Nur schöner Schein?

Notgeld der 1920er Jahre aus Schleswig-Holstein

Noch heute ist das Notgeld der frühen 1920er Jahre uns ein Begriff: als beklemmendes Zeitdokument der Weimarer Republik, aber auch als bunter Trash eines kuriosen Sammelwahns. In der Landesbibliothek befindet sich eine nahezu vollständige Sammlung des schleswig-holsteinischen Notgeldes – von Nordschleswig bis Lauenburg.

Im November 1923 steuerte die Hyperinflation in Deutschland auf ihren Höhepunkt zu. Ein Roggenbrot kostete 233 Milliarden Mark, für ein Kilogramm Rindfleisch wurden 4,8 Billionen Mark verlangt. Es kam zum Druck eilig hergestellter örtlicher Notgeldausgaben mit irrsinnig hohen Nominalen: Über Nacht wurden Millionenscheine, Milliardenscheine und schließlich Billionenscheine gedruckt, um den Zahlungsverkehr zumindest behelfsmäßig aufrechtzuerhalten.

Die Hyperinflation von 1923 ist zweifelsohne das erste, was man mit Notgeld verbindet – ist das Inflationsnotgeld doch wohl eine der befremdlichsten Quellen der frühen Weimarer Jahre, die zeigt, wie Deutschland in eine wirtschafts- und sozialgeschichtliche Katastrophe schlitterte. Dass die Geldpressen jedoch schon aus Kleingeldmangel während des Ersten Weltkrieges angeworfen wurden, ist weniger bekannt. Dabei sind es gerade die ab 1920 verbreiteten sogenannten Serienscheine, die das ganze Kuriosum des Notgeldes erst wirklich vor Augen führen. Der Name sagt schon, was sie ausmachte: Es waren variantenreich gestaltete Scheine mit viel Lokalkolorit, die serienartig in ganzen Kollektionen verbreitet wurden. Viele von ihnen waren reine Sammlerausgaben – für den Umlauf waren sie gar nicht ernsthaft gedacht. Das Sammelfieber sorgte dafür, dass die Notgeldproduktion ab 1922 völlig aus dem Ruder lief. Häufig gar nicht offiziell autorisiert, warfen zahlreiche Druckereien Notgeld auf den Markt, fälschten Unterschriften von Gemeindevorstehern und erfanden ganze Orte neu, um auf der Trendwelle mitzuschwimmen.

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Maike Manske