1 164 Kilometer durch das 20. Jahrhundert. Die drei Jugendherbergen von Alfred Toepfer

Luftaufnahme Knivsberg. Foto: © Florian Manig

Im Jahr 1928 stiftete der Hamburger Kaufmann Alfred Toepfer 100 000 Reichsmark zum Bau von Jugendherbergen auf dem Knivsberg, in Thüringen und im Burgenland. Neue Archivrecherchen zur Bau- und Nutzungsgeschichte zeigen, wie sehr sich der Stifter neben den beteiligten Architekten und dem Maler A. Paul Weber selbst als Gestalter betätigte. Die drei Häuser markierten den Beginn von Toepfers umfangreicher Stiftungstätigkeit zur völkisch-nationalen Deutschtumsarbeit. Auch nach der Einweihung sollten sie ihn bis zu seinem Tod 1993 nicht mehr loslassen.

Eisenstadt, an einem heißen Spätsommertag. Wie eine Trutzburg steht das „Landhaus“, der Sitz der burgenländischen Landesregierung, am Rande der Altstadt. Seine Fassade richtet sich gegen das wenige Kilometer entfernte Ungarn. Das Burgenland entstand durch die Friedensverträge von Saint-Germain (1919) und Trianon (1920), die einen kleinen Teil Westungarns mit überwiegend deutschsprachiger Bevölkerung Österreich zusprachen. 1921 putschten ungarische Freischärler, woraufhin das Gebiet um Ödenburg (Sopron) nach einer Abstimmung wieder an Ungarn fiel. Im August 1989 feierte hier das sogenannte „Paneuropäische Picknick“ den Abbau der Grenzanlagen des Eisernen Vorhangs. Im Landhaus befindet sich das Landesarchiv, das auch zahlreiche Briefe aus Hamburg, Tondern, Reinhausen bei Göttingen und Sitzendorf in Thüringen aufbewahrt. Die Absender sind der „Großkaufmann“ Alfred Toepfer, der Pastor und Folketing-Abgeordnete der Schleswigschen Partei, Johannes Schmidt-Wodder, der Maler A.[ndreas] Paul Weber und das Einrichtungshaus Grünpeter. Die Briefe stehen in Zusammenhang mit den drei von Toepfer gestifteten Herbergen und handeln von der letzten, der „Joseph- Haydn-Jugendherberge“ in Bernstein im Burgenland. Adressat ist zumeist der Architekt Bruno Gause im Landesbauamt. Es geht um Detailfragen des architektonischen Entwurfes: Korrekturen an Grundriss und Raumaufteilung, die Ofenheizung und schließlich die Innenausstattung mit Möbeln, Vorhängen und eigens angefertigten Gemälden, für die A. Paul Weber sich verantwortlich zeichnete. Die Korrespondenz mit Nordschleswig dreht sich um die Einweihungsfeier der Herberge im April 1933, bei der Schmidt-Wodder als Vertreter der „Nordmark“ sprechen sollte. Auch in Nordschleswig wurden nach dem Ersten Weltkrieg die territorialen Zugehörigkeiten neu geregelt. Mit den beiden Abstimmungen von Februar und März 1920 entstanden die heutige deutsch-dänische Grenze und mit ihr die Minderheiten nördlich und südlich davon.