Die Echten, die Neuen und die Reisenden

Zuzug und Wegzug, Landflucht und Landliebe: Das Verhältnis von Stadt und Land prägen vielerorts widersprüchliche Tendenzen. Ruhesuchende Stadtmenschen treffen auf Tourismusentwicklungskonzepte, Alteingesessene wollen die Zukunft ihrer Region gestalten, nicht alle um jeden Preis. Ein Essay über aktuelle Konflikte auf der Insel Møn, etwas abseits zwischen Fehmarn und Kopenhagen gelegen.

Es ist jetzt über ein Jahr her, dass meine Freundin und ich ein verfallenes Bauernhaus auf Møn gekauft haben. Verfallen ist noch vorsichtig ausgedrückt: Das Dach war über anderthalb der vier Flügel eingestürzt, und was von dem Haus übrig war, war aus baukultureller Sicht nichts Besonderes. Auch nicht schlecht, aber eines dieser kleinen Bauernhäuser, die um die letzte Jahrhundertwende gebaut wurden, mit zweischaligem Mauerwerk aus gebrannten und ungebrannten Ziegeln. Eine gründliche Renovierung im Jahr 1974 hatte die Innenräume des Bauernhauses völlig verändert, und als wir es übernahmen, sah es aus wie ein fast unberührter Traum aus den 1970er Jahren: Charmante Blumentapeten in immer neuen, farbenfrohen Mustern in jedem Raum. Die weiche und brennbare Innendämmung und der ranzige Gestank nach mehreren Jahren ohne Heizung führten letztlich dazu, dass wir die gesamte Hütte entkernen und das Interieur auf den Recyclinghof bringen mussten. So schufen wir einen Rohbauzustand, mit dem wir arbeiten konnten. Es würde, das war uns klar, eine umfangreiche, zermürbende und kostspielige Arbeit werden. Arbeit eben, die potenzielle Käufer in den Jahren, in denen das Haus zum Verkauf stand, abgeschreckt hatte. Dass wir bereit waren, uns in dieses Projekt zu stürzen, war allein der besonderen Lage und Art des Hofes geschuldet.

Ich bin selbst Architekt und lehre und forsche an der Königlichen Kunstakademie in Kopenhagen, meine Freundin ist Partnerin im Büro JAJA Architects. In der Stadt wohnen wir in einer relativ kleinen Wohnung in Vesterbro. Wir wollten einen Ort, der andere Ausdrucksmöglichkeiten als die Stadt bietet. Vor allem war uns die Einrichtung einer Werkstatt für Bauexperimente wichtig, die wir in unserer täglichen Arbeit nicht sofort umsetzen können. Die Größe des Hofes mit einem Bauernhaus und drei kleinen ehemaligen Ställen war genau das, was wir suchten. Wir sind beide durch Arbeit, Familie und Freunde eng mit der Stadt verbunden, und selbst wenn der Hof sofort bewohnbar wäre, würden wir derzeit nicht dauerhaft dort leben. Aber wir sehen es auch nicht als Ferienhaus an. Mit einer gewissen Flexibilität für die Arbeit von zu Hause aus und weniger als anderthalb Autostunden von Vesterbro entfernt, stellen wir uns einen Ort vor, der das ganze Jahr über Teil unseres täglichen Lebens ist.

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Morten Birk Jørgensen
Architekt, Institut für Baukunst und Kultur, Königliche Kunstakademie, Kopenhagen