Editorial zur Ausgabe eins 2020


Kristof Warda auf der Leserreise zur NordArt am 7. Juli 2019 in Büdelsdorf

Liebe Leserin, lieber Leser,

in diesem Jahr feiern wir gleich mehrere für Schleswig-Holstein und insbesondere für die Grenzregion bedeutende Jubiläen: Vor einhundert Jahren, am 10. Februar und am 14. März 1920, fanden die beiden Volksabstimmungen im Landesteil Schleswig statt, in denen die Bewohner über ihre nationale Zugehörigkeit abstimmen mussten – entweder deutsch oder dänisch. Ein weder-noch (oder ein sowohl-als auch) gab es nicht… .

Der im Vorfeld geführte „Wahlkampf“ der beiden Lager nationalisierte und polarisierte die Bevölkerung, trieb mitunter tiefe Risse durch Familien und wirkte über Generationen nach. Interessant für die Zeit: Die Zugehörigkeit wurde als Gesinnungsfrage, nicht als Frage der Abstammung diskutiert: Dänisch war, wer sich dänisch fühlte und andersherum.

Der Tag der Grenzziehung nach den Abstimmungen, der 15. Juni 1920, war auch der Geburtstag der Minderheiten auf beiden Seiten. Ihre Gesinnung wurde von ihrer jeweiligen Nation auch nach der Grenzziehung weiter aufrechterhalten und gefördert. Auf deutscher Seite zum Beispiel von der „Deutschen Stiftung“, wie Hauke Grella, der Leiter der Deutschen Museen Nordschleswig, ausführt.

Auch die Minderheiten werden in diesem Jahr also 100 Jahre alt. Grund zu feiern ist für sie jedoch eher das zweite Jubiläum in diesem Jahr – nämlich der 65. Jahrestag der Bonn-Kopenhagener Erklärungen: Am 29. März 1955 garantierten die deutsche und die dänische Regierung jeweils die Rechte der jeweiligen Minderheit auf ihrem Hoheitsgebiet. Der Historiker Jørgen Kühl schildert die Ereignisse rund um die beiden Kerndaten der Grenzregion, 1920 und 1955.

Dass das Ergebnis der Volksabstimmungen noch 100 Jahre später Gültigkeit besitzen würde, hat von den damaligen Akteuren wohl niemand erwartet. Und doch blicken wir heute – keineswegs selbstverständlich – auf eine „kulturelle Erfolgsgeschichte“ zurück, wie Martin Lätzel schreibt. Auch Gitte Hougaard-Werner, die Vorsitzende des Sydslesvigsk Forening, beobachtet, dass die kulturelle und sprachliche Vielfalt in der Grenzregion inzwischen nicht nur akzeptiert, sondern geschätzt und gefördert wird. Schon heute ist das deutsch-dänische Grenzland als Praxisbeispiel für ein friedliches Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen in Grenzgebieten auf den nationalen UNESCO-Listen für immaterielles Kulturerbe in Deutschland und Dänemark – und die beiden Minderheiten arbeiten weiter gemeinsam an der Anerkennung als Welterbe.

Und außerdem?

Melden Sie sich direkt zu unseren kommenden Veranstaltungen an: Am 22. Februar 2020 besuchen wir die Ausstellung „Störtebeker und Konsorten“ im Europäischen Hansemuseum in Lübeck, am 15. März 2020 besuchen wir in Kooperation mit der Overbeck-Gesellschaft den Hamburger Kunstverein und die Ausstellung JETZT! in den Deichtorhallen, und am 25. April 2020 besuchen wir die Künstlerin Bettina Thierig in ihrem Atelier in Lübeck.

Dr. Maike Manske zeigt uns einen Schatz aus der Handschriftensammlung der Schleswig-Holsteinischen Landesbibliothek: Theodor Stroms vergessene Sylter Novelle, Herausgeber Oliver Auge und Katja Hillebrand stellen ihr Klosterbuch vor, Jan Petersen blickt zurück auf ein Jahrzehnt Kunst im öffentlichen Raum und Landwirt Detlef Hack erläutert im Gespräch mit Julia Seeliger, dass Landwirtschaft und Naturschutz gut zusammenpassen.
Das alles und noch viel mehr in Ihrer neuen Schleswig-Holstein.

Viel Spaß beim Lesen und Entdecken, Ihr

Kristof Warda

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