Letztendlich im Weichbild des Unwägbaren

Zum Tode von Ulrich Behl

Das bildnerische Schaffen Ulrich Behls auf eine Formel zu bringen, um es im Anschluss womöglich als konstruktiv oder konkret abzulegen oder um es zumindest stilistisch im Handhabbaren zu halten, würde dem Wesen seiner Kunst wohl kaum gerecht. Und das, obwohl er im Besonderen dem Konstruktiven nachging und er sich gerade auf dem Feld der konkreten Kunst durch Innovation hervorgetan hat. Für Behl war dennoch von Anfang an in seinem künstlerischen Schaffen nichts wirklich vorgegeben, wohingegen er sich „die Dinge“ nach hellwachen Erlebnissen erarbeitete und er sie wie von einem imaginären Nullpunkt aus abermals mit Leben füllte, so als geschehe dies überhaupt zum ersten Mal. Das aber ist schlichtweg die unabdingbare Voraussetzung von Kunst. Eine Binsenweisheit zwar und gleichwohl allzu oft im Anspruch, Bedeutendes hervorzubringen, vergessen. Behl hingegen genügte diesem vor allem auch deswegen, weil er sich von Beginn seines Schaffens im Dienst der Kunst zurückzunehmen wusste und weil er vor diesem Hintergrund seine künstlerische Arbeit nach unterschiedlichen Seiten hin aufzufächern vermochte, zugleich, vor allem in den letzten Jahren, immer einfacher und konzentrierter wurde und dennoch niemals den sprichwörtlichen Faden verlor.

Ulrich Behl starb nun am 1. September des Jahres im Alter von 82 Jahren in Kiel. 1939 in Arnswalde in Pommern als Sohn eines Lehrers geboren. Nach der Flucht 1945 aufgewachsen in Niedersachsen, studierte er an der Pädagogischen Hochschule Alfeld an der Leine sowie an der Werkkunstschule in Hannover und arbeitete zunächst im Schuldienst. Danach lebte er ein halbes Jahrhundert lang in Kiel, wo er Kunstgeschichte studierte, darüber hinaus als Dozent an der Pädagogischen Hochschule unterrichtete und die Kunstabteilung in der Volkshochschule leitete. Zuvorderst aber entfaltete er ein umfangreiches künstlerisches Werk.

Nunmehr gilt es noch einmal, über einen herausragenden, in vielerlei Hinsicht für Schleswig-Holstein inspirierenden Künstler zu reden. Um ihm und seiner Kunst gerecht zu werden, gerade weil Behl unausgesprochen und in Bescheidenheit den Anspruch erhob, eine eigenständige Bildkonzeption auszubilden und diese in gebotener Breite und mit unbändigem Fleiß auszudifferenzieren.

Worin aber ist die übergreifende, letztendlich verbindende Werkidee mit Blick auf eine umfängliche und sich immer wieder spreizende Produktion zu sehen? In der Gegensätzlichkeit von Plastik, Installationen und Objekten wie von Bildern und Grafik? In der Reduktion der Farbe in zahlreichen Arbeiten? Aber eben nicht nur, denn er nutzte die Farbe nach dem Frühwerk zwar selten, wenn auch gezielt. In der klaren Konturierung seiner Plastiken wie auch seiner Zeichnungen, im Gegensatz etwa zu deren Binnenanlage? In der strukturellen Gegensätzlichkeit zwischen Abbildlichem und der absolut gesetzten Formkonstellation? In der Absorbierung des Raumes gar?

Weiterlesen …?

Um den gesamten Artikel lesen zu können, buchen Sie bitte unser monatlich kündbares Online-Abo oder bestellen Sie die Print-Ausgabe.

Schon gewusst? Auch als Print-Abonnent*in der Kulturzeitschrift Schleswig-Holstein erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln auf unserer Internetseite. Sie sind Abonnent*in und haben noch keinen Online-Zugang? Dann senden Sie uns eine Mail mit Ihrer Abo-Nummer an info@schleswig-holstein.sh und wir richten es Ihnen ein.

Ulrich Behl, wir vermissen Dich und sind angehalten, Dein künstlerisches Erbe zu wahren. Schließlich ist dieses Gegenstand und Ausdruck unserer Identität. Eine glückhafte Erfahrung.

Uwe Haupenthal