100 Jahre Deutsche Minderheit in Dänemark – erzählt in 100 Gegenständen: Die Schulwandkarte von Nordschleswig

Im Jahr 1920 waren die Bewohner der Region Schleswig aufgerufen, über ihre Staatszugehörigkeit abzustimmen: Deutsch oder Dänisch? Die sich aus der Volksabstimmung ergebende, bis heute gültige Grenzziehung hinterließ auf beiden Seiten nationale Minderheiten. In Kooperation mit dem Deutschen Museum Nordschleswig beleuchten wir 100 bewegte Jahre Geschichte der deutschen Minderheit in Dänemark durch den Blick auf 100 Exponate des Museums. Dieses Mal Nummer 2:  eine kurz nach dem 2. Weltkrieg entstandene Schulwandkarte Nordschleswigs


In den Jahren von 1933 bis 1945 hatte sich die deutsche Minderheit gedanklich und organisatorisch nahezu hundertprozentig dem Nationalsozialismus angeschlossen. Einer der Hauptgründe für den hohen Zuspruch war die Volksabstimmung von 1920 und die damit verbundenen Trennung Nordschleswigs von Deutschland. Direkt nach der Volksabstimmung war es das Bestreben der deutschen Minderheit die Grenze zwischen Deutschland und Dänemark wieder gen Norden zu verschieben. Um dieses Ziel zu erreichen brauchte man einen starken Zusammenarbeitspartner. Diesen dachte man 1933 in den Nationalsozialisten gefunden zu haben. Der große Zuspruch und der Wandel aller organisatorischen Strukturen hin zum Nationalsozialismus hatten nach Kriegsende die Konsequenz einer Zerschlagung der organisatorischen Strukturen der Minderheit. Darunter die Schließung der 30  kommunalen deutschen Schulabteilungen und der 59 deutschen Privatschulen.

Mit den Erfahrungen von 1933 bis 1945 revidierte Dänemark seine liberale Grundhaltung in Bezug auf den deutschen Unterricht in Nordschleswig. Eine Ministerverfügung vom 25. Juni 1945 sorgte für die Schließung aller deutschsprachiger Schulen. Begründet wurde dies mit einer Überprüfung des Lehr- und Lernmaterials. Das Gesetz Nr. 610 vom 21.12.1945 verbot dann die Wiedererrichtung der öffentlichen deutschen Schulabteilungen und nahm den deutschsprachigen Privatschulen das Examensrecht. Das Gesetz gestattete zwar den Unterricht an Privatschulen, aber zu diesem Zeitpunkt war es nicht mehr möglich, die bisherigen Schulgebäude zu nutzen.

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Hauke Grella,
Leiter der Deutschen Museen Nordschleswig