Montag, 4. März 2024

Von Sandburgen und Bettenburgen

ThemaVon Sandburgen und Bettenburgen

In den 1960er und 1970er Jahren wurden die grundlegenden Strukturen für den modernen Tourismus in Schleswig-Holstein geschaffen. Was sich veränderte, erklärt Dr. Thorsten Harbeke.

Trotz Pandemie zählte Schleswig-Holstein im Jahr 2021 über 32 Millionen Übernachtungen im Fremdenverkehr. 2019, im letzten Jahr vor der Pandemie, waren es noch knapp 36 Millionen gewesen. Das Geschäft mit dem Tourismus ist also ein bedeutender Wirtschaftsfaktor.
In seiner Grundstruktur hat sich der Fremdenverkehr im nördlichsten Bundesland seit dem Zweiten Weltkrieg stark verändert, am stärksten sicherlich in den 1960er und 1970er Jahren, die deshalb in diesem Text im Mittelpunkt stehen. Über 30 Millionen offiziell gezählte Übernachtungen zeigen letztlich aber nur eine Tendenz. Das liegt daran, dass die Statistik nur Übernachtungen in Betrieben mit mehr als zehn Betten erfasst. In Schleswig-Holstein spielte aber seit jeher die Privatvermietung eine große Rolle und diese findet eben unterhalb der statistischen Erfassung statt; heute kommt außerdem noch das Phänomen AirBnB hinzu, das nicht ganz deckungsgleich ist. Gleichzeitig ist die Fremdenverkehrsstatistik auch regelmäßig Veränderungen unterworfen, was einen langfristigen Vergleich erschwert. Und zumindest für die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts kann gesagt werden: Kaum irgendwo wurde derart geschummelt wie bei der Meldung von Fremdenübernachtungen.
Wo sich im Sommer Hunderttausende am Strand tummeln, da herrscht in den Wintermonaten oftmals gähnende Leere. Zwar hat das für einige Reisende durchaus einen eigenen Charme, die Übernachtungszahlen im Winterhalbjahr waren aber schon immer das Sorgenkind nicht nur der Touristiker, sondern auch der Fremdenverkehrsgemeinden insgesamt. Die in der kalten Jahreszeit nicht oder nur wenig genutzte Infrastruktur ist teuer. Leerstehende Schwimmhallen, für die Wohnbevölkerung viel zu groß dimensioniert, die Erhaltung von Straßen und Versorgungsleitungen, all das kostet Geld, das vor allem in den Sommermonaten erwirtschaftet werden muss. Und viele Freizeiteinrichtungen gibt es vor allem deshalb, weil auch im Sommer hier nicht immer die Sonne scheint.

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Thorsten Harbeke

Weiterführende Literatur:

Thorsten Harbeke: Tourismus zwischen den Meeren. Strukturwandel im schleswig-holsteinischen Fremdenverkehr zwischen 1950 und 1980. Baden-Baden 2018.

Catrin Homp: Schleswig-Holstein-Tourismus am Scheideweg. Anforderungen an eine Tourismuspolitik zur Revitalisierung des touristischen Angebots. Dissertation Uni Kiel 2009.

Cord Pagenstecher: Der bundesdeutsche Tourismus. Ansätze zu einer Visual History: Urlaubsprospekte, Reiseführer, Fotoalben, 1950-1990. 2., korrigierte und aktualisierte Auflage. Hamburg 2012.

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