Dienstag, 5. März 2024

Letzter Abend

Letzter Abend

Ein Gespräch mit Regisseur Lukas Nathrath und Schauspielerin Susanne Dorothea Schneider

Der Abend versprach eine rührende Abschiedsparty zu werden: Clemens, ein freiberuflicher Musiker, und Lisa, die an der Charité in Berlin als Medizinstudentin einen Platz bekommt, hatten in ihrer fast leergeräumten Wohnung in Hannover ein Abschiedsessen geplant. Nach zahlreichen Lockdowns inmitten der Coronavirus-Pandemie hofften sie, dass der Umzug nach Berlin ein Neuanfang sein würde.

Es soll ein herzlicher Abschied in vertrauter Umgebung sein, doch gute alte Freunde sagen kurzfristig ab oder erscheinen viel zu spät. Stattdessen tauchen immer mehr uneingeladene Gäste auf. Der bereits wackelige Haussegen gerät noch mehr in Schieflage, unterschwellige Beziehungskonflikte geraten an die Oberfläche und schließlich tragen Lisa und Clemens sie offen aus…

©Filmwelt Verleih

Gedreht wurde der Film innerhalb einer Woche während des Sommers 2020 zur Zeit des Pandemiebedingten Lockdowns in einer leerstehenden Wohnung in Hannover. Diese Bedingungen sind im Film durch das Tragen von Masken und Requisiten wie das Desinfektionsmittel, das Lisa ständig benutzt, zu erkennen. Die Produktionskosten beliefen sich auf 4.000 Euro. Für die Postproduktion erhielt der Film von Nordmedia eine Nachwuchsförderung in Höhe von 15.000 Euro für die Postproduktion. Es ist der erste Langfilm des Regisseurs und Drehbuchautors Lukas Nathrath. Im Jahr 2022 gewinnt „Letzter Abend“ den First-Look-Sektion Hauptpreis beim Locarno Film Festival, 2023 erhält der Film die Auszeichnung für die Beste Regie beim Filmfestival Max Ophüls Preis.

Am 20.August 2023 starteten Team und Schauspieler:innen ihre deutschlandweite Kinotour in Freiburg und beendeten sie am 3. September im STUDIO Filmtheater Kiel. Dort hatte ich die Möglichkeit Lukas Nathrath und die in Kiel geborene Schauspielerin Susanne Dorothea Schneider persönlich zu treffen, um ihnen einzeln einige Fragen zu stellen.


Lukas Nathrath

Lukas Nathrath ©Nils Schwarz

Das heute hier in Kiel war eure letzte Kino-Tour-Etappe. Bist du gut angekommen?

Ich bin sehr gut angekommen. Und bin jetzt sehr, sehr glücklich über dieses tolle Publikum hier. Das war wirklich ein toller Abschluss!

Was ist denn dein Fazit zu eurer Kino-Tour?

Dass Leute Lust auf Kino haben und das Leute wirklich gerne ins Kino gehen wollen. Wenn man sie erreicht – und zum Beispiel, wie in unserem Fall, sie wirklich persönlich auf der Straße anspricht. Viele Leute sind nur deshalb gekommen. Da wurden innerhalb von einer Stunde aus drei Karten auf einmal 30. Und dass das geht, zeigt mir, dass man in einem viel professionelleren, größeren Rahmen noch viel mehr Leute in deutsche Arthouse-Filme kriegen könnte. Dann können auch nicht mehr alle sagen, das deutsche Kino sei tot und kein Mensch schaue sich Filme ohne Stars an. Das ist Quatsch, das war den Leuten total egal. Die sind interessiert an frischen Gesichtern, verfolgen gebannt neuen und persönlichen Geschichten und haben Freude daran, sich selbst wiederzuerkennen. Ich glaube, das zu erleben war für mich das Schönste an der Kino-Tour.

Erkennst du dich denn auch in irgendeiner Person aus dem Film wieder?

Ja, tatsächlich in allen. Am meisten natürlich in Clemens, dem Protagonisten. Es ist nicht autobiographisch, aber es ist sehr persönlich und Clemens ist auf eine gewisse Weise wie ein Alter Ego von Sebastian und mir. Er ist eine Mischung aus ihm, mir, Phantasie, Leuten, die wir kennen und Inspirations-Figuren aus Filmen und aus Literatur.

Marcel (Nikolai Gemal) und Clemens (Sebastian Jacob Doppelbauer) ©Filmwelt Verleih

Kam erst die Idee für den Film und dann die Inspiration oder genau andersrum?

Ich glaube erst die Idee und dann sehr schnell filmische Inspirationen und dann wieder eine neue Idee. Also ich würde sagen, die Grundidee war da, und dann war ganz schnell so, dass ich Sebastian angerufen habe und gesagt habe: Schau dir doch mal die und die Szene von dem und dem Film an. Dadurch hatten wir dann wieder Inspirationen für Figuren. Zum Beispiel habe ich Susanne gesagt, sie soll sich mal Michelle Pfeiffer in dem Film Mother! von Darren Aronofsky anschauen, weil ich da die Haltung der Figur spannend für die Rolle der Nachbarin fand.

Ihr seid jetzt schon ziemlich erfolgreich mit dem Film. Hättest du mit diesem Erfolg gerechnet oder wurden deine Erwartungen komplett übertroffen?

Es hat komplett meine Erwartungen übertroffen die ich während der Dreh- und Vorbereitungszeit hatte. Während des Drehs, habe ich aber schon gemerkt, dass eine gemeinschaftliche Energie entstand, die ich vorher nie in irgendeinem anderen kreativen Projekt erlebt hatte. Das Schneiden des Film war eine intensive und sehr lange Zeit, weil wir zwischendrin immer wieder pausieren musssten, um das dafür nötige Geld zu verdienen. Beim Schneiden habe ich dann aber auch gemerkt, dass es Editorin Silke Olthoff gefällt. Sie war die erste Zuschauerin, sie ist im Besten Sinne sehr kritisch und genau, und sie mochte es. Als wir dann anderen Leuten den Rohschnitt gezeigt haben, kam das sehr gut an und dann habe ich mir gedacht, da könnte mehr daraus werden. Freunde von mir, die nichts mit der Filmbranche zu tun haben, haben mich dann gefragt: „So Luki, wann kommt der Film denn jetzt ins Kino? Das ist doch viel besser als alles, was wir sonst so in den letzten Jahren aus Deutschland im Kino gesehen haben.“

Also ich habe dann wirklich an den Film geglaubt, sonst hätte ich auch nicht wie ein Besessener so ewig dran gearbeitet, sondern wahrscheinlich irgendwann aufgegeben … 

Du hast ja sogar einen Preis für die Beste Regie bekommen.

Den Max-Ophüls-Preis, genau. In Locarno haben wir letztes Jahr auch schon den Hauptpreis der First-Look-Sektion gewonnen und das war eine krasse erste Bestätigung und Ermutigung.

Du warst an der Filmhochschule und hast auch selbst geschauspielert. Ist das richtig?

Ja genau. Ich habe an der Hamburg Media School Filmregie studiert und hatte aber schon seitdem ich Teenager bin auch immer wieder als Schauspieler gearbeitet. Zu der Zeit habe ich auch Susanne kennengelernt, weil sie meine Schauspiellehrerin für eine Serie war, in der ich mitgespielt habe.

Ich wollte immer Filmemacher werden, bin aber sehr geprägt durch die Erfahrungen, die ich als Schauspieler machen konnte und wiederum als Regisseur nutzen kann.

Wie läuft das ab, wenn man zu zweit an einem Drehbuch schreibt?

Bei Sebastian und mir sind es sehr viele manische Sprachnachrichten, die wir uns hin und her schicken, weil jeder eine neue Idee hat. Dann hatten wir irgendwann genug Ideen und haben uns eine Woche bei seinen Eltern in Österreich eingesperrt, um das Drehbuch zu schreiben. Parallel hat er dann tatsächlich auch die Songs für den Film geschrieben. Ich habe in der Zeit, wenn er komponiert hat, weiter die Produktion organisiert. Und das gemeinsame Schreiben war echt toll, ich saß am Tisch und habe getippt, während Sebastian um den Tisch rumgerannt ist und wir uns in den Figuren gegenseitig angeschrien haben. Die Geschichte entstand also aus den Figuren heraus, in denen wir zu zweit miteinander geredet haben.

Wie lange hat es vom Drehbuch bis zur Drehplanung gedauert? Oder lief es eher parallel?

Das lief tatsächlich parallel. Es waren immer wieder die Bedingungen, die uns auch eingeschränkt haben, was aber auch gut war, denn man hatte dann nicht 1000 Möglichkeiten, wie und wann man es machen könnte. Die Idee kam uns im April und im August haben wir dann gedreht. Das war dann schon ein schneller Prozess.

Behind the scenes von „Letzter Abend“

Wie geht das, einen Film in einer Woche zu drehen?

Wirklich nur durch das Engagement, das Herzblut, diese Energie und Leidenschaft, die wir alle da reingesteckt haben. Auch dadurch, dass wir alle unentgeltlich gearbeitet haben. Alle haben an einem Strang gezogen, da war keiner aus dem kreativen Team mit irgendeinem Ego oder eigener Agenda. Es ging uns allen um die Sache an sich.

Euer Dreh ist jetzt drei Jahre her. In der Retroperspektive: Was würdest du anders machen?

Ton. Unbedingt den Ton. Ich würde den Leuten wirklich Ansteckmikros oder Kugelmikros geben. Wir hatten nur ein Boom-Mikrofon und das war dann in der Postproduktion wirklich der Horror. Das war wirklich das Schlimmste. Es war teilweise so schwierig, die Sätze klar zu kriegen. Überhaupt sind es eher technische Sachen, die ich anders machen würde. Das zu kompensieren war dann monatelange Arbeit hinterher, die man sich hätte sparen können. Außerdem war es noch viel Geld, das draufgegangen ist für den Ton in der Postproduktion. Hätte man bei den Dreharbeiten 500 oder 1000€ mehr aus eigener Tasche investiert, hätte man vielleicht nicht 5000€ abschließend auftreiben müssen, um die Mischung besser hinzukriegen.

Hast du ein paar Funfacts zum Film bzw. zum Dreh, die du erzählen kannst?

Ich hätte selber einen Nachbarn spielen sollen. Einen BWL-Studenten, der sich beschwert, weil es zu laut ist. Wir hatten dann aber leider nicht mehr so viel Zeit und Sebastian hat dann gesagt: Deine Rolle ist gestrichen (lacht)

Im Abspann sind zwei Leute, die deinen Nachnamen haben. Sind das deine Schwestern?

Ja genau! Die haben alles gemacht, was gerade so am Set anfiel. Die haben Nachbarn mit Blumensträußen bestochen und gesagt: “Sorry, dass es so laut ist“. Sie haben Susanne geschminkt, sie haben Garderobe gemacht sowie Requisiten hingestellt und abgeräumt. Also die waren wirklich fantastisch. Ohne die hätten wir die Dreharbeiten nicht so gut meistern können.

Beschreibe den Film in 3-4 Worten.

Auf Englisch wurde ich genau das Gleiche gefragt und da habe ich gesagt: dinner, dance and desperation. Das fand ich eigentlich ganz gut.

Auf Deutsch würde ich sagen: Sehnsucht, Verzweiflung, Eskalation.

Gib den Leuten einen Grund, warum sie sich den Film angucken sollten.

Weil sie sich selbst und andere in der Geschichte wiedererkennen können und dabei in einer Mischung aus Komödie und Tragödie (hoffentlich) berührt und bestens unterhalten werden.


SUSANNE DOROTHEA SCHNEIDER

Susanne Dorothea Schneider ©Zaucke

Du bist in Schleswig-Holstein aufgewachsen, bist du waschechte Kielerin?

Nicht ganz, ich bin tatsächlich in Holtenau aufgewachsen. Direkt am Wasser und immer mit Zugang zum Wald. Ich bin mit meinem Vater auch immer in den Wald gegangen. Meine Mutter war Sängerin und kam ursprünglich aus Hamburg und sie wäre eigentlich gerne wieder dahin zurück gegangen, aber ich wollte als Kind so gerne hierbleiben. Später dachte ich dann wieder: Ich muss hier weg. Ich muss was Neues, was Anderes sehen.

Und dann ging es direkt ins weit entfernte Wien

Ja das war total krass. Ich war mit meiner Freundin nach dem Abi in Griechenland. Sie wollte Kunst studieren, ich hatte viel Kontakt zum Schauspielhaus und hatte mein Praktikum beim Theater Die Komödianten gemacht. Und in Griechenland habe ich dann gedacht, ich möchte Schauspiel machen. Aber die einzige Prüfung, die noch möglich war in diesem Jahr, war die am Max-Reinhardt-Seminar in Wien. Dann sind wir aus dem Urlaub zurück, ich bin nach Wien zum Vorsprechen gegangen, das ging dann eine Woche. Dann kam die Zusage und ich musste dann sofort ausziehen.

Wie war denn der Schritt von Kiel nach Wien?

Mir hat mal jemand gesagt: Wenn man in Wien bleibt, dann muss man vier Jahre überstehen. Im ersten Jahr ist es ist total schräg, du weißt nicht, wo du bist. Du findest es irgendwie alles total schrecklich. Im zweiten Jahr findest du es noch sehr kurios, aber gewöhnst dich dran, im dritten Jahr findest du es dann richtig toll und das vierte Jahr ist dann das Entscheidungsjahr.

Und natürlich wollte ich meine Fühler in andere Städte ausstrecken. Ich hatte ein Stipendium für das Conservatoire National Supérieur in Paris bekommen. Danach dachte ich, ich geh wieder nach Wien, aber habe mir dann überlegt, dass ich doch lieber woanders hinmöchte. Ich habe dann in München gelebt und gearbeitet, außerdem habe ich noch sieben Jahre lang in Kanada gelebt und gearbeitet. Das war ganz toll, weil ich da Comedy, die Freiheit des Lachens, für mich entdeckt habe.

2014 bist du zurück nach Kiel gekommen. Wie war das für dich?

Ich habe mich hier erst sehr verloren gefühlt. Dann kam aber so eine Phase tiefer Kreativität, und ich habe gesagt: So, jetzt gründen wir ein eigenes Ensemble. Ich habe in dieser Zeit auch sehr viel unterrichtet und habe gemerkt, dass es mir richtig Spaß macht mit Studenten zu arbeiten. Ich habe teilweise darunter gelitten, dass ich Lehrer oder Lehrerinnen hatte, bei denen ich das Gefühl hatte, die sehen mich gar nicht, oder die packen mir irgendwas drauf, das ich nicht bin. Ich finde es wichtig, dass das Potenzial freigelegt wird. Damit habe ich dann auch ganz viel experimentiert. Ich habe dann in den Schutzräumen von Schauspielschulen viel entwickelt und drei Stücke inszeniert, unter Anderem Bernada Albas Haus von Lorca.

Und dann wollte ich nochmal mehr in Richtung Regie gehen. Dann kam der poetisch-literarische Theaterabend “Durchwachte Nacht”, den ich zusammen mit der Schauspielerin Viola Schnittger und den Musikern und Komponisten Jens Schliecker und Jens Fischer unter anderem in der Niederdeutschen Bühne und im Kulturforum aufgeführt haben. Das ist auch aus dem Wunsch heraus entstanden ein eigenes Ensemble zu gründen. Doch dann kam Corona und ist das ganz schnell wieder verflogen. Dann war es wieder ein neuer Beginn.

Was machst du jetzt?

Die Szene in Kiel ist recht klein und da versucht jeder seinen Platz zu finden. In mir steckt, glaube ich, nicht nur die Schauspielerin. In mir steckt die Tänzerin in mir, steckt die Sängerin, in mir steckt die Pädagogin, die Regisseurin und ich glaube, da bin ich gerade dabei, meinen Platz tatsächlich zu finden.

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Lukas Nathrath? Woher kennt ihr euch?

Ich war damals in München in einem Ensemble und habe gleichzeitig bei Disney gecoacht. Da gab es ein Format, das hieß Disneys kurze Pause, wo Lukas so einen kleinen Jungen gespielt hat. Ich hab Lukas gesehen und gedacht: Der Lukas, der ist irgendwie besonders, der bringt etwas mit. So ein wirklichen Wunsch an der Materie. Wir haben uns dann unterhalten und ich habe ihm ein Buch gegeben über Michael Shurtleff, der so Coaching und Auditioning macht. Ich war so beeindruckt von einem so jungen Menschen, und seiner Begeisterung. Ich habe ihn gecoacht, wir haben eigene Projekte zusammen gemacht und wir haben seinen Bewerbungsfilm für die Media School zusammen gedreht. Ich kenne ihn jetzt schon seit mehr als 15 Jahren und das zwischen Lukas und mir ist sowas wie eine künstlerische Seelenverwandtschaft.

Was schätzt du an Lukas?

Also ich schätze seine Menschlichkeit, ich schätze seine ungemeine Liebe an Charakteren und Menschen, seinen Humor und seine Klugheit. Er ist immer so im Moment und so bei der Sache und dabei trotzdem so entspannt und lustig. Nicht so fanatisch, wie es bei vielen Anderen ist. Eigentlich ist er ein Nerd, aber dabei trotzdem so lustig und weltoffen. Vor allem ist er dabei immer auf Augenhöhe. Das habe ich tatsächlich in diesem Feld sehr selten erlebt. Lukas schafft einen immensen Raum für uns Schauspieler. Er lacht irrsinnig viel mit. Er musste bei diesem Dreh zum Beispiel immer rausgehen, weil das mit dem Ton sonst nicht ging. Er liebt die Schauspieler:Innen und er liebt seine Figuren und das merkt man irgendwie. Wenn du weißt, da ist ein toller Regisseur, der weiß ganz genau, was er an dir hat, dann kannst du dich so entspannen und so zurücklehnen und musst um nichts mehr kämpfen, weil du den Raum hast.

Wieviel Improvisationsfreiraum hattet ihr? Wie festgelegt waren die Figuren? Wieviel Freiraum hattest du, um dir den Facettenreichtum deiner Figur zu überlgen?

Die Figuren waren schon relativ klar definiert – Daa ist der Pizzalieferant, da ist die Freundin, die sich nie entscheiden kann, die Nachbarin, die das Mehl bringt und dann nicht gehen will und viele mehr. Es gab also schon ein klares Figurenkonzept, aber innerhalb dieses Rahmens konnten wir uns einbringen, wie wir lustig waren.

Wie wurdet ihr denn gecastet? Wie seid ihr alle zusammengekommen?

Sebastian Jakob Doppelbauer (Drehbuchautor, Hauptdarsteller und Komponist des Films) hat damals Lukas über die Film Media School in Hamburg kennengelernt, weil die zusammen einen Film gedreht hatten.

Dann gibt es über Sebastian wieder Freunde, die er aus seiner Zeit im Thalia Theater Hamburg oder vom Schauspiel Hannover kannte. Die Einzigen, die wirklich neu waren, beziehungsweise sich nicht innerhalb der Gruppe kannten, waren Isabelle von Stauffenberg und ich. Wir kannten beide nur Lukas und sind so mit dazugekommen.

Ihr habt den Film innerhalb von einer Woche gedreht, hattet ihr vorher Proben?

Also wir hatten quasi einen Probentag. Ich habe mich einmal mit Lukas und Sebastian in Hannover getroffen, nur um mal kurz die Rolle zu besprechen. Dann haben wir immer sehr viel telefoniert und durften viele Ideen mit einbringen. Dann gab es tatsächlich einen Tag wo wir uns alle getroffen hatten, und noch ein Meeting bei Zoom und das war es dann eigentlich.

Corona ist ja auch Teil des Films, war das gewollt oder hat sich das Ergeben, weil ihr 2020 den Film gedreht habt?

Nee, wir haben tatsächlich alles nicht zum Thema gemacht, wir haben weder das Klima noch Gendern als Thema gehabt, sondern wir wollten von Menschen erzählen. Also: Nein, Corona war kein Thema, aber es spielt natürlich mit rein, vielleicht auch nochmal für die Figuren. Diese Enge, dieses nicht raus können und das Thema „Masken fallen lassen“, das ist uns aber erst hinterher alles so bewusst geworden.

Wie würdest du den Film in 3 bis 4 Wörtern beschreiben?

Frei, wild und sehr lustig

Wie ist dein Fazit zur Kinotour?

Also ich muss sagen, es war überwältigend. Vor allen Dingen von den Reaktionen des Publikums! Wir sind ja noch nicht so bekannt auf der Leinwand und dann sind da die Leute im Publikum und verstehen trotzdem was wir erzählen wollen. Ich glaube das ist das schönste Ergebnis, weil das auch so die Herzen erreicht hat und wir danach so fantastische Gespräche hatten. Wir sind überwältigt von der Resonanz.

Ist das nicht auch sehr stressig, von Ort zu Ort zu reisen?

Ja (lacht), es sind vor allem lustige Sachen passiert, die schon wieder Input für den nächsten Film sein könnten. Wir waren zum Beispiel in München und haben unser Taxi verpasst. Dann wollten wir trampen, weil wir gedacht haben, so kommen wir am schnellsten zum 5-Seen-Festival. Allerdings hat keiner gehalten, wir haben dann wedelnderweise mit der Tasche vom Filmfest und völlig schweißgebadet auf jemanden gewartet, der uns mitnimmt. Es hat uns dann auch eine mitgenommen, die total entzückend war und ja, die haben wir dann auch gleich eingeladen und dadurch hat sich dann auch wieder was ganz Tolles ergeben.

Wie fühlt sich der Erfolg an, den ihr mit dem Film bis jetzt schon habt? Hast du damit gerechnet?

Gar nicht. Also wir waren so glücklich, das generell gemacht zu haben. Das hört sich jetzt doof an, aber wenn es dabei geblieben wäre, dann hätten wir einfach eine fantastische Zeit zusammen gehabt. Das war wie ein Geschenk.

Und dann hat der Lukas das ja wirklich kurz vor 12 noch nach Locarno eingeschickt. Und dann wurden wir noch zum Filmfest Rotterdam eingeladen, weil die Leiterin den Film gesehen hatte. Es gab einen Moment, da standen die Leute auf und ganz vorne saß eine ältere Dame, die hatte Tränen in den Augen, stand mit großer Mühe von ihrem Rollator auf und applaudierte. Da dachte ich: Es geht gar nicht um persönlichen Erfolg, sondern es geht um das Gesamte und um unsere Geschichte, die wir mit anderen teilen dürfen. Durch diesen Film haben wir kapiert, dass es viel schöner ist, wenn es was Gemeinschaftliches ist.

Was würdest du denn sagen ist bzw. war euer Schlüssel zum Erfolg?

Den Erfolg macht, glaube ich, aus, dass alle mit totaler Leidenschaft, ohne Egotrip, für die Sache, mit Begeisterung dabei waren und sich voll reingeschmissen haben.

Was ist dein persönlicher Tipp an angehende Schauspieler:Innen?

So viel wie möglich die eigenen Talente, die schon angelegt sind irgendwie weiter zu fördern. Man sollte sich auch immer fragen: Wo bin ich da eigentlich in diesem Ganzen? Man kann, so schnell verloren gehen in diesem Ganzen, in diesem Hype oder in diesem “ich muss gesehen werden” oder “ich muss jetzt besser sein” . Darum geht es aber nicht! Es geht darum, Geschichten zu erzählen.

Vielleicht ist jetzt eine Zeit, in der wir wirklich Altes aufbrechen, und jetzt ganz neue Strukturen entstehen. Das wünsche ich mir. Versammelt euch, macht euer eigenes Ding. Klar, Kommerz ist auch wichtig, um Geld zu verdienen, aber findet eure Menschen, die eine gemeinsame künstlerische Sprache sprechen, kennt euren Wert und bleibt euch selber treu!

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