Sonntag, 3. Juli 2022

17 Ziele, die unsere Welt verändern

Thema17 Ziele, die unsere Welt verändern

Die 17 Nachhaltigkeitsziele wurden 2015 von den Vereinten Nationen verabschiedet. Bis 2030 sollen sie erreicht werden. In Deutschland unterstützen die Regionalen Netzstellen Nachhaltigkeitsstrategien (RENN) Akteure, Unternehmen und Institutionen auf dem Weg dorthin.

RENN.nord – das sind die fünf norddeutschen Regionalen Netzstellen Nachhaltigkeitsstrategien mit einem gemeinsamen Auftrag: Die Erreichung der 17 Ziele für eine nachhaltige Entwicklung zu unterstützen! Hier und jetzt im Norden.

Die 17 Ziele stellen die Würde des Menschen in den Mittelpunkt, wollen den Planeten schützen, Frieden und Wohlstand für alle fördern sowie globale Partnerschaften aufbauen. Sie wurden am 25. September 2015 als sogenannte Sustainable Development Goals (SDGs) von 193 Staats- und Regierungschefs beim Gipfeltreffen der Vereinten Nationen in New York verabschiedet.

Mit einem Gemeinschaftsprojekt SEGEL SETZEN /20/21 knüpften die Netzstellen der norddeutschen Bundesländer an diese Ziele an. 2020 – die Coronapandemie erreicht Europa, legt im ersten Lockdown die Wirtschaft lahm und verändert das Leben aller Menschen radikal. In fünf Projekten aus den Bereichen Bildung, Jugend, Wirtschaft, Kunst und ländlicher Raum kamen Menschen aus Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Bremen, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern zu Wort und erzählten uns ihre ganz eigene Geschichte. Wie sie mit der großen Krise umgegangen sind und noch umgehen. Was sie aus ihr lernen. Was sie anderen mit auf den Weg geben möchten.
Exemplarisch finden Sie nachfolgend einige Erfahrungen aus der Coronapandemie. Die sich daraus ergebenden Leitworte sind global und zeitlos gültig.

Solidarität

Bernd Leibenath von der Transgourmet GmbH & CO oHG: „In dieser Krise ist eine nie dagewesene Solidarität in der Branche entstanden. Obwohl wir uns seltener sehen, sind wir viel näher zusammen gerückt… das gilt für Kunden, Kollegen und unsere Lieferanten. Wir alle leben davon, dass Menschen sich treffen und gastronomische Angebote nutzen – dafür und davon leben wir alle.“

Wertschätzung von Mitarbeitenden

Marc Dechow, Geschäftsführender Direktor des Raphael Hotel Wälderhaus: „Wir konnten glücklicherweise die Krise gemeinsam mit unserem Team erfolgreich meistern. Grundsätzlich wurde das Problem des Fachkräftemangels, das schon vorher bestanden hat, durch Corona noch weiter verstärkt. Viele Mitarbeitende haben die Hotellerie verlassen und werden wohl auch nicht mehr zurückkommen. Der Arbeitgebermarkt hat sich mittlerweile zu einem Arbeitnehmermarkt entwickelt. Ich erwarte deswegen einen Wettbewerb um die besten Mitarbeitenden. Für die Zukunft bedeutet dies, dass wir attraktive Arbeitsmodelle schaffen müssen und neben einer fairen Entlohnung unsere wertschätzende Führungs- und Unternehmenskultur weiter entwickeln werden. Hier sind Kreativität, Verlässlichkeit und Empathie gefragt.“

Grenzüberschreitendes Zusammenwirken

Martin Schröter ist ein gut vernetzter Tausendsassa – er macht aus einer alten Post in Wolgast, Mecklenburg-Vorpommern, das Postel, er haucht alten Gebäuden neues Leben ein, ist Vorstand eines Tourismusverbands und setzt sich für grenzüberschreitendes Zusammenwirken im Mündungsgebiet der Oder ein. Er treibt diverse Vitalisierungsinitiativen auf dem Land voran, organisiert Interaktionen, Regionalwirtschaft und Kultur. Ihn beschäftigt unter den Corona-Vorzeichen besonders, wie der gesellschaftliche Disput achtungsvoll und inhaltsreich gelingen kann: „Wer nicht weiß, worum es geht, kann nicht dafür sein!“

Kultur stärkt den Zusammenhalt

„Ich habe in der Pandemie gelernt, dass ko-kreatives Arbeiten digital funktioniert. Wir mussten alle neue digitale Techniken lernen, aber der digitale Raum eröffnet uns damit auch ein weltweites, inklusives Zusammenarbeiten. Und Krisenbewältigung funktioniert eben nur mit der gesamten Welt“, sagt Claudia Piehl-Conrad von der Musical-Academy Schleswig-Holstein (MASH!).

Empathie

Für die Berliner Künstlerin Hannah Marc war die Welt der Farben seit früher Kindheit prägend. Als schwarze Deutsche eine permanente Sonderstellung in einer weißen Mehrheitsgesellschaft zu haben, war für sie sowohl Antrieb als auch Lernprozess. Sie schafft es, Menschen in Krisenthemen an die Hand zu nehmen und den Prozess der inneren Transformation individuell zu begleiten. Visuelle Kunst dient zudem der Dokumentation der Gesellschaft und ist zugleich Sprachrohr der Kultur. Unverzichtbar dabei: Empathie. Sie ist der elementare Bestandteil im Kampf gegen Diskriminierung jeder Art, egal ob Rassismus oder Homophobie. Sie sagt: „Wir müssen lernen, empathisch miteinander umzugehen, und uns selbst den Raum zum Umdenken und Neulernen erlauben.“

Nachhaltiger Tourismus

Ziel 16: Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen. 2022 Krieg in Europa. Wenn wir über Krisen sprachen, dachten wir an die Klimakrise, die Biodiversitätskrise, die Rassismuskrise. Krieg kam in diesem Gedankenspektrum nicht vor. Zu gewaltig die Dimension. Nun steht er vor unserer Haustür, macht uns zu Zuschauer:innen einer brutalen Auseinandersetzung. Hält uns den Spiegel vor, in dem wir unsere wirkliche humanitäre Einstellung reflektieren müssen.
Wie gelingt es hier, den Bogen zum nachhaltigen Tourismus zu spannen? Das fällt schwer. Und dennoch gibt es Berührungspunkte. Ganz pragmatische, wenn Hotels in ihren Zimmern Geflüchtete beherbergen. Und auch die pädagogische Sicht hat ihre Berechtigung. Reisen sind ein außerschulischer, nonformaler Bildungsraum, in dem Empathie gefördert, Verständnis geweckt und Freundschaften geschlossen werden. Und tragen somit insgesamt zu einem stabileren, friedlicheren Umgang auf der Welt bei. „Die beste Bildung findet ein gescheiter Mensch auf Reisen“ (Goethe).

Cordula Wellmann


Über RENN.Nord

Die regional organisierten RENN.nord-Netzstellen verstehen sich als Informations- und Aktionsplattformen, die Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen und Einrichtungen vernetzen und den Nachhaltigkeitsgedanken vorantreiben. Sie sind angesiedelt bei fünf Partnerorganisationen:

  • Akademie für Nachhaltige Entwicklung (ANE) in Mecklenburg-Vorpommern
  • Bildungszentrum für Natur, Umwelt und ländliche Räume Schleswig-Holstein (BNUR)
  • Kommunale Umwelt-Aktion U.A.N. e.V. (Niedersachsen)
  • RKW Bremen GmbH mit der Geschäftsstelle Umwelt Unternehmen (UU) in Bremen
  • Schutzgemeinschaft Deutscher Wald Landesverband e.V. Hamburg (SDW)

Mehr Informationen unter:
https://renn-netzwerk/nord

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