Dienstag, 6. Dezember 2022

Das Gefängnismuseum Hamburg

Das Gefängnismuseum zeigt und erzählt die Geschichte des Hamburger Gefängniswesens und des Strafvollzuges von seinen Anfängen (1270) bis zur Gegenwart anhand von ausgewählten Exponaten. Dabei klammert es auch Herausforderungen, Probleme und Schwierigkeiten nicht aus. So verhält es sich zum Beispiel mit dem Exponat „Der Hamburger Terroristenstuhl“, welcher in die Geschichte des Vollzuges eingegangen ist.

Die Rote Armee Fraktion (RAF) war eine linksextremistische terroristische Vereinigung. Sie war verantwortlich für 34 Morde an Führungskräften in Politik, Wirtschaft und Verwaltung, an Polizisten, Zollbeamten und US-amerikanischen Soldaten sowie für mehrere Entführungen, Banküberfälle und Sprengstoffattentate.

Der Hamburger Terroristenstuhl

Die Auseinandersetzung mit der RAF war auch für den Hamburger Strafvollzug eine erhebliche Herausforderung. Die in Hamburg inhaftierten Terrorristen Helmut Pohl, Werner Hoppe, Wolfgang Beer und Bernd Geburtig galten als „harter Kern“. Für den damaligen Leiter des Strafvollzugsamtes, Dr. Arno Weinert, waren besondere Sicherheitsvorkehrungen unerlässlich, obwohl sich gerade der Hamburger Vollzug um eine differenzierte Betrachtung der heiklen Problematik bemühte. Von einem Zielkonflikt sprach deshalb auch Hamburgs Justizsenator Gerhard Moritz Meyer (Freidemokrat), weshalb er eine Integration der Gefangenen aus der Untersuchungshaftanstalt in das geschlossene Hochsicherheitsgefängnis Fuhlsbüttel ablehnte. Das Strafvollzugsamt hatte die Sorge, dass die nach wie vor fanatisch agierenden und als gefährlich eingestuften Terroristen den erfolgreichen und liberalen Strafvollzug in Fuhlsbüttel ruinieren könnten. So wurden die Terroristen unter Beachtung des Trennungsgebotes von den anderen Untersuchungsgefangenen (noch nicht verurteilt) dort belassen.

Als Sprecher der Gruppe der Terroristen übergab Pohl am 13. März 1978 einem Beamten eine Hungerstreik-Erklärung mit dem Text: „Wir werden diesen Streik nicht noch einmal abbrechen, bevor – von den entsprechenden internationalen Organisationen garantierte- Lebensbedingungen hergestellt sind.“

Die von den Terroristen während der Inhaftierung durchgeführten Durst- und Hungerstreiks waren für die in diesem Zeitfenster arbeitende Mitarbeiter eine große Herausforderung mit körperlichen und seelischen Belastungen. Durst- und Hungerstreiks bedeuteten im Ergebnis Zwangsernährung und damit die Anwendung unmittelbaren Zwangs. Das war eine wirklich nicht normale Situation im Vollzug. Bis zu zehn Mitarbeiter mussten gegen den erheblichen Widerstand die Inhaftierten auf diesem Stuhl fixieren, um sie dann mit einer Sonde zwangszuernähren. Eine am Stuhl angebaute Waage sollte den Gewichtszustand dokumentieren. Ein Zeitzeuge, der an diesen Aktionen beteiligt war, berichtet noch heute von Unerträglichkeit des Unterfangens.

Diese schwierige Zeit in der Geschichte des Hamburger Strafvollzuges konnte auch nur deshalb bewältigt werden, weil sie durch ein solidarisches Zusammenwirken aller bewältigt wurde. Eine wirklich nicht alltägliche Situation im Strafvollzug, in seine eigentliche Kernaufgabe – nämlich die Wiedereingliederung von Straftätern in die Gesellschaft (Resozialisierung) – keine Relevanz hatte.

Das Gefängnismuseum Hamburg

Das Museum zeigt und erzählt die Geschichte des Hamburger Gefängniswesens und des Strafvollzuges von seinen Anfängen (1270) bis zur Gegenwart anhand von ausgewählten Exponaten. Dabei klammert es auch Herausforderungen, Probleme und Schwierigkeiten nicht aus. So verhält es sich zum Beispiel mit dem Exponat „Der Hamburger Terroristenstuhl“, welcher in die Geschichte des Vollzuges eingegangen ist.

Das Gefängnismuseum hat in erster Linie eine sozialpädagogische Ausrichtung. Es ist ein Museum für Jugendliche, für Schulen und für Gruppen aller Art zum Nachdenken. Das Museum macht Justizvollzug anschaulich, verständlich und vor allem spürbar. Gleichzeitig geht es aber auch um Aufklärung über den modernen Justizvollzug. Damit ist es ein Museum für alle.

Darüber hinaus dient die Ausstellung der Ausbildung von Justizvollzugsmitarbeiterinnen und -mitarbeitern sowie anderen Vollzugsbediensteten wie z.B. der Polizei. Sie ergänzt das Fach Gefängniskunde in der Ausbildung der Anwärterinnen und Anwärtern des Allgemeinen Vollzugsdienstes.

Adresse

Gefängnismuseum Hamburg in der Justizvollzugsanstalt Glasmoor

Am Glasmoor 99

22851 Norderstedt

Ansprechpartner: Klaus Neuenhüsges

Website: https://www.hamburg.de/bjv/gefaengnismuseum-hamburg/

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