Das Amerika der 1950er Jahre oder: Eine Reise in die Zukunft

Die Eutiner Landesbibliothek ist bekannt für ihre außergewöhnliche Sammlung historischer Reiseliteratur. Nicht immer bedeutet „historisch“ dabei „mehrere Jahrhunderte alt“. Ein Beispiel dafür, was historische Reiseliteratur auch sein kann, nämlich die Beschreibung einer fernen Gegenwart, die in den Augen des Betrachters einer Reise in die Zukunft gleichkommt, ist der Blick auf die US-amerikanische Kultur, wie er deutschen LeserInnen in den 1950er Jahren von staunenden Amerika-Reisenden vermittelt wurde.

„Man kommt in eine große Halle, ergreift ein Drahtwägelchen, rollt damit durch viele Meter lange Stände, bepackt mit allen erdenklichen Waren, die die Hausfrau braucht. Alles ist nach Gruppen sortiert, zum Greifen fertig verpackt, mit dem Preis versehen. So rollt die Hausfrau unbeeinflußt durch den Raum, sucht sich heraus was sie braucht, sammelt das in ihrer kleinen Karre, geht auch vorbei an dem Stand für frisches Fleisch, bekommt dort zugehackt, was sie braucht, passiert dann 5 bis 50 m Tiefkühltruhen, wo sie sich kochfertig, in Cellophan verpackt, ihr Geflügel oder Gemüse frisch oder gefroren herausnehmen kann, geht an meterlangen Käseständen vorbei, kann sich Putzmittel oder Stiefelwichse, frisches Obst oder was es überhaupt nur gibt einfach nehmen.

Zum Schluß geht sie durch eine Art Bahnsteigsperre, legt ihre ganzen Einkäufe auf ein langes bewegliches Brett, rollt damit an dem Mädchen an einer Registrierkasse vorbei, das einfach jeden Artikel in die Kasse tippt, das Geld empfängt. Daneben steht ein Angestellter, der alles in große Tüten verstaut, der nächste Angestellte trägt der Dame den Kauf zu ihrem Auto. Dazu haben diese Super Markets eigene große Parkplätze. Denn sonst würde die Kundschaft nicht kommen.“

Anke Scharrenberg über den staunenden Blick deutscher Amerika-Reisender in den 1950er Jahren

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Anke Scharrenberg