Mittwoch, 17. April 2024

Ein (un-)sichtbares Frauenleben in Eutin

Wilhelmine Johannsen

KulturzeitschriftWilhelmine Johannsen

Wenn es um die Kultur- und Literaturgeschichte Eutins geht, kommen Interessierte an vier Namen nicht vorbei: Johann Heinrich Voß, Johann Heinrich Wilhelm Tischbein, Friedrich Leopold von Stolberg-Stolberg und Carl Maria von Weber. Dass sich in der kleinen Kulturstadt aber auch Frauen dem Schreiben von Texten widmeten, scheint damals wie heute fast unsichtbar gewesen zu sein.

In jüngster Zeit hat sich der Leiter der Eutiner Landesbibliothek, Prof. Dr. Axel Walter, auf Spurensuche nach Schriftstellerinnen in Eutin und darüber hinaus auch im Kreisgebiet Ostholstein gemacht – und ist fündig geworden. Ernestine Voß, die Ehefrau des bereits zu dessen Lebzeiten bekannten Dichters und Übersetzers Johann Heinrich Voß (1751–1826), die schon in frühen Jahren Gedichte und biographisch-pädagogisch gefärbte Texte schrieb, aber erst nach dem Tod ihres Mannes aus seinem Schatten hervortrat, war eine erste Entdeckung. Walter, Axel E.: Ernestine Voß. Eine Dichterfrau und Schriftstellerin der Spätaufklärung. Mit einer Edition ausgewählter Schriften. Eutin 2016.Wenig später folgten – u. a. durch in der Eutiner Landesbibliothek aufgefundene Werke – weitere Entdeckungen mehrerer Frauen aus Ostholstein, die ihren Lebensunterhalt nicht nur als Lehrerinnen verdienten, sondern auch als Schriftstellerinnen.Ostholsteinische Schriftstellerinnen des 19. Jahrhunderts. Eine Anthologie. Herausgegeben, kommentiert und mit einem Nachwort versehen von Axel E. Walter. Eutin 2021. Während Amalia Schoppe (1791–1858) in der wissenschaftlichen Forschung bereits einige Bekanntheit erlangt hat und zu Ida Staacke (1830–1909) wie Conradine Stinde (1856–1925) zumindest schon einige biographische Informationen vorliegen, blieb die Biographie der Eutiner Schriftstellerin Wilhelmine Johannsen bis auf einige wenige verwandtschaftliche Beziehungen unbekannt. Erneute Recherchen in den Schatzkammern der Eutiner Landesbibliothek bringen nun Licht ins Dunkel.
Biographisch scheint Wilhelmine Johannsen zunächst wirklich kaum fassbar zu sein, tauchen doch vor allem lediglich Verlagsankündigungen ihrer beiden Werke Die braune Mappe (1856) und Die Traubencur (1857) in zeitgenössischen Zeitungen und Zeitschriften auf. Hinweise auf Lebensdaten und Lebensumstände sucht man in gedruckten wie digitalen Medien vergebens. Doch es gibt eine Reihe zeitgenössischer Quellen, die es erlauben, ihren Lebensweg Stück für Stück zu rekonstruieren.

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