An den Ufern der Schwentine. Zeitreise zwischen Preetz und Kiel

An einem regnerischen Sommertag, wie er in unseren Breiten leider nur allzu häufig vorkommt, betrete ich das Haus meines lieben Freundes. Urtümlich verborgen hinter Baum und Geranke, die jahrhundertealten Mauern und Anbauten unbekümmert ineinander verschachtelt. Eine feste Burg ist unser Gott. Gleichsam in die Umgebung hineingewachsen wirkt das Gemäuer auch heute auf mich wie ein organisches Requisit aus einer psychedelischen Märchenaufführung.

 

Das passt haargenau, denke ich. Beschäftigt sich mein Freund als Kulturanthropologe doch auch ausgiebig mit Mythen, Märchen und Sagen. Gemeinsam mit seiner Frau hatte er das stattliche Gebäude auf dem Gelände des Preetzer Klosterhofs vor Jahren erworben und mit der Zeit liebevoll ausgebaut und hergerichtet. Mittlerweile lässt es sich ganz vortrefflich darin hausen. Nach einer herzlichen Begrüßung wird erst einmal ordentlich aufgetischt: Brot, Käse und Kaffee. Die richtige Grundlage für einen Zwanzig-Kilometer-Spaziergang, wie wir ihn an diesem Tag vorhaben.

 

Diesmal unbebootet, ausgerüstet nur mit Wasserlasche und festem Schuhwerk, machen wir uns daran, dem unteren Lauf des Flüsschens Schwentine bis zu seiner Mündung in die Kieler Förde zu folgen. Es sollte ein interessanter und erbaulicher Spaziergang werden, der uns durch eine kulturell vielfältige und zugleich urtümlich anmutende  Flusslandschaft führen und uns an Orte bringen würde, an denen sich manch hörenswerte Geschichte zugetragen hat. Eine kleine Auswahl dieser Geschichten möchte ich heute erzählen.

 

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Welf-Gerrit Otto
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