Als Dänemark gegen die DDR im Faustball verlor

Am 18. September 1990 – 18 Tage vor dem Ende der DDR – kam es bei der Faustball-WM in Österreich zu einem kuriosen Länderspiel. Die DDR traf auf Dänemark, deren Mannschaft aus Angehörigen der Deutschen Minderheit bestand. Hauke Grella vom Deutschen Museum Nordschleswig erzählt die ganze Geschichte – und erklärt nebenbei, was Faustball eigentlich ist …

Bei der Vielfalt der eingehenden Gegenstände im Deutschen Museum Nordschleswig erklärten sich einige Exponate erst bei zweiter oder dritter Betrachtung. So auch bei dem vorliegendem Sport-Trikot, das Mitte letzten Jahres im Museum abgeliefert wurde. Deutlich zu erkennen ist das Wappen der Deutschen Demokratischen Republik mit Hammer, Zirkel und Ährenkranz. Es handelte sich also um ein Trikot aus der ehemaligen DDR und müsste dementsprechend vor 1990 erstellt worden sein.

Schwieriger wird es bei dem in Grün-Rot-Weiß gehaltenem Logo. Zu sehen ist eine Hand die einen Ball schlägt und die Kürzel DFV und DDR. Ausgehend von Hand und Ball könnte man die Sportart Volleyball vermuten. Entschlüsselt man aber das Kürzel DFV, so ergibt es sich, dass es sich um ein Nationalmannschafts-Trikot des Deutschen Faustball Verbands der Deutschen Demokratischen Republik handeln muss. Bei genauerer Betrachtung bleibt aber Fraglich, ob es wirklich ein offizielles Trikot der DDR war. Man kann deutlich erkennen, dass die Embleme und die Zahl „drei“ nicht maschinell aufgenäht wurden und das Trikot nicht professionell erstellt wurde. Aber dazu später mehr.

INFO: 

Für viele ist der Sport Faustball sicherlich unbekannt.
Ähnlich wie beim Volleyball ist das Spielfeld durch
ein Netz getrennt. Jede Mannschaft besteht aus fünf
Spielern die versuchen den Ball so übers Netz zu
spielen, dass die andere Mannschaft ihn nicht erreichen
kann. Im Vergleich zum Volleyball darf der
Ball vor dem Spielen mit Arm oder Faust einmal den
Boden berühren.

Wie aber hat das Trikot seinen Weg nach Nordschleswig zur Deutschen Minderheit und damit in das Deutsche Museum Nordschleswig gefunden? Dazu ein Blick in die Geschichte:

Faustball als Sport fand seine Verbreitung schon Ende des 19. Jahrhunderts. Auch in Nordschleswig fand Faustball unter dem deutschgesinnten Teil der Bevölkerung seine Verbreitung. Deutlich abzulesen ist dies am Knivsbergfest, das mit Unterbrechungen seit 1895 jährlich stattfindet. Der höchste Berg Nordschleswigs, gelegen nördlich von Apenrade/Aabenraa, wurde ursprünglich angekauft, um dort deutsche Volksfeste zu feiern und seine deutschen Gesinnung kund zu tun. Auch heute noch ist der Knivsberg ein wichtiger Teil der deutschen Minderheit. Auch das Knivsbergfest findet immer noch jährlich statt. Aber nicht mehr unter den Vorzeichen des nationalen Gegensatzes, sondern als ein Sommerfest der deutschen Minderheit mit Sport, Kultur und Vergnügen.

Das Deutsche Museum Nordschleswig ist im Besitz von einigen Programmheften der Knivsbergfeste von vor dem 1. Weltkrieg. Aus Diesen lässt sich die Begeisterung für den Faustballsport deutlich ablesen. Neben dem Schlagball nahmen die Faustballturniere den größten Raum ein. Diese deutliche Präsenz des Faustballs blieb auch nach der Volkabstimmung 1920, und der damit verbundenen Angliederung Nordschleswigs an Dänemark, bestehen. Ab diesem Zeitpunkt waren es dann die Sportvereine der deutschen Minderheit, die den Faustballsport in ihren Reihen betrieben und pflegten. Erst in den 1960-1970er Jahren ließ die Begeisterung für den Sport nach. Bei den Knivsbergfesten war nun der Handball die dominierende Sportart. Trotzdem wurde das Faustballspielen nicht aufgegeben und durch einige wenige weiterhin betrieben.

Soweit ersichtlich gab es in Dänemark nur Vereine der deutschen Minderheit, die Faustball in ihrem Angebot hatten. Daraus ergab sich eine Besonderheit. So nahm, ab Ende der 1980er Jahre, eine Auswahl deutsch-nordschleswigschen Spielern an Faustball Welt- und Europameisterschaften teil. Dies als offizielle dänische Faustball-Nationalmannschaft. Insgesamt nahm man bis 2007 an sechs Faustball-Weltmeisterschaften teil.

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Hauke Grella,
Leiter der Deutschen Museen Nordschleswig

Bild: Die dänische Faustball-Nationalmannschaft in Namibia 1995 (privat)

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