Wildpflanzen im Jahreslauf. Teil 1: Frühling. Das Gänseblümchen.

Unser Autor Welf-Gerrit Otto begibt sich auf einen ganz besonderen Frühlingsspaziergang: Mit Blick auf die Wildpflanzen vor der heimischen Haustür entdeckt er eine sagenumwobene und geheimnisvolle Welt, die nur auf den ersten Blick alltäglich erscheint. Dieses Mal: Das Gänseblümchen.


 

Diese ausdauernde Pflanzenart aus der Familie der Korbblütler ist wohl die bekannteste einheimische Wildblume überhaupt. Mit einer Wuchshöhe von vier bis zwanzig Zentimetern gehört das Gewächs zu den eher kleinen Wildkräutern.

Das Gänseblümchen verfügt über ein kurzes aufrechtes Rhizom mit Wurzelstock, aus dem sich spatelförmige Laubblätter in Form einer dichten, erdnahen Rosette entfalten, die an das frische Grün der Rapunzel erinnert. Jede dieser Blattrosetten bringt vom zeitigen Frühjahr bis zum späten  Herbst ununterbrochen blattlose Blütenschäfte hervor. Bei der vermeintlichen weißstrahligen Blüte handelt es sich genaugenommen um eine Scheinblüte, die in ihrer Mitte rund einhundert goldfarbene zwittrige Röhrenblüten beherbergt. Aufgrund seines Heliotropismus richtet sich das Blütenkörbchen nach dem Sonnenstand aus und schließt sich des Nachts oder bei schlechtem Wetter.

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Bellis perennis, was soviel heisst wie „ausdauernde Schöne“ ist fast überall dort anzutreffen, wo es kurz gemähte und nährstoffreiche Rasen-, Wiesen- und Weideflächen gibt. Ursprünglich stammt die Art ebenso wie die übrigen Vertreter der Gattung Bellis aus dem Mittelmeerraum. Es handelt sich bei ihr um einen typischen Archäophyten, so werden Pflanzenarten bezeichnet, die sich als Kulturfolger vor 1492 (dem Jahr der europäischen Wiederentdeckung Amerikas durch den italienischen Seefahrer Christoph Kolumbus) in neue Gebiete ausbreiteten.

Das Gänseblümchen drang in grauer Vorzeit durch die zunehmende Wiesen- und Weidewirtschaft der sesshaft werdenden Menschen des Neolithikums nach Mittel- und Nordeuropa vor. Mittlerweile findet sich die kleine Blume sogar im fernen Übersee, etwa in Nordamerika und Neuseeland.

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Welf-Gerrit Otto