niels Simonsen (1859): „Kirsten Svendsdatter finder Guldhornet“, Statens Museum for Kunst.

Die größte Triebfeder ist in Dänemark aber ebenfalls die allgemeine Rückbesinnung auf die historischen Wurzeln, die mit der romantischen Welle in Europa und dem anschwellenden Nationalismus im 19. Jahrhundert einhergeht. Man sucht nach einem dänischen „Nationalgeist”, der seit jeher existieren soll und sich angeblich in den Relikten der Vorfahren wiederfinden lässt. Inspiriert von deutschen Kollegen schreibt der prominenteste Dichter des Landes, Adam Oehlenschläger, Werke, die Vorgeschichte und Gegenwart der Dänen verknüpfen. Darunter sind „Guldhornene”, das heute klassische Gedicht über den Fund der berühmten goldenen Hörner von Gallehus, und ein Schauspiel über Königin Thyra Danebod, die das Danewerk bauen lässt. Viele andere Künstler sind vom Zeitgeist erfasst, der dazu anregt, die eigenen kulturellen Wurzeln in der grauen Vorzeit zu suchen.

Lars Erik Bethge

Dieser Text ist ein Auszug aus den beiden Büchern „Das Danewerk im 19. und 20. Jahrhundert – Nationalismus, Nationalsozialismus, deutsch-dänische Verständigung und der Mythos von Søren Telling“ und „Danevirke – Nationalisme, nazisme og dansk-tysk forsoning”, die im Verlag des Danevirke Museum erschienen sind. Dort wird die Geschichte bis in die Gegenwart weitererzählt. Dort finden sich auch umfassende Quellenangaben, Noten mit weiteren Informationen sowie reichhaltiges Bildmaterial.

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