Löwenzahn – Taraxacum

Die Pflanzengattung Taraxacum gehört zur Familie der Korbblütler und findet sich weltweit in allen Klimazonen. Ihre größte Vielfalt entfaltet sie in den gemäßigten Breiten. Die taxonomische Einteilung der Löwenzahnarten ist indes nicht unproblematisch. Es existiert eine schier unüberschaubare Menge an Sektionen und Unterarten, wobei die Botaniker uneins sind über Abgrenzungen und Varietäten. Und so variiert die Anzahl der unter dieser Pflanzengattung subsumierten Arten zwischen unter hundert und mehreren tausend.

Grundsätzlich handelt es sich bei den Löwenzahnarten um mehrjährige krautige Pflanzen, die Wuchshöhen zwischen fünf und fünfzig Zentimeter erreichen. Die länglichen Blätter können verschiedene Formen aufweisen, sind allerdings zumeist lanzettlich und an ihren Außenseiten gezahnt oder gelappt.



Alle Pflanzenteile enthalten den charakteristischen Milchsaft. Bis tief ins Erdreich hinein reichen die mitunter mehrere Meter messenden Pfahlwurzeln. Die gelben Scheinblüten treten das ganze Sommerhalbjahr in Erscheinung, wobei die Hauptblütezeit auf die Monate April und Mai fällt. Nach dem Verblühen bildet sich der typische Pappus, eine Art Haarkranz aus flugfähigen Achänen – vortrefflich konstruierten Schirmfliegern, welche die generative Vermehrung der Pflanze gewährleisten und ihr Erbgut über weite Strecken verteilen. Im Volksmund wird diese Erscheinungsform auch als Pusteblume bezeichnet.

Löwenzahn ist hinsichtlich seiner Anpassungsfähigkeit phänomenal. Seine langen Wurzeln reichen derart tief unter die Erde, dass ihm auch längere Trockenperioden nichts anhaben können. Fast überall gedeiht Taraxacum – in Mauerritzen, zwischen Gehwegplatten, am Straßenrand, auf Wiesen, Äckern und im Garten – was ihm den gehässigen und völlig unbegründeten Ruf eines Unkrauts eingebracht hat.

Mythos

Wenn es wieder Frühling geworden ist, werden die gelben Blumen überall aus dem Bo-den brechen. Kleine Sonnen, die winters unter der Schneedecke geruht haben. Sobald die Tage länger, freundlicher und wärmer werden, begrüßen sie ihre große Schwester am Firmament.

In jedem Jahr freuen wir uns erneut über die vielen Pusteblumen, die zum Graus vieler Vorgartenbesitzer über Nacht aus dem Boden schießen. Dieser Freude haftet jedesmal etwas Subversives an, das die Pflanzen als Mitstreiter in einem Akt lebensbejahender Sabotage begreift. Denn bereits im Morgengrauen konnte man die ersten pflichtbewussten Vertreter unserer Spezies dabei beobachten, wie sie bewehrt mit Unkrautstechern, Flammenwerfern und Giftspritzen Gehwegplattenverfugungen und Nutzgartenflächen lobotomierten.

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Welf-Gerrit Otto