Auf eine Tasse Kaffee mit Claus Heitmann im Museum Landschaft Eiderstedt

Claus Heitmann schreibt Eiderstedter Geschichte. Mindestens seit 1977. Damals übersetzte er die „gemeine Eiderstedtische Chronik“ (Chronicon Eiderostandense vulgare 1103-1547) vom Plattdeutschen ins Hochdeutsche. Das war der Auftakt seiner ehrenamtlichen Laufbahn, auf der er seine Wirkungskreise zieht.

Am Anfang unseres Klönschnacks, noch vor dem Kaffee, legt Claus Heitmann klipp und klar zwei Prämissen auf den Tisch, die ihm wichtig sind:

  1. „Ehrenamt ist immer Gemeinschaft. Alles ist gemeinsam entstanden. Darauf lege ich Wert, das war nicht nur ich!“
  2. „Das einfache St. Peter liegt mir am Herzen. Damit meine ich „de lütten Lüüd“, die einfachen Fischersleute wie Jan und Gret.“

Nee, von Haus aus Plattdeutsch aufgewachsen sei er nicht – als Sohn eines Volksschullehrers –, aber auf dem Schulhof wurde natürlich Platt geschnackt: „Över Grönkoohl und dütt und datt, aver nich över de School“, erzählt Heitmann.

Wir sitzen unter Reet im Haus Jensen in St. Peter-Ording (Dorf). Das friesische Langhaus aus dem Jahr 1752 beherbergt das heutige Museum Landschaft Eiderstedt. Hier wurde Heitmann 2020 zum 1. Vorsitzenden des zugehörigen Trägervereins KulturTreff e.V. gewählt. Für die Wahl stellte sich niemand bereit. Heitmann, für den das Ehrenamt eine Selbstverständlichkeit zu sein scheint, sprang ein und mahnte vorab humorvoll: „Wisst ihr eigentlich, dass ihr euch den Ältesten ausgeguckt habt?“ Einstimmig gewählt wurde er. Sicherlich auch, weil er für die Geschichte Eiderstedts steht wie kaum ein anderer. Das bescheinigt ihm auch der Hans-Momsen-Preis, mit dem er 2002 vom Kreis Nordfriesland geehrt wurde für „seinen großen Einsatz über Jahrzehnte hinweg um die kulturellen und geschichtlichen Belange der Landschaft Eiderstedt“ und dafür, dass er „durch Wort- und Schriftbeiträge dazu beigetragen hat, dass ein neues Bewusstsein für die Geschichte, sowie für den Erhalt der Tradition und der Kultur der Halbinsel entstanden ist.“

Über die Anerkennung freue er sich sehr, schließlich sei das der Lohn des Ehrenamts. „Obwohl es unfair ist, dass ich die Preise kriege für das, was gemeinsam von vielen geleistet wurde“. Zu den Preisen gehören auch die Bürgermedaille St. Peter-Ording und die Schleswig-Holstein-Medaille.

1982 legte er gemeinsam mit Gleichgesinnten den Grundstein für die AG Orts-Chronik St. Peter-Ording. Sie nahmen sich nichts Geringeres vor als die Geschichte des Ortes festzuhalten und zu dokumentieren und nahmen als Sparte der Volkshochschule ihre Arbeit auf. 1985 folgte die Gründung eines eigenständigen Vereins. In den darauffolgenden 30 Jahren wurde hier ehrenamtlich und gemeinsam allerhand bewirkt und geschaffen.

Entstanden ist eine Chronik mit 28 Bänden „Aus der Ortsgeschichte“ auf mehr als 4.000 Seiten. Aufgebaut wurde ein umfangreiches Archiv für sämtliche historische Dokumente.

Der Verein wollte das historische Wissen aber nicht nur in mühseliger Archiv- und Schreibarbeit dokumentieren. Die gesammelte Historie sollte auch im Ort sichtbar werden. Also folgten Schilder, Hinweise und sogar Nachbauten, die Geschichte inmitten des Ortes vermitteln und veranschaulichen. Herzstück und Großprojekt der „Historischen Insel“ ist das Backhaus. Der funktionstüchtige Nachbau entstand 2006 – wieder als Gemeinschaftswerk vieler – und wird seitdem regelmäßig in Betrieb genommen. In der Dokumentation, die Heitmann 2015 zum 30-jährigen Vereinsjubiläum als Dank für alle Beteiligten zusammenstellte, beschreibt Heitmann den regen Backbetrieb wie folgt: „Bis zwei Uhr ist alles vorbereitet für den Verkauf: Walter verkauft das Brot, Karl-Heinz liefert die gewünschten Brote an den Kassierer; Ursula und Franz verkaufen Kuchen, Ernst liefert die Kuchenbleche und den Kaffee nach draußen, Waltraut packt ein, Dora, Inge, Edith und Helga machen Kaffee, waschen das Geschirr ab und liefern saubere Teller nach draußen zu den Kuchenverkäufern. […] Springer sind Waltraut und Claus. […] eine richtige Backhaus-Crew. Manchmal helfen auch Gerda, Monika und Renate“ – und zeigt damit deutlich, dass es beim Ehrenamt um die Gemeinschaft und um jeden einzelnen geht.

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Den Kaffee mit Claus Heitmann trank Birthe Dierks