THEMA II – Mythen in Schleswig-Holstein

THEMA 2 - Mythen in Schleswig-HolsteinTHEMA II – Mythen in Schleswig-Holstein. Erschienen im Herbst 2017.

Mythen in Schleswig-Holstein:

Up ewig ungedeelt // Hanse-Bilder vom 19. bis zum 21. Jahrhundert // Vom Tellerwäscher zum Millionär // Mythos Rungholt // Lewer Duad as slaav // …

Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser,

„Menschen, Gesellschaften brauchen offenbar Mythen“, stellt Thomas Steensen fest (Seite 6). Mythen würden von Herkunft erzählen, vermittelten Identität und spornten sogar zu neuen
Taten an. Manche seien sogar zum festen Bestandteil des kollektiven Bewusstseins geworden.

Doch was sind Mythen überhaupt? In diesem Heft finden wir den Mythos vom untergegangenen Rungholt (Seite 18) wie den Mythos Hanse (Seite 28), den Mythos vom auf ewig ungeteilten Schleswig-Holstein (Seite 10) oder den Auswanderer-Mythos „vom Tellerwäscher zum Millionär“ (Seite 32).

Was verbindet diese Erzählungen? Nun, erst einmal, dass es sich um Erzählungen handelt, deren jeweiligen Kern ein historischer Sachverhalt bildet. Da ist zum Beispiel das Ripener Privileg von 1460, da ist die Geschichte der Hanse, da ist auch die Biographie des in den USA zum Millionär gewordenen Ludwig Nissen, da sind die Erwähnungen des Ortes Rungholt in alten Kirchenchroniken.

Eine weitere Gemeinsamkeit ist jedoch auch die Selektivität der jeweiligen Erzählung. Es wird sich auf einen Aspekt konzentriert, der so etwas wie eine „Moral von der Geschicht´“ hervorhebt, aus dem eine Handlungsanweisung für die Gegenwart abgeleitet werden kann, oder einem Kollektiv einen Wesenszug attestiert, den die Erzählung erst konstruiert. Mythen sind, so Claude Levi-Strauss, „historisch und ahistorisch zugleich“. Sie erwecken den Anschein, eine „ewige Wahrheit“ in sich zu tragen, da sie Komplexität reduzieren.

Mythen als Gegensatz einer „historischen Wahrheit“, als „Fake News“ oder vielmehr „Fake Narrations“ zu begreifen, sie also bloß zu dekonstruieren, wäre allerdings selbst eine Komplexitätsreduktion. Schließlich entfalten diese selektiven Erzählungen eine eigene historische Dynamik. Und zwar spätestens dann, wenn sie weitergesponnen werden, wenn sie künstlerisch oder politisch aufgegriffen werden, wenn sie, in Balladenform gegossen, von Generationen von Schulkindern auswendig gelernt werden, wenn sie individuelle, kollektive, politische und sogar militärische Entscheidungen beeinflussen. Und so geht es in diesem Heft nicht nur um die Entstehungs- sondern vor allem um die Rezeptionsgeschichten der Mythen.

Die Artikel in diesem Heft sind Verschriftlichungen der am 1. Tag der Schleswig-Holsteinischen Geschichte im Juni 2016 im Hohen Arsenal in Rendsburg gehaltenen Vorträge. Ich danke den Autoren und der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte für die gute Zusammenarbeit im Vorfeld und für die Möglichkeit, diesen spannenden Aspekt der Landesgeschichte in dieser Form einem größeren Publikum präsentieren zu können.

Ich wünsche Ihnen eine spannende Lektüre,

Ihr
Kristof Warda

 

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