Wildpflanzen im Jahreslauf. Teil 1: Frühling. Die Große Brennnessel

Unser Autor Welf-Gerrit Otto begibt sich auf einen ganz besonderen Frühlingsspaziergang: Mit Blick auf die Wildpflanzen vor der heimischen Haustür entdeckt er eine sagenumwobene und geheimnisvolle Welt, die nur auf den ersten Blick alltäglich erscheint. Dieses Mal: Die Große Brennnessel.


 

Die Große Brennnessel

Die Große Brennnessel ist eine von vier Pflanzenarten der Gattung Brennnessel, die in Deutschland beheimatet sind. Sie soll hinsichtlich Vorkommen, Mythos und Nutzung an dieser Stelle stellvertretend für alle heimischen Vertreter der Gattung Urtica beschrieben werden. Die zweihäusige ausdauernde Pflanze gilt den meisten Menschen als übles Unkraut, das überdies bei Berührung der kieselsäurehaltigen Brennhaare schmerzhafte Quaddeln verursacht.

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Dabei ist die Brennnessel eine der am vielfältigsten einsetzbaren Nutzpflanzen, die es in unseren Breiten gibt. Ihre dunkelgrünen, an der Unterseite behaarten Blätter sind herzförmig und an den Rändern gesägt. Von Juli bis Oktober kommt es zur Blüte. Neben ihrer generativen Vermehrung breitet sich die Brennnessel auch vegetativ über unterirdische Rhizome aus. Brennnesseln gelten als Stickstoffzeiger und wachsen besonders gerne auf nährstoffreichen Böden. Es ist daher kein Wunder, dass sie ganz im Gegensatz zum oben beschriebenen Bärlauch als Kulturfolger des Menschen häufig auf anthropogen eutrophierten Flächen anzutreffen sind. Das massenhafte Auftreten der Pflanze ist deshalb ein untrüglicher Hinweis auf ein gestörtes Ökosystem, auf Überdüngung und Gülleeintrag.

Geographisch verbreitet ist die Große Brennnessel auf der gesamten Nordhalbkugel mit Ausnahme der Tropen und der Arktis. Oft findet man sie in Flussniederungen oder im schattigen Saum von Laubwäldern. Sie liebt Feuchtigkeit und ist daher auch im regenreichen Norddeutschland besonders stark vertreten.

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Welf-Gerrit Otto