Als der vierjährige Christian Henrich Heineken vom dänischen König empfangen wurde

Christian Henrich Heineken erblickte 1721 in Lübeck das Licht der Welt und verstarb nur vier Jahre später. Sein ungewöhnlicher Lebenslauf und vor allem seine ungewöhnlichen Fähigkeiten veranlassten 75 Jahre nach seinem Tod den großen Philosophen Immanuel Kant, sich mit der Biographie des Lübecker Kindes zu befassen: Kant bezeichnete „Christian Henrich Heineken, der zweijährig schon Lateinisch und Französisch beherrschte, mit drei Jahren eine Geschichte Dänemarks verfasste, in Mathematik brillierte [, als] ein frühkluges Wunderkind von ephemischer Existenz“ und eine „Abschweifung der Natur von ihrer Regel.“
Gemeinhin wird unter dem Begriff „Wunderkind“ ein Mensch verstanden, der schon als Kind auf bestimmten Gebieten erstaunliche Fähigkeiten zeigt, die normalerweise erst im Erwachsenenalter erreicht werden. Ein Phänomen, das meist mit einem frühen Tod einhergeht. In der 6. Auflage von Meyers Konversations-Lexikon von 1904 wird unter dem Eintrag „Wunderkind“ so auf „Frühreife“ verwiesen: „Sowohl der Körper als auch der Geist des Kindes kann seinem Lebensalter vorauseilen.“ Als Beispiel wird das „Lübecker Wunderkind“ genannt – und in der Tat scheint der Begriff „Wunderkind“ überhaupt erst zur Beschreibung von Christian Henrich Heineken entstanden zu sein. Nicht geringen Anteil an der Wortneuschöpfung hatte der dänische König Frederik IV.
Eine ausführliche Beschreibung Heinekens kurzen Lebens und seiner Entwicklung zu einem berühmten Wunderkind verdankt die Nachwelt seinem Lehrer und Förderer Christian von Schöneich, einem schlesischen Adligen. Schöneich schildert auch die erheblichen Probleme und die lange Leidensphase des Kindes, das an einer seinerzeit unbekannten Autoimmunerkrankung litt und an deren Folgen es im zarten Alter von vier Jahren starb.

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Joachim und Angelika Konietzny

Der Artikel basiert auf Kapiteln aus dem Buch:
Joachim Konietzny, Angelika
Konietzny: Das Lübecker Wunderkind Christian Henrich Heineken und der Preußische Hofmaler Johann Harper, 2. Auflage, Eutin 2020.
kontakt@j-konietzny.de