Wacholder – Juniperus

Wacholder

Juniperus ist eine Pflanzengattung aus der Familie der Zypressengewächse, der weltweit etwa fünfzig bis siebzig Arten an-gehören. Ursprünglich waren in Mitteleuropa nur zwei Arten, nämlich der Gemeine Wacholder (Juniperus communis) sowie der Sadebaum (Juniperus sabina) beheimatet.

Mittlerweile finden sich auch zahlreiche andere Wacholder-Arten in unseren Gärten und Parkanlagen. Bei allen Vertretern der Gattung handelt es sich um immergrüne Bäume und Sträucher mit hartem, aromatisch duftendem Holz und schuppen- bis nadelförmigen Blättern, die eng an den Zweigen anliegen.



Der Gemeine Wacholder kann Wuchshöhen von bis zu achtzehn Metern und Stammdurchmesser von einem knappen Meter erreichen. Zumeist bleibt er allerdings deutlich kleiner. Sehr häufig bildet er nicht nur einen, sondern gleich mehrere Stämme aus. Lebensalter von sechshundert Jahren und mehr sind keine Seltenheit.

Im Frühling beginnen die Wacholderbeeren zu wachsen, die botanisch betrachtet genaugenommen keine Beeren, sondern Zapfen sind. Bis zu drei Jahre reifen die Früchte am Baum und sind daher auch im tiefsten Winter in der freien Natur verfügbar. Ein bis drei Samen befinden sich in jeder von ihnen. Vögel verbreiten die Samen durch Fraß und Ausscheidung und stehen daher, ganz so wie im weiter unten zitierten Märchen, in enger Beziehung zu dieser Pflanze.

Wacholder gedeiht insbesondere auf trockenen und kalkhaltigen Böden und ist sehr gut an regenarme Zeiten angepasst. Da die Pflanze sehr konkurrenzschwach ist, wird sie von der übrigen Vegetation häufig in steinige und sandige Gebiete abgedrängt. In den alten Kulturlandschaften der Lüneburger Heide und Schwäbischen Alb konnte sich der Wacholder deshalb so gut ausbreiten, da er im Gegensatz zu anderen Gewächsen vom Vieh nicht verbissen wird. Insofern kann er durchaus als Kulturfolger betrachtet werden.

Mythos

Denkt man an den Wacholder, kommen einem vielleicht als erstes die Heimatfilme der neunzehnhundertsechziger Jahre in den Sinn, beispielsweise „Wenn die Heide blüht“ von Hans Deppe. Im Verbund mit duftendem Heidekraut, kauzigen Schäfern, niedlichen Heidschnucken und gut bestückten Landfrauen im heiratsfähigen Alter liefert seine unverwechselbare himmelwärts weisende Erscheinung auf weiter Ebene die geeignete Kulisse für bukolische Szenen in einer heilen beständigen Welt fern der Schrecknisse der erlebten Weltkriege.

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Welf-Gerrit Otto