Martin Lätzels Ana[B]log: Entfremdung im digitalen Zeitalter

Vor 200 Jahren wurde einer der einflussreichsten Gesellschaftstheoretiker überhaupt geboren: Karl Marx. Im Namen seiner Thesen wurden Revolutionen in Gang gesetzt, Journalisten, Aktivisten, ja, ganze Staaten beriefen sich auf ihn. Diktaturen wurden errichtet, um dem sogenannten Proletariat zu seinem Recht zu verhelfen, in Marx’ Namen wurde gekämpft und unterdrückt. Anfang der 1990er Jahre, mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion, meinte man, das von Marx propagierte Gesellschaftssystem des Kommunismus (der in den meisten Ländern freilich nur in seiner Vorstufe, dem Sozialismus verwirklicht war) sei gescheitert und der Kapitalismus hätte sich als das bessere System erwiesen – Marx’ Thesen schienen endgültig beerdigt.

Im neuen Jahrtausend, vor dem Hintergrund der fortschreitenden Globalisierung, Banken-, Finanz-, und Eurokrise, Immobilienblasen und Börsencrashs, fing man wieder an, über Karl Marx’ Thesen zu diskutieren. Der französische Ökonom Thomas Piketty versuchte mit seiner Analyse Das Kapital im 21. Jahrhundert sogar ihre Aktualisierung. Man begann, sich der Frage zu stellen, ob die reine Interpretation der Gesellschaft reiche, oder ob es nicht doch einer stärkeren, einer eingreifenden Veränderung bedürfe.

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Martin Lätzel

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